Mobile Computing
Wi-Fi stürmt die Gebäude und verscheucht IT-Manager

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Werden Grundstücks- und Hausverwalter bald den Job von IT-Managern übernehmen und die IT-Infrastruktur betreuen? James Woudhuysen warnt davor, eine Entwicklung in diese Richtung zu ignorieren.

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In der illustren British Library kann man die Seiten einer digitalen Version des Notizbuches von Leonardo da Vinci von Hand umblättern. Aber von den 3.000 bis 5.000 Lesern, die täglich die Bibliothek besuchen, interessieren sich 16 Prozent für den dortigen Wi-Fi-Hotspot. Von rund 1.000, die es in London davon gibt, ist dieser der beliebteste.

Als ich neulich die Bibliothek besuchte, wurde eine Konferenz zur zukünftigen Arbeitsentwicklung abgehalten, betreut von Unwired Ventures. Die Begeisterung für Wi-Fi ist groß. Im nächsten Jahr wird die Bibliothek eine Ausstellung Wi-Fi-fähiger Möbel veranstalten – was immer das sein mag.

Es geht darum, das Papier aus der Welt zu schaffen. Desktop-PCs werden Motorolas MPX Mobiltelefon weichen, einem muschelartiges Gerät, das auf einem ausklappbaren Querformat-Display mit einer Geschwindigkeit von 2 MBit/s Daten ausgibt. Ein anderes Miniaturexemplar ist ein Siemens Pen, der gleichzeitig ein Mobiltelefon ist – man wählt über Spracheingabe oder, falls es sich um eine neue Nummer handelt, schreibt diese einfach auf.

“Von Vertretern der VoIP-Anbieter wird vorausgesagt, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre das Telefon auf dem Schreibtisch überflüssig wird.”

Von Vertretern der VoIP-Anbieter wird vorausgesagt, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre das Telefon auf dem Schreibtisch überflüssig wird. Man wird sich an Laptops versammeln, um Konferenzverbindungen zu schalten. Statt Bildschirmen wird das Konterfei der Gesprächsteilnehmer an die Wand projiziert. Es wird auch mehr Two-Screen-Working geben, in der Art von BlueSpace, IBMs Prototyp des Büros der Zukunft.

Draußen auf der Straße werden Multifunktions-Headsets von Platronics getragen zur Verwendung an bestimmten Plätzen, an denen man auch “weiche” IT-Schnittstellen für die dann ältere Generation von Arbeitskräften findet. Bristol mag hier wegweisend sein: Im Stadtzentrum hat der Digitalnetzwerk-Provider Cityspace in Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden, dem kanadischen BelAir Networks und Nortel Networks die Wi-Fi-Technologie auf die Straße gebraucht, nutzbar innerhalb eines 3 Quadratkilometer großen Areals. Es sind bereits 3.000 registrierte Benutzer, die durchschnittlich 40 Minuten pro Session im System sind, und 70 Prozent greifen häufiger als einmal pro Woche darauf zu.

“Das Erstaunlichste an der Konferenz war aber die Erkenntnis, dass in Zukunft wahrscheinlich Haus- und Grundstücksverwalter oder -Besitzer für die Gestaltung des Arbeitsplatzes verantwortlich sein werden”

Soviel zu Wi-Fi. Das Erstaunlichste an der Konferenz war aber die Erkenntnis, dass in Zukunft wahrscheinlich Haus- und Grundstücksverwalter oder -Besitzer für die Gestaltung des Arbeitsplatzes verantwortlich sein werden und damit den IT-Manager bei dieser Aufgabe ablösen. In der British Library ist es der oberste Haus- und Grundbesitz-Verwalter, John de Lucy, dem es gelang Wi-Fi durchzusetzen. In Amerika werden per Gesetz nicht mehr IT-Manager gefordert, um Wireless-Access-Points in allen neuen Hochhäusern einzurichten, sondern die Hausbesitzer.

Peter Cochrane, einst Technologiechef bei British Telecom, geht mit seiner Vermutung, IT-Abteilungen würden bald dasselbe Schicksal ereilen wie das gute alte Schreibbüro, noch etwas weiter. Er hat bei sich zu Hause einen 3-Terabyte-Server stehen und besteht nicht nur mit Nachdruck darauf, dass sein letztes Terabyte nur ganze 750 Euro gekostet hat, sondern auch, dass eine eigene IT-Abteilung “die Sache nur komplizierter machen würde”.

Cochranes Sichtweise mag etwas überzogen sein, aber zweifellos gehen die gegenwärtigen IT-Abteilungen ein Risiko ein, wenn sie den Einfluss der Betriebsanlagen-Verwalter ignorieren. Philip Ross von der Firma Unwired ist sich sicher, dass bald jede Bürolampe, jedes Fenster und jedes Türschloss mit einem Short-Range-Radiochip mit eigener IP-Adresse ausgestattet sein wird. Die Datenübertragungsraten werden langsam sein, die Verwendung wird sich in Grenzen halten. Aber dahinter verbirgt sich die Hoffnung, man könne mit Hilfe dieser Chips, die derzeit in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der zur ZigBee Allianz gehörigen Firmengruppe ein großes Thema sind, in größerem Ausmaß als bisher Gebäude “für sich arbeiten lassen”.

Wir leben in einem besitzorientierten Wirtschaftssystem. Sind IT-Manager für einen solchen Wandel bereit? Sie täten gut daran, es zu sein.