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Ist die Desktop-Dominanz von Microsoft in Gefahr?

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Die wachsende Unterstützung für die Open-Source-Rivalen wird nicht ausreichen, um den Desktop im Business-Bereich zu transformieren, meint Martin Veitch.

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Wenn sich erst einmal der ganze Wirbel gelegt hat um die Markteinführung von Linux-Desktop-Produkten und die Begeisterung von Regierungsbehörden für Open Source, wird man wieder nüchtern auf die Fakten blicken – und feststellen, dass Microsoft bei Computern den Client-Bereich weiterhin dominiert.

Microsoft hat in diesem Monat einen Vertrag mit dem britischen Gesundheitsdienst NHS über die Lieferung von 900.000 Desktops abgeschlossen, und das ist die wohl überzeugendste Wiederlegung des Arguments, dass Open Source sich im Wettbewerb mit dem Marktführer für kommerzielle Software inzwischen auf derselben Ebene befindet

Dafür sollte man nicht Regierungsstellen wie das Office of Government Commerce (OGC) kritisieren, die großartige Arbeit dabei leisten, das Potential von Gratis-Software und die Implikationen für Regierung und öffentlichen Sektor aufzuschlüsseln. Die Forschung und die Berichte dieser Organisation haben Modellcharakter, aber das bedeutet nicht unbedingt, dass Verträge vergeben werden, und es gibt viele Gründe, weshalb meistens die alte Linie beibehalten und wieder Microsoft gekauft wird.

Microsoft hat sich immer als Weg der geringsten Hindernisse positioniert, und das gilt trotz der letzten Herausforderungen an seine Hegemonie auch weiterhin. In der Vergangenheit haben Regulierungsbehörden sich für das Unternehmen interessiert, weil es Gratis-Tools wie Internet Explorer oder Windows Media Player mit seinen Produkten gebündelt hat, oder weil es seine Kunden dadurch aufgebracht hat, dass es Dateiformate geändert hat. Aber selbst ohne eine derart fragwürdige Geschäftsmoral hat die Firma immer noch viele Optionen.

Eine besteht darin, die Preise zu senken. Microsoft ist eines der profitabelsten Unternehmen der Welt, und abgesehen von Forschung und Entwicklung und Marketing betragen die Geschäftskosten einen Bruchteil dessen, was Hardware- oder IT-Services-Unternehmen zu tragen haben.

Um es anschaulich zu machen. Microsoft erwartet in diesem Finanzjahr einen Umsatz von etwa 39 Milliarden US-Dollar und Gewinne von etwa 16,5 Milliarden. IBM, das IT-Unternehmen, das von der Größe her wohl noch am besten mit Microsoft zu vergleichen wäre, hat in den ersten neune Monaten des laufenden Finanzjahrs einen Gewinn von 5,4 Milliarden US-Dollar gemacht, bei einem Umsatz von 68,8 Milliarden.

Selbst wenn Microsoft bei den wesentlichen Produktivitätsanwendungen und Betriebssystemprodukten Preissenkungen vornehmen müsste, kann man wohl annehmen, dass das möglich ist und gemacht würde.

Eine andere Möglichkeit ist ein modularer Ansatz der Software-Kombination. Microsoft könnte einige Produkte zerlegen und neue Preissysteme für Märkte gestalten, auf denen die Firma am stärksten bedroht ist. Werden unwesentliche Funktionalitäten weggelassen, können Produkte für preissensitive Märkte und Regionen attraktiver gemacht werden, während die Differenzierung zwischen den Produktlinien beibehalten wird.
Zu guter letzt sollte Microsoft die Lizenzbedingungen entschärfen. Die letzten Veränderungen bei den Kernlizenzen und außergewöhnliche Bedingungen für die OGC enthielten Regelungen zur Weiterbildung und zu “Auszeiten”, so dass die Käufer nicht unter Druck geraten, wenn sie die Lizenzen haargenau auf dem letzten Stand halten. Beim NHS lässt Microsoft sich sogar darauf ein, Software anzupassen.

Auch ohne diese machtvollen Möglichkeiten bleibt Microsoft eine attraktive Option. Das Unternehmen hat vor allem im schnell wachsenden Markt für mobile PCs einen großen Vorsprung. Es ist daran gewöhnt, mit den ganzen anderen großen Jungs in Komitees zu sitzen, weshalb es die neuesten Versionen von Schnittstellen wie USB hat.

Microsoft ist vertraut und von einer Familie umgeben, die enger zusammenhält als die Konkurrenz. Das Open-Source-Phänomen ist die größte Gefahr, mit der Microsoft seit über einem Jahrzehnt konfrontiert ist. Produkte von respektierten Firmen wie Sun und Novell bieten den notwendigen Support und geben Open Source eine Chance bei Leichtgewicht-Desktops. In der nächsten Zeit allerdings wird der wesentliche Effekt von Open Source vielleicht in den Auswirkungen zu sehen sein, die es bei Microsoft zu sehen gibt.

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