Special, Teil I
Geheim-Akte 2005

KomponentenWorkspace

2005 werden gleich mehrere Meilensteine gesetzt. In einer dreiteiligen Serie stellen wir sie vor. In Teil I dreht sich alles um Dual-Core-CPUs , die gleich doppelte Rechenpower bieten.

Innovationen 2005

Special, Teil I

Wer dachte, 2004 war mit 64-Bit-Hardware und PCI-Express innovationsreich, wird 2005 nicht mehr aus dem Staunen herauskommen. Wir werden die ersten Dual-Core-CPUs sehen – 2006 auch im Notebook – dank Centrino 2 wird die Gesellschaft noch mobiler, und klassische Handys oder PDAs werden zu Smartphones mutieren. Im Schatten dieser Highlights werden 500-GByte-Festplatten vorgestellt, Serial-ATA-II-Laufwerke kommen auf den Markt und die ersten HD-DVD-Brenner stehen für den Einbau in PCs bereit.

Neue Highspeed-CPUs

2005 wird das Jahr der Dual-Core-CPUs, der Anwender erhält also im günstigsten Fall die doppelte Rechenpower. Die Prozessoren passen in die vorhandenen Slots, der Kauf eines neuen Mainboards ist nicht nötig. Bis zum Durchbruch der Technik wartet die Fachwelt allerdings noch auf Multiprozessor-fähige Anwendungssoftware im Office-Bereich. Diesen Wunsch kennen wir ja von der Ende 2004 aktuellen 64-Bit-Hardware auch hier fehlen noch die passenden Betriebssysteme und Applikationen.

Schnell zuschlagen sollte, wer sich nicht vom aktuellen PCI-Express-Hype anstecken lässt: Anfang 2005 werden alle Grafikchip-Hersteller noch einmal Versionen ihrer PCI-Express-Chips mit AGP-Basis auf den Markt bringen. Wie die lange es die noch gibt, ist ungewiss. Mitte 2005 wird schon die neue Generation der PCI-Express-Chips mit geänderter Architektur bereitstehen.


Windows marschiert mit

Special, Teil I

Um Windows XP wird es 2005 ruhig werden. Nach dem SP-2-Lauch sind erst einmal keine weiteren Updates der Standard-Version geplant. Allerdings warten diejenigen, die bereits 64-Bit-Hardware besitzen, schon sehnsüchtig auf die 64-Bit-Version von Windows XP. Sie müssen sich nur noch bis Mitte 2005 gedulden, bis dahin will Microsoft den neuesten Informationen nach mit Windows XP Professional x64 fertig sein.

Hart arbeiten auch die Windows-Server-Entwickler: Von ihnen erwarten wir 2005 eine 64-Bit-Version und ein SP 1. Und was ist mit Longhorn? Ein Release-Candidate wird wohl nicht vor 2006 erscheinen.

Blick in die Glaskugel

Weniger greifbar, aber noch faszinierender ist ein Blick in die Entwicklungslabors der IT-Grundlagenforscher. Hier arbeitet man derzeit schon an Nanotechnologie für ultradünne Festplatten-Schreib-/Leseköpfe, an Bio-Computern, deren Schaltkreise aus DNS-Material bestehen, und an Supercomputern, die über das Internet ihre Rechenleistung für Home-PCs zur Verfügung stellen.

Mäuse und Tastaturen wird man an PCs des Jahres 2010 vergeblich suchen. Ein Forscherteam unter Leitung des Bundesministeriums für Forschung und Entwicklung arbeitet bereits an der PC-Steuerung durch Gedankenströme. Wer angesichts dieser Schlaglichter Lust auf mehr bekommen hat, sollte einen Blick auf Seite 65 werfen.


Trend zum Doppelkern

Special, Teil I

Aus zwei mach eins! Hinsichtlich des wichtigsten Trends im Prozessorbereich für 2005 sind sich AMD und Intel ausnahmsweise einmal einig: Statt immer höherer Taktraten soll Dual-Core-Technik zukünftig für wachsende Leistung bei Prozessoren sorgen.

