Netzwerk-Technologie
Mehr Power für Ihr Ethernet

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Die neue PoE-Spezifikation (Power over Ethernet) zielt auf eine Konvergenz von Strom-und Datenleitungen ab. Alan Stevens sieht noch ein paar Hürden auf dem Weg dorthin.

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PoE gehört zu den Technologien, derer man sich nicht bewusst ist, bis man sie benutzt. Dann wird sie plötzlich unverzichtbar, vor allem wenn man für eine große Firma arbeitet und vor der Aufgabe steht, Hunderte, ja Tausende von elektronischen Geräten zu installieren.

Das neue Konzept macht primär Schluss mit all den unansehnlichen “Wand-Auswüchsen”, auch AC-Adapter genannt, und gleichzeitig den Weg frei für viel einfachere Methoden zur Installation von Netzwerk-Hardware.

Für jedes kleinste Teil eine Steckdose zu finden – auch damit räumt die neue Spezifikation auf, ebenso mit dem ständigen Beschaffen von zusätzlichen Kabeln für jede neue Webcam, jedes IP-Telefon und jeden Wireless Access Point. Stattdessen kommt der Saft sofort nach der Installation der Hardware aus derselben Leitung, die auch den Datentransfer übernimmt. Die Hardware ist damit sofort einsatzbereit.

Freilich gibt es hier Grenzen, etwa bei einem Maximalwert von nur 13 Watt pro Port, definiert im 802.3af Standard PoE. Allerdings steht dieser Wert in der Praxis selten zur Verfügung, so dass viele der notwendigen Geräte nicht über das LAN mit Strom versorgt werden können. Das ist zumindest der derzeitige Stand, doch es werden bereits Schritte zu einer Erhöhung der maximalen Stromstärke eingeleitet. Ein neues IEEE-Forschungsteam wurde letzten Monat einberufen, das sich mit einer Erweiterung 802.3af-Spezifikation beschäftigen soll.

Der wegweisende Stern über dieser Initiative ist PoE-Pionier PowerDsine, der als einer der großen Anbieter von unterstützender Technologie ein deutliches Interesse an einem erweiterten Standard hat. Allerdings wurden die Akteure dieser neuen Gruppe von etwa 22 IEEE-Mitgliedern gewählt, was bereits andeutet, dass hier bei den Netzwerkanbietern ganz allgemein ein großes Interesse besteht. Die neue Gruppe soll einen neuen Standard auf die Beine stellen, der rückwärtskompatibel zur existierenden 802.3af-Technologie ist und Geräten weit mehr als 13 Watt zur Verfügung stellt.

Das neue System Dubbed PoEplus soll es möglich machen, dass PDAs, Notebooks und sogar Desktop-PCs ihren Strom aus dem LAN beziehen. Wie viel Strom genau, das ist eine der am meisten diskutierten Fragen; einige Gruppenmitglieder plädieren für 40 Watt oder noch mehr. Das wird vermutlich nicht so einfach werden, denn Twisted-Pair-Kabel sind ursprünglich nicht dafür konzipiert, größere Strommengen zu transportieren, und so wird es noch einige Probleme im Zusammenhang mit Störungen und Sicherheit zu lösen geben.

Eine der größten Herausforderungen wird die Hitzeentwicklung sein. Außerdem kommt es darauf an, die verschiedenen am LAN angeschlossenen Geräte mit der richtigen Strommenge zu versorgen. Zum Beispiel sollten Stromfresser nur genau die Menge erhalten, die sie unbedingt brauchen, und gleichzeitig sollten diejenigen Geräte, die auch mit weniger Strom auskommen, nicht ohne Vorwarnung mit “Full Power” überschwemmt werden.

Trotz aller Hürden wird es bei den immer stärker werdenden Wireless- und VoIP-Technologien zusammen mit einem schier unersättlichen allgemeinen Wunsch nach Mobilgeräten nicht mehr allzu lange dauern, bis die genannten Probleme gelöst sind und der neue PoEplus-Standard verabschiedet ist.

Wenn man das gleichzeitig auflebende Interesse an der Verwendung von Stromleitungen für den Datentransfer betrachtet, insbesondere für eine Breitband-Connectivity für den Verbraucher, sieht es fast so aus, als stünden wir am Beginn einer neuen Konvergenz-Ära, die schließlich in eine Forderung nach einer einzigen Infrastruktur für Strom- und Datenleitung münden könnte.