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Die Wiki-Revolution kommt auch ins Business

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Es ist nur eine Frage der Zeit, bis überall in den Unternehmen Wiki-Sites auftauchen werden. Das Konzept von OpenSource, angewendet auf Informationen, zeigt derzeit noch interessante Blüten – aber könnte sich bald im Sales- und Marketing-Bereich durchsetzen.

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Wenn ich in meinen sechs Jahren bei der IT Week etwas gelernt habe, dann ist es, dass man aufgeschlossen sein muss. Die Dinge ändern sich, und sie ändern sich dramatischer, als ich es früher vielleicht erwartet habe. Vor neun Monaten beispielsweise sah die Übernahme von PeopleSoft durch Oracle wie eine unmögliche Aufgabe aus, die eines Don Quichotte würdig gewesen wäre. Heute wirkt sie unvermeidbar.

Auf ähnliche Art und Weise wirkte das vor einem halben Jahrzehnt aufkommende Phänomen des Instant Messaging (IM) ziemlich irrelevant. Wie sollte ein Spielzeug, das den Small-Talk von Konsumenten unterstützen sollte, irgendeine Auswirkung haben auf Unternehmen? Ich erinnere mich, dass ich genau so argumentiert habe.

Heutzutage verlassen sich ziemlich viele Firmen mit verteilten Teams auf IM. IM hat deutliche Business-Auswirkungen: Es liefert das Bindemittel, um einen an verschiedenen Orten arbeitenden Haufen, der mit Mobilgeräten und von zu Hause aus agiert, zu einem zusammenhängenden Team mit einem gemeinsamen Fokus zu machen.

“Viele Firmen verlassen sich auf die anfangs noch für Privatnutzer gemachten Instant Messenger – unter diesem Hintergrund habe ich mir die die zunehmende Zahl von Wiki-basierten Websites unter Business-Aspekten angesehen”

Mit dieser Erfahrung im Hinterkopf habe ich mir die zunehmende Zahl von Wiki-basierten Websites angeschaut, deren wahrscheinlich bekanntestes Beispiel die Web-Enzyklopädie Wikipedia ist.

Wikis sind Websites, auf denen Besucher Bearbeitungsrechte erhalten. Dahinter steckt die Idee, dass ein dynamischer Pool von gemeinsam genutzten Daten entstehen soll. Jeder Besucher kann Informationen vorschlagen oder beitragen. Jeder Besucher kann Änderungen am Content vornehmen. Niemand moderiert, und niemand bearbeitet Einträge. Oder besser gesagt, jeder bearbeitet Einträge, und jeder moderiert. Standards dafür, was dazugehören sollte und was nicht, entwickeln sich im Konsens, innerhalb der Grenzen, die der Host des Wiki gesetzt hat.

Mit anderen Worten: Wiki-Sites wirken vage, verschwommen, sogar gefährlich.

Aber wie das nützliche Wikipedia zeigt, kann das Wiki-Kozept sehr gut funktionieren. Globales Bearbeiten kann zu kommunalem Polieren führen.

Und anders als bei E-Mail kann hier Masse gegen Spam arbeiten statt es zu befördern. Die Chancen stehen gut, dass sofort jemand einen Spam-Eintrag gefunden und gelöscht hat.

Neu aufgetauchte Fehler werden ebenfalls eher gefunden und schnell behoben. Forscher bei IBM berichten beispielsweise, dass die meisten Wikipedia-Seiten, die sich mit kontroversen Themen beschäftigen, irgendwann von Vandalen heimgesucht wurden. “Wir haben aber auch festgestellte, dass dieser Wandalismus normalerweise extrem schnell repariert wird,” fügen sie hinzu.

In mehrerlei Hinsicht erinnert Wiki an das Modell der Open-Source-Software, das hier aber auf Daten statt auf Code angewendet wird. Und so leidet Wiki auch unter ähnlichen Schwächen. Nur bestimmte Wikis erreichen den Wendepunkt, ab dem sie ein autarkes Leben führen können. Und auf der Ebene der Detailinformationen werden nur bestimmte Wikis genügend Interesse wecken, um nützlich zu werden.

In Wikipedia finden sich mehr Informationen zu Kriegen in Tolkiens Mittelerde als zu realen Konflikten”

Im September hat Ethan Zuckerman, Gründer der Wohltätigkeitsorganisation GeekCorps, die der Dritten Welt IT vermitteln will, festgestellt, dass (zu diesem Zeitpunkt) in Wikipedia kaum Informationen über den Bürgerkrieg im Kongo zu finden waren. Dieser sehr reale Konflikt hat mehr als drei Millionen Todesopfer gefordert. Im Gegensatz dazu konnten die User ein Unmenge detaillierter Informationen über fiktive Kriege in Mittelerde finden.

Angesichts all dieser Umstände könnte man versucht sein zu sagen, dass Wikis ohne Relevanz für die Geschäftswelt sind. Ich erwarte allerdings, dass sich diese Ansicht als vollständig falsch erweisen wird.

Bereiche mit Informationen, die von Usern bearbeitet werden können, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in Unternehmen einen festen Platz bekommen, und IT-Manager, die nach vorne denken, sollten sich mit ihren Planungen auf diese Entwicklung einstellen.

Wer sehr mutig ist, könnte das Thema sogar mit Informationsbesitzern wie dem Marketing, der PR und dem Vertrieb anschneiden und vorschlagen, ein Wiki einzurichten, um einen Pool mit nützlichen Business-Informationen zu schaffen.