Schlagabtausch der Großrechner

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Kampf der Giganten: Nach knapp drei Jahren will IBM den NEC Eart Simulator vom Spitzenplatz in der Liste der weltweit schnellsten Großrechner stoßen.

Der IBM-Supercomputer

Den Spitzenplatz in der Liste der weltweit schnellsten Großrechner (
www.top500.org
) will IBM zurückerobern: Stolz verkündet das Unternehmen, man habe nun einen Prototypen entwickelt, der den bislang schnellsten Supercomputer aus japanischer Fertigung, den NEC Earth Simulator, überholen soll
(
www.research.ibm.com/resources


/news/20040930bluege

e.shtml
). Hierfür verfügt das neueste Modell aus IBMs Supercomputer-Serie, der Blue Gene/L, über 16 000 Prozessoren und soll eine dauerhafte Spitzenleistung von 36,01 Teraflops pro Sekunde erreichen. Flop (Floating Point Operations per second) ist die Maßeinheit für die Geschwindigkeit wissenschaftlich genutzter Computersysteme und bezeichnet die Anzahl an Fließkomma-Operationen pro Sekunde.

Zum Vergleich: Aktuelle PCs erreichen rund 200 Megaflops. NECs Earth Simulator rutscht nun mit 35,86 TFlops auf Rang zwei erreichte diese Höchstmarke allerdings bereits vor knapp drei Jahren und vereinte damals rund zwölf Prozent der gesamten, weltweit verfügbaren Rechenkraft. Diese wird seitdem unter anderem genutzt für die Simulation klimatischer Veränderungen (
www.es.jamstec.go.jp/esc/eng
).

Zwar vermag Blue Gene/L den japanischen Konkurrenten in puncto Rechenleistung nur knapp zu schlagen, doch er benötigt lediglich 30 Quadratmeter Fläche und 216 kWh Strom. Der Earth Simulator benötigt hingegen eine Stellfläche von 3000 Quadratmetern und 6000 kWh.


Japan kontert, IBM zieht nach

Doch so leicht gibt Japan das Rennen um den schnellsten Supercomputer nicht auf: Insidern zufolge plant ein japanisches Konsortium aus Industrie und diversen Forschungseinrichtungen bis zum Jahr 2010 den Bau eines Großrechners. Die Rechenkapazität soll 1000 TFlops (!) betragen. Allein für die erste Ausbaustufe wird das japanische Wirtschaftsministerium umgerechnet rund 130 Millionen Euro bereitstellen.

Damit nimmt das Wettrüsten jedoch noch kein Ende: IBM plant bereits die nächste Ausbaustufe des Blue Gene/L: Dieser soll in der letzten Ausbaustufe mit 130 000 Prozessoren ausgestattet sein Schätzungen zur Leistungsfähigkeit dieses Systems behält sich der Konzern bislang noch vor. Zudem mischt auch die NASA im Großrechner-Wettlauf mit: So arbeitet die US-amerikanische Luft- und -Raumfahrtbehörde derzeit an einem Linux-System namens »Space Exploration Simulator«, das auf SGI- und Intel-Hardware basiert (
astrobiology.arc.nasa.gov/ news/expandnews.cfm?id=10089
).

Auch dieser Bolide wird mit einer Leistung von 60 TFlops den Earth Simulator hinter sich lassen. Einen Tag nach Erscheinen dieser PC-Professionell-Ausgabe, am 6. November, soll die offizielle Superrechner-Rangliste auf den aktuellen Stand gebracht werden. IBM dürfte dann mit Blue Gene/L an der Spitze stehen und dem Gerangel um die niedrigeren Plätze vorerst gelassen zusehen können.