IT-Strategie
Windows wird Nuklearmacht

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Ist es wirklich eine gute Idee, Trident-U-Boote von handelsüblichem Code steuern zu lassen? Les Hatton meint, dass Windows den dritten Weltkrieg auslösen könnte.

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Als ich unlängst von einer Konferenz über das Software-Testen in Australien zurückkam, erwartungsgemäß mit Jet-Lag, musste ich lesen, dass die britische Royal Navy sich darauf einstellt, ihre Kriegsschiffe mit Windows auf hohe See zu schicken. Bin ich der einzige, der meint, dass das eine der dümmsten IT-Entscheidungen des Jahrhunderts sein muss?

Wer den Hintergrund der Geschichte nicht kennt, sei daran erinnert, dass das zum ersten Mal Mitte der 90-er Jahre versucht wurde. Es gibt eine wunderbare Beschreibung davon, wie die damals neueste Generation von US-Raketenträgerkreuzern, die USS Yorktown, oft neu gestartet werden musste, weil das darunter liegende Netzwerk von Computern auf Windows NT lief und unpassenderweise zu Abstürzen neigte.

Anscheinend bedeutete das, dass kritische Systeme wie die Steuerung mitten im Gefecht ausfallen konnten.

Und da wären wir wieder. Dieses Mal wurde die Entscheidung von AMS getroffen, einer Unterabteilung von BAE Systems – gegen den Rat der Techniker.

Die neueste Entscheidung ist etwas marktorientierter als die USS Yorktown, da Windows 2000 anstatt von Windows NT genutzt werden soll – aber das ist schon alles, was man dazu Positives sagen kann. Nach meiner eignen Einschätzung ist Windows 2000 doppelt so verlässlich wie NT und stürzt nur alle 200 oder 300 Stunden einmal ab, während im Vergleich dazu Standard-Linux-Systeme im Durchschnitt nur alle paar Jahre ausfallen. Als Kompensation für die Verbesserungen soll Windows diesmal das Combat management System von Zerstörern Type 45 und von Vanguard-U-Booten steuern, wozu die thermonuklearen ballistischen Geschosse Marke Trident von Großbritannien gehören.

Und damit nicht genug. Microsoft weist bei seiner Lizenzierungs-Policy ausdrücklich darauf hin, dass keine Version von Windows für sicherheitskritische Systeme geeignet ist. Da sage ich nur: Gut gemacht, AMS. Es will mir einfach nicht in den Kopf, was für eine Mentalität Leute haben, die Textverarbeitung und die Steuerung von Nuklearraketen unter den selben “standardisierten” IT-Deckel gruppieren. Ich zum Beispiel würde gerne wissen, wer in der britischen Regierung dafür verantwortlich ist, den technischen Hintergrund einer solchen Entscheidung zu überwachen, also würde ich gerne ein Szenario vorschlagen …

Wir machen also mit dieser ausgesprochen dummen Entscheidung weiter, und einer feindlichen Gruppierung gelingt es, die Systeme mit Spyware, Viren und/oder Würmern zu infiltrieren (deren Zahl sich allein in diesem Jahr in Windows-Systemen verfünffacht hat). Und wir sollten uns von AMS nicht einen Moment lang erzählen lassen, dass das zu verhindern ist.

Was halten Sie denn eigentlich davon, wenn Kriegsschiffe das selbe Betriebssystem nutzen wie Ihr PC zuhause – ein Betriebssystem, das unkontrollierte Pop-Ups zulässt, das unangenehm oft abstürzt, das vom eigenen Hersteller explizit als ungeeignet für kritische Systeme bezeichnet wird, das von Eindringlingen gebeutelt wird, dessen Schutz letztlich nicht zu verbessern ist? Und dieses System soll Nuklearraketen steuern? Das stinkt.

Nur für den Fall, dass niemand in der Regierung darauf vorbereitet ist zu sagen, dass das bei kritischen Systemen völlig unakzeptabel ist, gibt es ein nützliches Flaggensignal für die bedauernswerten Männer und Frauen der Royal Navy, die diese Systeme benutzen werden müssen: 15 11 5 1 18 5 22 1 9 19. Das heißt “Please Wait” “bitte warten”.