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IT-Industrie braucht mehr Sex-Appeal

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Bryan Glick empfiehlt der IT-Industrie, ihr Image-Problem nicht unter den Tisch zu kehren. Wenn die Industrie nicht stagnieren will, muss sie sexy werden.

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Der frühere Fußballtrainer von Chelsea and Newcastle United, Ruud Gullitt, ist den meisten in Erinnerung als der Mann, der den Begriff des “Sexy Football” schuf. Gullitt sagte in einem Zeitungsinterview, dass er wünschte, er hätte diesen Ausdruck nie verwendet, da er seither davon verfolgt wird.

Aber wir schrecken nicht davor zurück, die IT in dieselbe Verantwortung zu nehmen. Was ist daran so falsch, von einer “sexy Technologie” zu sprechen?

Die IT steht vor der Aufgabe, ein Imageproblem zu überwinden – sie wird als streberhaft, technisch und langweilig gesehen und trägt nicht gerade zum Wachstum der Industrie bei. Da die Technologie zunehmend unser Leben durchdringt, wird eine derart negative Einschätzung schließlich zum Handicap werden.


“Wir brauchen unsere Streber”

Wir brauchen unsere Streber – jede Industrie hat sie. Es gibt sie in der Maschinenindustrie, bei Musik und Fernsehen, und doch nennt diese Industrien niemand “streberhaft”.

Vodafones jüngster 3G-Start demonstrierte, was man tun kann. Die Einweihungsparty wurde von Jonathan Ross betreut, es gab Livemusik von Jamelia, und Berühmtheiten wie ITN´s Trevor McDonald, Ralf Little von The Royle Family sowie die Supermodels Eva Herzagova, Jodie Kidd und Sophie Anderton gaben sich die Ehre. Die Gästeliste passte in keiner Weise zu einer typischen Werbeveranstaltung der IT-Branche.

Die Veranstaltung war deutlich auf den Konsumenten ausgerichtet, ein Fachpublikum sieht anders aus. Aber es war toll zu sehen, dass die Leute mit Begeisterung verfolgten, was Technologie alles erreichen kann, und dass sie nicht damit geweilt wurden, wie sie das macht.

“Junge Männer, die in Indien in der IT-Branche arbeiten, meinen, man könne damit auf Mädchen einen guten Eindruck machen.”

Das Image-Problem ist nicht überall gleich stark ausgeprägt. In Indien findet man die IT cool. Junge Männer, die in der IT-Branche arbeiten, meinten, man könne damit auf Mädchen einen guten Eindruck machen. Können Sie sich irgendjemanden im Westen vorstellen, der so etwas sagt? Für junge Frauen in Indien ist die IT ein Weg zur finanziellen Unabhängigkeit. In China rennen die Studenten in Scharen von Hunderttausenden in Computerkurse. Genauso viele wenden sich in den Staaten oder in Großbritannien von IT- und verwandten Studiengängen ab. Und das sind die Länder, die immer stärker mit unserer westlichen IT-Industrie im Wettbewerb treten.

Die Image-Probleme der IT spiegeln sich in der Häufigkeit wider, mit der unsere Zeitungen das Thema Technologie aufgreifen – immer in Form von Horrorgeschichten über das Hacking und Phishing und darüber, wie gefährlich es ist, da draußen im weltweiten Netz herumzuhängen. Die neuesten TV-Berichte zu den Gefahren des Online-Banking haben offensichtlich Tausende dazu veranlasst, ihren PC zu verschrotten, damit sie nur ja nicht ins Höllenfeuer geraten. The Times beklagte in einer Schlagzeile, dass die größeren Banken Phishing-Opfer ab sofort nicht mehr entschädigen – doch wenn man sich bis zum 20. Absatz durcharbeitet, erfährt man, dass die Sprecher der Banken lediglich sagten: Ja, das Problem nimmt zu, und wir müssen unseren Standpunkt neu überdenken.

Natürlich gibt es einige Fallstricke, und es ist in Ordnung, die Risiken zu publizieren, solange man sich nicht zu weit von der Realität entfernt und sich damit begnügt, einfache Ratschläge zu erteilen. Aber wann berichten die Medien einmal von den Errungenschaften der Technologie im öffentlichen und privaten Leben und im Arbeitsbereich? Man findet solche Beiträge erfreulicherweise ab und zu in Computerzeitschriften, aber wäre es nicht gut für uns alle, wenn auch der durchschnittliche Bild-Leser (oder Süddeutsche oder Focus oder …) ein etwas anderes Bild bekäme?

“Wir leben in einer Welt, wo sich die Leute immer noch abmühen müssen, um einen Videorecorder zu programmieren”

Ein Teil des Problems liegt in der Komplexität der Produkte, die uns von den IT-Anbietern zugemutet wird. Wir leben in einer Welt, wo sich die Leute immer noch abmühen müssen, um einen Videorecorder zu programmieren, und das sollte die Produktdesigner bedenklich stimmen. Ein Freund, der sich mit Computern bestens auskennt, kaufte kürzlich ein Drahtlos-Netzwerk für zu Hause. Er brauchte 6 Stunden, bis er das System installiert und alle erforderlichen Treiber und Patches aufgespielt hatte, die sein PC brauchte. Wen wundert es da, dass der typische PC-Einkäufer denkt, die IT sei nur etwas für Technik- und Computerfreaks? Die gesamte Industrie muss nach Wegen suchen, wie sie ihre Produkte leichter installier- und nutzbar macht. Apple gehört zu den wenigen, die sich zur einfacheren Gestaltung ihrer Produkte auf Anwendergewohnheiten berufen.

Auch wenn manche beim Vorschlag, Technologie ein bisschen sexy zu machen, in sich hineinkichern: Spricht man mit erfahrenen Experten der Industrie, wird man vielfach zu hören bekommen, dass die Art und Weise sich verändern muss, wie die IT wahrgenommen wird. Verändert sich diese Sichtweise nicht, werden wir mit Innovationen, bei der Integration der Technologie in unser tägliches Leben und bei unserem Bemühen, die talentiertesten und klügsten Köpfe für eine Arbeit im IT-Bereich zu gewinnen, größte Probleme bekommen. (mk)