Ab Mitte 2005 wollen AMD und Intel die ersten CPUs mit zwei Prozessorkernen auf den Markt bringen. Für den Anwender folgern daraus aber keine entscheidenden Änderungen: Die Dual-Core-CPUs werden sich vom Äußeren kaum von den bisherigen Modellen unterscheiden. Sie passen in die bekannten CPU-Sockel und könnten auch auf den derzeit aktuellen Mainboards arbeiten.

Ein entsprechend ausgestatteter PC funktioniert als echtes Dual-Prozessor-System. Die Leistung kann sich im Idealfall annähernd verdoppeln gegenüber einer gleich schnell getakteten Single-Core-CPU. Intels erste Dual-Core-Prozessoren sollen mit Taktraten von 2,8 bis 3,2 GHz und zweimal 1 MByte L2-Cache erscheinen. In der Leistung dürften damit die aktuellen Pentium-4- und Athlon-64-Spitzenmodelle deutlich übertroffen werden allerdings nur, wenn Dual-Prozessor-optimierte Software zum Einsatz kommt oder mehrere Anwendungen im Multitasking-Modus parallel arbeiten.

Die Software-Unterstützung macht die neuen Dual-Core-CPUs zunächst vor allem für Profi-Anwender interessant: Zwar arbeiten aktuelle Betriebssysteme mit mehreren CPUs in einem PC zusammen, Multiprozessor-optimierte Applikationen finden sich bislang aber hauptsächlich bei teuren Video-, 3D-Animations- und Datenbank-Software.

Eine vergleichbare Rolle spielt die 64-Bit-Technik. Die neuesten CPUs von AMD und Intel verfügen bereits über 64-Bit-Erweiterungen ein Standard-Feature im Jahr 2005 , die Einführung entsprechender Software lässt dagegen noch auf sich warten. Immerhin will Microsoft im Frühjahr das passende 64-Bit-Windows-XP veröffentlichen.


Schlussspurt für Single-CPUs

Special, Teil I

Wird höchste Performance verlangt, stehen 2005 unabhängig von der Einführung der Dual-Core-Technik auch noch schnellere Modelle der derzeitigen Spitzen-CPUs zur Auswahl. Unter dem Codenamen San Diego will AMD beispielsweise die Athlon-64-Prozessoren auf 90-Nanometer-Technologie umstellen und um den von Intel bekannten SSE-3-Befehlssatz erweitern. Vorgemerkt sind derzeit für das zweite und dritte Quartal 2005 die Modelle Athlon 64 4200+ und 4400+ sowie der Athlon 64 FX-57.

Für Leistungs-Enthusiasten baut Intel zu Beginn des Jahres die Reihe der Extreme-Edition-Pentium-4-CPUs aus: Der Intel Pentium 4 Extreme Edition mit 3,73 GHz und 2 MByte L2-Cache wird dem gerade erst vorgestellten 3,46-GHz-Flaggschiff zur Seite gestellt. Diese knapp 1000 Euro teuren Prozessoren sind allerdings nur für absolute Highend-User und Spieler interessant.

Intel führt zunächst bei den Highend-CPUs einen Buffer-Overflow-Schutz ein. Dieser verhindert Viren-Attacken, die sich über Speicherüberläufe im Arbeitsspeicher festsetzen. Das Feature heißt bei Intel XD-Bit und entspricht der bereits von den AMD-Athlon-64-CPUs als NX-Bit bekannten Funktion. Für verringerte Leistungsaufnahme bei Desk-top-Prozessoren soll der Stromsparmechanismus Speed-Stepping sorgen. Wie bei AMDs Cool&Quiet-Funktion werden Intel-CPUs bei geringer Last den Takt herunterfahren. Die langsameren Taktraten reduzieren die Wärmeentwicklung der CPU.

