IT-Arbeitsmarkt
Job-Titel außer Rand und Band

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Die verbesserte Lage auf dem Arbeitsmarkt könnte dazu führen, dass allseits die Lebensläufe wieder aufpoliert werden und das Rampenlicht gesucht wird.

IT-Arbeitsmarkt

In der Welt der Berühmtheiten ist niemand mehr ein einfacher Star.

Jeder, der mehr im Licht der Öffentlichkeit steht als, sagen wir einmal, das Innere eines Banktresors, wird sofort zum Megastar. Nicht Superstar – das klingt so nach den 70ern -, sondern Megastar.

Die bescheidene Besetzungsliste gehört der Vergangenheit an.

Wer bei Kino, Bühne oder Fernsehen mitmischt, wird zur Hyper-Mediensensation höchster Exzellenz, die alle galaktischen Nebel überstrahlt, ohne Rücksicht auf professionelle Erfahrung.

So ist es auch bei der Software-Entwicklung. Nicht einmal milchbubenhafte Studienabgänger sind noch “Programmierer”.

Die Titelinflation hat in den letzten Jahren schwer zugeschlagen, und inzwischen steigt ein Hochschulabgänger als “Entwickler” in die Berufswelt ein – ein Titel, der früher erfahrenen Code-Autoren vorbehalten war.

Die Bezeichnung Analyst-Programmierer, überholt und altmodisch, wurde schon vor geraumer Zeit in den Müll geworfen.

Heutzutage erreicht man prinzipiellen Entwicklerstatus innerhalb von zwei Jahren Berufslaufbahn, und im Lebenslauf erklärt man sich stolz zum Architekten, sobald das erste Gestaltungsmodell im Projektteam herumgezeigt wurde. Wie viel aufregender ist es, wenn man Architekt genannt wird – ein technischer Titel, in dem aber eine Spur kreative Romantik steckt, die in der Computer-Welt so lange gefehlt hat.

Sie mögen das alles für harmlos halten; es ist ganz natürlich, dass man im Eigenlob schwelgt und die eigene Erfahrung aufbläst, um einen besseren Job zu bekommen. Aber ist das wirklich gefahrlos?

Nach Monaten der Depression weht ein frischer Wind durch den IT-Arbeitsmarkt, und Jane Binnner, Associate Director der führenden Personalagentur Computer People, hat erst vor einem Monat in der Zeitschrift Computing erklärt, “Die Aussichten für Arbeitssuchende im IT-Markt sind so gut wie sie seit Ende der 90-er Jahre nicht mehr waren.”

Wenn der Arbeitsmarkt wächst, steigen auch die Gehälter, und Geld ist ein schwieriges Thema für Personalabteilungen.

Es gibt den alten Spruch, dass man Affen bekommt, wenn man nur peanuts (Erdnüsse) zahlt; aber was ist eigentlich, wenn die Gehälter im Steigen begriffen sind? Dann wirkt auf einmal das, was heute als anständiges Gehalt gilt, als Kinkerlitzchen. Die guten Mitarbeiter, die man heute hat und behalten möchte, sind zur Tür raus, bevor die Personalabteilung ihnen eine neue Karotte vor die Nase halten kann.

Das Gehalt macht einen Großteil des Bildes aus, aber man muss noch mehr bedenken. Zufriedenheit mit dem Job ist von hoher Bedeutung, und in der IT hat das oft mit dem Herumbasteln mit Computern zu tun.

Zu viele Leute vergessen, dass Zufriedenheit mehr ist als einfach nur Geld. Die vorhandenen Technologien und der Zugang zu den neuesten Innovationen müssen zu einem Anreizpaket zusammengeschnürt werden.

In einer Branche, die sich im Schnellzugtempo bewegt, finden Mitarbeiter auch die Aussicht auf ständiges Lernen und das Schritthalten mit angesagten Technologien attraktiv.

Dass diese Technologien nur in begrenztem Umfang eine Erfolgsgeschichte haben, hält die Mitarbeiter nicht davon ab, damit herumspielen zu wollen. Ein kluges Unternehmen wird ein Projekt begrenzen, das mit neuen Software-Tools, Methodologien, Konzepten oder Plattformen arbeiten will.

Angesichts der verbesserten Berufsaussichten können die erleichterten Entwickler wieder ausatmen und damit beginnen, ihren Lebenslauf für maximales Einkommen und höchste technische Ehren zu optimieren.

Auf den Chefs wird zunehmend der Druck lasten, sich den neuesten Trends anzupassen, da die Mitarbeiter auf den Job-Sites schon nach besserer Bezahlung und interessanteren Tätigkeiten suchen.

Es gibt eine Menge Entwickler, die die letzte Finsternis ausgesessen haben, indem sie alte, aber perfekt nutzbare Technologie verwendet haben – jetzt sehen sie die Möglichkeit, aus den Löchern zu kommen und ihre Qualifikationen auf Vordermann zu bringen.

Die Inflation der eigenen Rolle ist wahrscheinlich sowohl für Stars als auch für Entwickler harmlos, und wir alle möchten, dass man eine hohe Meinung von uns hat. Aber inflationäre Gehälter führen dazu, dass mehr bedacht werden muss als einfach die Kosten von Ressourcen.

Entwickler sind sich nicht sicher, ob neue Technologien es wirklich schneller und einfacher machen, Software zu entwickeln, aber sie sind gerne bereit, dass Ihr Unternehmen das Risiko übernimmt.