IT Strategie
Upgrade-Aktionen müssen nicht zum Trauma werden

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Lem Bingley plädiert dafür, dass sich Systembetreuer mit den unterschiedlichen Arbeitsweisen der Angestellten gut vertraut machen, bevor sie PCs austauschen.

IT Strategie

Letzte Woche musste ich eine unangenehme Prozedur durchstehen. Nein, kein operativer Eingriff, Gott sei Dank, nur eine PC-Transplantation.

Mein scheidendes System steht immer noch unter meinem Schreibtisch. Ich hatte zweimal eine Speichererweiterung vorgenommen, und einmal wurde das Betriebssystem ersetzt. Trotz dieses Face-Liftings zeigte es die volle Symptomatik von Altersdemenz, die für ältere Windows-Systeme typisch ist: eine Tendenz, über die eigenen Füße zu stolpern, wenn es zu viel auf einmal erledigen sollte, und eine strikte Weigerung, auf sanfte Art und Weise herunterzufahren.

Aber es lief noch ganz gut, wenn auch ziemlich langsam. Und mit mir als Steuermann hat es auch die eine oder andere Optimierung erfahren. Word wurde zum Beispiel um eine beachtliche Zahl von Makros erweitert, außerdem war ein mit Jargon prall gefülltes Wörterbuch und ein Autokorrektur-Filter dazugekommen, der ganz anders funktionierte als die eingebaute Variante. Die meisten Toolbars sahen inzwischen ein bisschen merkwürdig aus, hatten sie doch das eine oder andere selbst entworfene Icon dazubekommen. Und es wurde eine Synchronisations-Software installiert, die alles von einem Psion 5 bis zum Palm Tungsten T3 erfolgreich abzusichern wusste und es irgendwie schaffte, den Überblick darüber zu wahren, wer auf welchen COM-Port Zugriff hatte.

Mein PC hat im Laufe der Zeit die eine oder andere Optimierung erfahren – da kann es doch nur zu Unzufriedenheit führen, wenn man ruck zuck eine neue XP-Maschine auf den Schreibtisch gestellt bekommt.

Ich gebe ja zu, kein typischer Benutzer zu sein, aber es gibt sicher einige Unternehmen, wo Power User sich eine ähnliche Arbeitsweise angewöhnt haben wie ich. Und IT Week ist sicher keine Ausnahme, wenn es darum geht, bei einem Upgrade-Zyklus den Bogen etwas zu überspannen ? mehr als klug oder wünschenswert ist. In einem solchen Umfeld kann es nur zu Unzufriedenheit führen, wenn man ruck zuck eine neue XP-Maschine auf den Schreibtisch stellt, die benötigten Anwendungen installiert und ein paar Dokumente hin und her verschiebt, bevor der nächste Benutzer dran ist.

Aus meiner zugegebenermaßen nicht ganz vorurteilsfreien Sicht ist es ganz offensichtlich, dass ein PC-Austausch gut geplant sein muss. Es muss zuerst einmal geklärt werden, welche Benutzer noch Systeme ganz ohne Schnickschnack verwenden und welche ihren Arbeitsplatz von Grund auf verändert haben, um eine Produktivitätssteigerung zu erreichen. Wahrscheinlich entstehen hier ein paar sehr verschiedene Benutzer-Kategorien, bei denen man auch unterschiedlich vorgehen muss.

Diejenigen, die ihr System bisher am wenigsten verändert haben, brauchen wahrscheinlich am meisten Training, wenn sie aus dem neuen PC das meiste herausholen wollen. Nur die größten PC-Freaks werden mit der veränderten Situation vollkommen alleine zurechtkommen. Aber auch alle, die irgendwo dazwischen liegen, werden dankbar sein, wenn man ihnen die Umstellung so angenehm wie möglich macht.

Wenn Systembetreuer es versäumen, die Einstellungen des Benutzers auf das neue System zu transferieren, kommt es leicht zu einem regelrechten Produktivitätsabsturz.

Microsoft stellt User State Migration Tools für Upgrades von einem Windows-PC auf ein anderes zur Verfügung, und es lohnt sich, sie einzusetzen. In typischer Windows-Manier ignorieren sie perfekt alle Nicht-Microsoft-Anwendungen und deren Einstellungen. Vielleicht haben ja andere Anbieter ähnliche Migration-Wizards zu bieten, die man vor einem großangelegten Austausch ebenfalls beschaffen sollte.

Ich würde übrigens empfehlen, im Zuge dieser Aktion auch gleich den Internet Explorer gegen Firefox 1.0 auszutauschen. Es ist gar nicht schwierig, vom IE gespeicherte Daten nach Firefox zu importieren, nachdem man Microsofts Migrationstool zur Übertragung der Benutzereinstellungen auf den neuen Desktop verwendet hat.

Die Produktivität sinkt freilich zunächst, wenn ein vertrautes System durch ein unbekanntes ersetzt wurde, auch wenn die neue Oberfläche weit besser ist und die neue Maschine wesentlich mehr leistet. Aber wenn Systembetreuer es versäumen, die Einstellungen des Benutzers zu transferieren, kommt es leicht zu einem regelrechten Produktivitätsabsturz, der nicht unbedingt sein müsste.

Viele Unternehmen bereiten sich derzeit auf eine Upgrade-Aktion im Frühjahr 2005 vor. Ich hoffe, man wird sich dann daran erinnern, dass zwar PCs vom Fließband kommen, Benutzer aber nicht. Wir haben alle unterschiedliche Arbeitsweisen, und die IT-Chefs können ihr Ansehen bei den Mitarbeitern enorm steigern, wenn sie diese einfache Wahrheit beherzigen.