Statt höherer Taktraten soll im Mainstream-Bereich ein größerer Cache-Speicher für höhere Verarbeitungsgeschwindigkeit sorgen: Anfang des Jahres werden die Prescott-2M-Modelle mit 2 MByte Second-Level-Cache als Pentium-4-600er-Reihe auf den Markt kommen. Die Taktfrequenzen reichen von 3,0 GHz beim kleinsten Modell 630 bis 3,6 GHz beim Intel Pentium 660. Die bisherige 500er-Prozessorserie mit 1 MByte L2-Cache wird weiterhin erhältlich bleiben. Für das zweite Quartal wird zudem über die Einführung eines Intel Pentium 4 670 mit einer Taktrate von 3,8 GHz spekuliert. Dann hat das Taktrennen aber zunächst eine Pause Intel hat inzwischen offiziell den 4,0-GHz-Pentium-4 von der Roadmap gestrichen.


Neue Chipsätze für Intel & AMD

Special, Teil I

Für die aktuellen CPUs mit einem Prozessorkern bleiben sowohl bei AMD als auch bei Intel die neuesten Mainboard-Chipsätze bis in die zweite Jahreshälfte 2005 aktuell. Beim Kauf eines Mainboards kann damit guten Gewissens auf die Modelle gesetzt werden, die zum Jahreswechsel in den Handel kommen. Für AMD-CPUs sind Hauptplatinen mit dem gerade erst vorgestellten Nvidia Nforce 4 oder dem für Dezember erwarteten VIA K8T890 der passende Unterbau. Beide bringen erstmals schnelle PCI-Express-Technik auch für die AMD-Plattform.

Mainboards mit Intels neuem 925XE-Chipsatz kommen bereits mit dem schnelleren FSB1066-Bus künftiger CPUs zurecht. Sogar zu den Chipsätzen für die Dual-Core-CPUs gibt es erste Infos. Zur Mitte des Jahres sind drei neue Modelle geplant: Unter
dem Codenamen Glenwood läuft derzeit das Highend-Pendant zum Intel-925X-Chipsatz. Die Versionen Lakeport P und Lakeport G sind für Standard-PCs vorgesehen und ersetzen dort die Chipsätze 915P und 915G.

Auch beim Arbeitsspeicher bringen die neuen Chipsätze Änderungen: DDR2-667-Module werden bei Intel zur Jahresmitte Standard. Zunächst bleibt es aber erst einmal beim DDR2-533-Standard, als einzige Ausnahme sind bis dahin Mainboards mit Intels 925XE-Chipsatz für den Betrieb mit DDR2-667-RAM vorgesehen. Der Umstieg wird allerdings nur geringe Leistungsvorteile bringen, da der DDR2-667-Speicher auch zum schnelleren FSB1066-Bus asynchron läuft (333 gegenüber 266 MHz Grundfrequenz). DDR2-533-Module gehören damit noch lange nicht zum alten Eisen. AMD bleibt in Hinblick auf den integrierten Speichercontroller der Athlon-64-CPUs auch im nächsten Jahr sogar noch beim DDR1-Standard.


PCI-Express-Grafik auch für AGP

Special, Teil I

Im Grafikkartensektor haben sich ATI und Nvidia im Herbst erst mit einer komplett neuen Produktpalette von PCI-Express-Grafikchips aufgestellt. Neuerungen wird es zum Jahreswechsel daher zunächst bei den AGP-Grafikkarten geben. Hier ist der Zug noch nicht ganz abgefahren: Wer in 2005 sein altes System noch mit einer AGP-Grafikkarte in puncto 3D-Leistung auf Trab bringen will, wird die aktuellen PCI-Express-Grafikchips auch auf AGP-Grafikkarten wiederfinden. Bridge-Chips sorgen dabei für den Übergang von der PCI-Express-Schnittstelle des Grafikchips zum AGP-Bus des jeweiligen Mainboards.

Die Zukunft im Grafikkarten-Bereich steht aber unter dem Banner PCI Express. Neue Chips mit größeren Änderungen an der Grafikarchitektur sind bis zur Jahresmitte zu erwarten. Zur Cebit könnten die ersten Vorboten der neuen Chipgenerationen von ATI (R500) und Nvidia (NV50) auftauchen. Zu erwarten sind hier drastische Performance-Optimierungen. Aber auch die 2006 bevorstehende Einführung des Longhorn-Windows zusammen mit der DirectX-10-Schnittstelle dürfte die neuen Funktionen der 3D-Hardware bestimmen.