Siemens verschafft sich offenbar Zugang zu privaten E-Mails kritischer Mitarbeiter

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Ein Arbeitsgerichts-Prozess um die Gewerkschaftlerin Inken Wanzek und leitende Siemens-Mitarbeiter, die persönliche E-Mails weiterleiteten, tobt derzeit.

Siemens verschafft sich offenbar Zugang zu privaten E-Mails kritischer Mitarbeiter. Das kam jetzt in einem aktuellen Arbeitsgerichtsprozess um die aktive Gewerkschaftlerin und Vertrauensfrau Inken Wanzek an Tageslicht. Es gibt, so der von der Gewerkschaft IG Metall beauftragte Anwalt Rüdiger Helm “klare Indizien” dafür, dass Siemens sich interne E-Mails des selbstorganisierten Mitarbeiter-Netzwerks NCI zugänglich gemacht hat. Diese seien an höchste Stellen bei Siemens, im Arbeitgeberverband und an den Konzernanwalt weitergeleitet worden.

Vor einem Jahr, am 27. Oktober 2003, war die aktive Gewerkschafterin und Mitbegründerin des Solidaritätsnetzes NCI von Siemens fristlos gekündigt worden. Offizieller Anlass war eine ihr zugerechnete E-Mail, die von einer privaten E-Mail Adressen an weitere private E-Mail Adressen im Verteiler des Mitarbeiternetz NCI geschickt wurde. Sie erhielt vor dem Hintergrund des Selbstmordes einer arbeitslosen Ex-Kollegin einen Aufruf, sich in der schwierigen Kündigungssituation umeinander zu kümmern. Die Siemens-Konzernführung fühlte sich dadurch geschmäht und kündigte. Die Frage, wie Siemens an diese vertrauliche E-Mail gekommen war, blieb in dem zurückliegenden Prozess ungeklärt.

In der vergangenen Woche konnte Inken Wanzek nun auch ein zweites Verfahren – hier ging es um eine Abmahnung – in erster Instanz für sich entscheiden. Auch dieser lag eine E-Mail zugrunde, die privat innerhalb des NCI-Netzes versendet wurde. Anwalt Helm drängte während des Prozesses auf die Klärung der Frage, woher Siemens die privaten Schreiben habe. Gegenanwalt Ferdinand Nielsen verweigerte darüber jedoch die Auskunft.

Die Software-Qualitätsmanagerin Wanzek ist inzwischen an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Siemens war dazu verurteilt worden, das Arbeitsentgelt nachzuzahlen und sie weiterzubeschäftigen. Obwohl das Arbeitsgerichtsverfahren weiter geht – der Konzern hat Berufung gegen das Urteil eingereicht – hat Wanzek seit September wieder ihren alten Arbeitsplatz bei Siemens, am Münchner Standort Grillparzerstraße, inne.

Frühere Kollegen, Betriebsrat und IG Metall-Vertreter besuchten die streitbare Gewerkschafterin an ihrem neuen alten Arbeitsplatz und beglückwünschten sie zu ihrem Etappensieg. Harald Flassbeck, 1. Bevollmächtigter der IG Metall München: “Es ist ein gutes Zeichen, dass unsere Kollegin wieder bei Siemens arbeitet. Die Beschäftigten sehen, dass es sich lohnt, gegen Unrecht vorzugehen.” Die IG Metall München erwartet von Siemens die Beendigung des arbeitsgerichtlichen Verfahrens und die vollständige Reintegration ihrer Kollegin Wanzek. (mk)
( de.internet.com – testticker.de)

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