Technologie
IT übernimmt das Steuer

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Die Software in einem Durchschnittsauto beläuft sich auf eine Million Zeilen Code, und diese Menge wird gewaltig wachsen. James Woudhuysen macht sich Gedanken über die Implikationen für Firmen und ihre Mitarbeiter.

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Vor einigen Jahren führte The Economist eine Untersuchung zur Zukunft des Autos durch. An deren Ende wurde festgestellt, dass die Verstopfung der Straßen zunehme; andererseits müsse man sich darüber aber keine Sorgen machen. Warum sollte man sich über Verkehrsstaus ärgern, wurde argumentiert, wenn bald jeder am Lenkrad arbeiten werde?

Heute klingt das selbstgefällig. Visionen vom “Auto als Büro” haben sich nicht erfüllt. Natürlich nutzen viele Autofahrer trotz aller Auflagen und Vorschriften weiterhin bei der Fahrt ihr Handy. Aber auch wenn IT-Vorstände Gefallen daran finden könnten, dass ihre Mitarbeiter häufiger vom Auto aus arbeiten, sind die Bedingungen hinterm Armaturenbrett immer noch nicht mit denen am Schreibtisch zu vergleichen.

Dafür gibt es Gründe. Die Produktentwicklungsrhythmen und die Sicherheitsanforderungen für Konsumentenelektronik im Auto unterscheiden sich stark von denen der elektronischen Steuerung des Fahrzeugs selbst. Es gibt weit verbreitete Inkompatibilitäten zwischen den Dutzenden von komplizierten Netzwerken in einem Auto; und es gibt immer das Risiko, dass eines Tages Musik oder ein Hacker sich verheerend auf die grundlegende Sicherheit auswirken könnten.

Die ins Auto eingebaute Navigation wird die Produktivität von Außendiensttechnikern und Vertriebspersonal erhöhen

Es gibt allerdings Fortschritte: Bluetooth hat das Auto erreicht. Nach neun Jahren Existenz bringt Microsoft Automotive Mainstream-Produkte auf den Markt: Die Spracherkennungs-Software in Windows Automotive ist beispielsweise im Citroen Xsara verfügbar und erlaubt es dem Fahrer, mühelos mit freien Händen zu kommunizieren. Währenddessen hat die Abteilung Car IT von BMW, die 2003 gegründet wurde, Hunderte von Elektroingenieuren rekrutiert und es Händlern ermöglicht, Schnittstellen für iPods direkt in die Kabine der 7er-Reihe einzubauen.

Die vielleicht faszinierendsten Versuche, IT ans Steuer zu bringen, finden sich bei der Automotive Software Foundry von IBM. Honda wird im nächsten Jahr die IBM-Software Embedded ViaVoice in Nordamerika als Standard in den Acura RL einbauen. Das wird es Besitzern dieses Modells erlauben, 700 Befehle zu geben. Sie werden auch in der Lage sein, fast zwei Millionen Strassen- und Ortsnamen zu nennen, und gesprochene Schritt-für-Schritt-Fahranweisungen zu ihrem Ziel zu erhalten. Man könnte sich höchstens Sorgen darüber machen, dass die Acura-Fahrer auch in der Lage sein werden, örtliche Gastronomieinformationen abzurufen.

Was wird das für IT-Vorstände bedeuten? Etwas wesentlich Bedeutsameres als die Tatsache, dass sich die Angestellten jetzt Restaurantkritiken anhören können. Die ins Auto eingebaute Navigation wird die Produktivität von Außendiensttechnikern und Vertriebspersonal erhöhen ? vor allem in den USA, wo es so unmöglich ist, eine Firma an einer der Freeway-Abfahrten zu finden, ähnlich den Schwierigkeiten ein Büro in der Nähe von Heathrow aufzuspüren.


Es wird nicht lange dauern, bis Gesetzgeber fordern, dass Fahrzeuge automatisch die Unfälle filmen, in die sie verwickelt werden.

Mit Hilfe von IBM wird der Acura RL außerdem Echtzeit-Verkehrsdaten in sein Navigations-Display integrieren ? eine Premiere für die USA. Das sollte zu weiteren Ersparnissen führen. Internet-Protokolle werden mit Sicherheit Sprache, Instant-Messaging, Video-Konferenzen und Dokumente in das Fahrzeug integrieren.

Vielleicht werden die Vorteile der Automotive-IT am größten bei der Verwaltung von Fuhrparks sein, vor allem bei den überlangen Trucks in den USA. Microsoft hat Stärken, die von der Ferndiagnose und grundlegendem Automotive-CAD über Fahrzeuggarantie bis zu Händlerverwaltungssystemen reichen. Und es wird nicht lange dauern, bis US-Gesetzgeber fordern, dass Fahrzeuge automatisch die Unfälle filmen, in die sie verwickelt werden.