IT-Strategien
Warten und immer nur warten auf die Killer-App

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Es gibt viele Leute, die prophezeien, dass mobile IT-Systeme wesentlich populärer werden, wenn es erst einmal eine Killer-Applikation gibt. Aber was würde ein solches Wundertier wohl leisten, fragt sich Martin Butler.

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Kürzlich erwähnte jemand in einer Unterhaltung, dass die mobile Technologie immer noch auf die “Killer-Applikation” wartet. Ich fragte mich allerdings, ob es so was wirklich geben wird, und selbst wenn das der Fall wäre, ob alle Firmen warten sollten, bis diese Erfindung da ist, bevor sie sich für eine mobile Plattform entscheiden? Der Home-PC hat sich nicht wegen einer einzelnen Applikation durchgesetzt, auch wenn das Internet manchmal als die Killer-Applikation für den PC bezeichnet wird.

Diese Bezeichnung für das Internet übersieht allerdings völlig, dass es in den Privathaushalten schon Millionen von PCs gab, als diese noch keine Verbindung zu den Telekom-Netzwerken hatten. Und angesichts der Menge an Werbung, die noch immer für Internet-Zugang betrieben wird, sowohl Breitband als auch Einwahlverbindung, sieht es so aus, als gebe es immer noch viele PCs, die nicht online sind. Der Home-PC verfügt über eine Vielzahl von Anwendungen, die von seinem Besitzer in unterschiedlichem Umfang genutzt werden.

Man nehme zum Beispiel das allgegenwärtige Element des Home-PCs, Microsoft Office. Wie viele Menschen nutzen das gesamte Office-Paket? Die meisten verwenden lediglich Microsoft Word, um Briefe zu schreiben, und vielleicht noch ein Excel-Arbeitsblatt für ihr monatliches Budget. Und genauso wenig wie es eine Killer-Applikation für den Home-PC gibt, sollten wir eine für Mobil-Technologie erwarten. In welchem Umfang neue Technologien akzeptiert werden hängt normalerweise von einer ganzen Reihe von Anwendungen ab. So, wie die Umsätze von Fernsehgeräten in den 50-er und 60-er Jahren zunahmen, weil mehr Kanäle eingeführt wurden, wird auch die Akzeptanz für andere neue Technologien wachsen, wenn mehr Auswahl angeboten wird.

Ein neuer Regierungsbericht deutet darauf hin, dass fast die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung Großbritanniens “digital losgelöst” ist. Warten diese “losgelösten” Menschen nur auf eine Killer-Applikation, um dann loszurennen und einen PC so kaufen, oder haben sie schlichtweg kein Interesse?

Die exzessiven Geldsummen, die die Telekommunikationsbetreiber für das Recht bezahlt haben, in einigen Teilen Europas neue mobile Services betreiben zu dürfen, sind genau bekannt. Das gilt auch für die Tatsache, dass diese Investitionen sich als harter Brocken für die Anbieter erweisen könnten, die die Verträge “gewonnen” haben. Ganz gleich, welche Dienste über die Wireless-Netzwerke angeboten werden, die Quantität wird entscheidend sein und nicht ein einzelner spezifischer Dienst.

Bundesliga-Tore, die man sich auf einem Bildschirm in der Größe einer Briefmarke ansieht, sind für den einen eine echte Sensation und für den anderen herausgeschmissenes Geld. Natürlich darf man nicht vergessen, dass jeder Markt eine Grenze hat. Und diese Grenze wird immer unter 100 Prozent der Bevölkerung liegen. Fernseher scheinen allgegenwärtig zu sein, aber es gibt immer noch Haushalte, die keinen haben. Es wird immer Leute geben, die ein bestimmtes Produkt oder die neueste Technologie nicht haben wollen. Hersteller, Wiederverkäufer und Service-Anbieter müssen sich darauf einstellen. Das Warten auf die Killer-Applikation ist wie das Warten auf Godot. Sie wird nicht kommen. Und das Warten ist – Entschuldigung, Samuel Beckett – extrem langweilig.

Der Autor:
Martin Butler ist Chef der IT-Beratung “The Butler Group” in London

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