Ausflug in das Land der aufgehenden Sonne
Chinobalisierung

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Im Westen teuer designt, in China billig produziert. Egal ob simple PC-Gehäuse oder
Highend-Chips, China baut alles. Was wir von Fernost alles lernen können, analysiert Tiki Küstenmacher.

Ausflug in das Land der aufgehenden Sonne

Im Osten geht die Sonne auf. Europa ist voll im Chinafieber. Eine Milliarde nochwas Chinesen als Markt der Zukunft. Wir können von den gelben Burschen aber auch eine Menge lernen, meint Werner Tiki Küstenmacher.

Nie-Dlig-Lon
Im Reich der Mitte steht die Fabrik der Welt. Hier lässt der bonzige Westen billig und in bester Qualität produzieren, fast alles, was in so einer durchschnittlichen PC-Professionell-Ausgabe abgebildet wird: vom simplen PC-Blechgehäuse bis zum Highend-Chip. Designed in Teueranien, produced im fernen Lande Bil-Lig, husch-husch mit dem Schiffchen zurücktransportiert in die High-Price-Territorien, wo auch der Profit hinfließt. Das war eine clevere Masche, die die Schlitzaugen nun schlitzohrig abgekupfert haben: Sie sagen höflich »danke sehl!« für das angelieferte West-Know-how und verkaufen die emsig hergestellten Qualitätsprodukte auf eigene Rechnung an Lidl und Aldi. Damit bekommt Teueranien einen Hauch der fernen Volksrepublik Bil-Lig. Und wir lernen, dass man auch mit weniger oder gar keinem Lohn glücklich und zufrieden leben kann. Man muss halt nur die billigen Sachen bei Lidl und Aldi kaufen.

Ko-Lup-Zjon
Die zuständigen Weltstatistikorganisationen bestätigen dem bevölkerungsreichsten Land der Erde Jahr für Jahr einen weiteren Rekord: Weltmeister in Sachen Korruption. Der Ministerpräsident Wen Jiabao lässt ab und zu ein paar allzu dreiste Schmiergeldempfänger hinrichten, um die anderen zu erschrecken, was nicht ohne Wirkung bleibt man hält sich eben noch stärker an das bekannte 11. Gebot: »Du sollst dich nicht erwischen lassen.« Europäische Reaktion: Wir sind lernfähig! In EU-Brüssel wurden schon ganze Managementebenen wegen Handaufhaltens bei der Subventionsvergabe ausgetauscht (»um die anderen zu erschrecken«). Kein weitelel Kommental.

An-Geh-Baa
Chinesen sind bei ihren fernöstlichen Nachbarn reichlich unbeliebt. Verspottet als kulturlose, areligiöse Egozentriker und knallharte seelenlose Verhandler. Emotionen sind beim Pförtner am Fabriktor abzugeben. Das Ganze garniert mit protzigem Prestige-Geprahle: Wolkenkratzer, Weltraumhotels und der Wwwwwwitsch-Transrapid. Außerdem wird in 4 Jahren die Weltjugend eingeladen, damit sie sich bei den Olympischen Spielen so blamabel wie möglich vom chinesischen Staatssportzirkus besiegen lässt. Was lehrt uns das? Schluss mit der zickigen deutschen Sympathiemasche in Richtung Europ- und US-a! Wir Deutschen sind nun mal die Besten. Siemens rocks, BMW beats, Daimler rules und SAP spielt »Kill Bill«! Und wenns Staatsknete kostet, so what?

Schul-Den statt Schul-Bill-Dung

Chinas Banken hocken auf faulen Krediten, die Bevölkerung schleppt ihr Erspartes auf mies verzinste Sparbücher, man leistet sich die (fast uncomputerisierbare) komplizierteste Schrift der Welt. Damit das funktioniert, braucht es ein betonköpfiges Bildungssystem und einen Staatsapparat mit Allmachtswahn: Das Volk ist so blöd, dass man ihm keine Entscheidungsfreiheit lassen darf. Seit Berlins Politiker regelmäßig nach Peking reisen, haben sie ihre Lektion gelernt. Oder waren sie dort, um die fernöstlichen Freunde in der hohen Kunst des Reformstaus zu unterweisen? Na, vielleicht sind wir doch nicht so übel.