Mainboards im Test
775 Pins und PCI-Express

KomponentenWorkspace

Intel führt mit den Chipsätzen 915, 925X Techniken wie PCI-Express, DDR-2-Speicher und den CPU-Sockel mit 775 PINs ein. Beim Upgrade ist viel auszutauschen, ein kompletter Systemwechsel lohnt eher.

DDR-2-Speicher hat mehr Takt

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Sockel und CPU-Generationen hängen stark zusammen. Erhöht Intel oder AMD die Taktfrequenzen, muss eine neue Technik her. Bei Intel wird von 478 auf 775 PINs, bei AMD von 754 auf 939 PINs gewechselt. Intel belohnt den Umstieg auf die höheren Taktfrequenzen bis 3,6 GHz mit weiteren Neuerungen. Die neuen Chipsätze 915G, 915P und 925X erweitern den PC um DDR-2-Speicher, PCI-Express, WLAN und das neue PIN-Layout FC-LGA für die aktuellen Prescott-P4-CPUs. Was bedeutet das für den Käufer?

DDR 2 ist nicht PIN-kompatibel mit DDR-RAM. Die Taktraten für den neuen Speicher liegen bei 533 MHz. Durch die langsamen Timings von 4-4-4 (DDR-RAM 2-2-3) gibt es keinen Geschwindigkeitsvorteil. Die neuen Speicherriegel sind im Schnitt 20 Prozent teurer. PCI-Express bringt den bisher fehlenden Umbau im Bussystem. Da Festplatten jetzt mit S-ATA und externe Komponenten mit USB seriell arbeiten, musste der Umstieg auch beim AGP- und PCI-Bus kommen.


PCI-Express kann zweimal 3D

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Für PCI-Express ist eine neue Grafikkarte nötig. Wer gerade ein Topmodell mit Radeon X800 oder Geforce 6800 auf AGP-Basis erworben hat, wird vielleicht nicht gleich wieder 550 Euro in PCI-Express investieren wollen. Außerdem sind die Top-Karten als PCI-Express-Variante noch nicht in großen Stückzahlen verfügbar. Für SCSI-Controller, Sound-, Videoschnitt oder TV-Karte sind in den aktuellen Chipsätzen zwei bis drei normale PCI-Steckplätze vorhanden. Für PCI-Express ist auf den Mainboards bisher nur ein 16x-Slot zu finden. Pläne für mindestens zwei Slots muss es allerdings bereits geben, da Nvidia an einem SLI-Konzept für Grafikkarten arbeitet. Wie beim Voodoo-2-Grafikchip von 3dfx werden sich dann zwei miteinander gekoppelte Grafikkarten die 3D-Berechnung teilen. Damit wäre dann auch schnelle Spitzengrafik in hohen Auflösungen möglich.

Intel wird wireless
Die Funktionalität für WLAN ist im Chipsatz enthalten. Allerdings bleibt es dem Boardhersteller überlassen, wie, ob und mit welcher Technik er das Funknetz aufbaut. Händler und Hersteller-Homepage helfen weiter.

Der Sockel 478 hat ausgedient. Die Pentium-4-CPU gibt es mit altem Northwood-Kern bis 3,4 GHz Taktrate.


CPU kühlt Mainboard mit

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Letzte Änderung ist der Sockeltyp für die CPU. Die PIN-Anzahl hat sich von 478 auf 775 erhöht, und auch die Technik hat sich geändert: Die CPU hat jetzt Kontaktflächen, die PINs sind als winzige Federn aufs Mainboard gewandert. Zusätzlich hat Intel eine Kennzahl für die Taktraten eingeführt, eine genaue Tabelle gibt es auf Seite 29 unten. Nachdem sich der Sockel geändert hat, ist ein neuer CPU-Kühler nötig. Hier geht es nicht nur um die Befestigung oder um den maximalen Luftdurchsatz, wichtig ist auch der Luftstrom. Dieser muss seitlich rausgedrückt werden, da der CPU-Kühler einige Spannungswandler vom Mainboard mitkühlen muss. Momentan gibt es die neue Intel-CPU ohnehin als Boxed-Version, bei der immer ein passender Kühlkörper mit Lüfter beiliegt.

Stromversorgung wird stabiler
Für mehr Stabilität bei der Stromaufnahme sorgen vier weitere PINs. Die Verbindung von Netzteil und Mainboard hat jetzt 24 statt 20 PINs. Alte Netzteile lassen sich noch verwenden. Man steckt die ersten 20 PINs in den Anschluss, die zusätzlichen vier bleiben frei.

AMD macht den sanften Umstieg
Wer bei AMD mehr Taktrate will, muss ebenfalls den Sockeltyp wechseln. Für den Athlon 64 3500+ und 3800+ sind statt 754 jetzt 939 PINs vorgesehen. Der Vorteil: Jeder kann die CPU-Leistung steigern und seine Komponenten erst einmal behalten. Allerdings wird auch bei AMD der Umstieg auf PCI-Express kommen. Dann wird ebenfalls eine neue Grafikkarte nötig. Wann und ob DDR-2-Speicher kommt, ist noch nicht bekannt.

Bild: Beim Sockel 775 sind die PINs kleine Federn. Diese sitzen auf dem Mainboard, die CPU hat nur noch Kontaktflächen.

Der Sockel 754 unterstützt Athlon-CPU-Kerne mit der Bezeichnung Newcastle bis 3400+ und den Clawhammer bis zum 3700+ mit 2,4 GHz Taktrate.


S-ATA-Laufwerke werden nötig

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Damit müssen Sie rechnen: Die neuen Chipsätze 915 und 925 sehen nur noch einen IDE-Bus für zwei Laufwerke vor. Der Rest sind jetzt S-ATA-Schnittstellen. Brenner und Festplatten mit S-ATA-Interface sind teurer. Integriert ein Hersteller zusätzliche IDE-Raid-Controller aufs Board, müssen die mitgezahlt werden. Um ein System wieder leise zu bekommen, wird ein neuer Lüfter notwendig. Die gebundelten Boxed-Varianten sind unter Volllast laut. PCI-Express wird sicher noch eine Generation durchmachen, noch fehlt ein zweiter 16x-Slot.

AGP-Express ist langsamer als AGP
Vorsicht vor Mainboards mit AGP-Express-Slot. Der erlaubt zwar den Einsatz der AGP-Grafikkarte, hängt aber am PCI-Bus und ist um ein Drittel langsamer als eine richtige AGP-Schnittstelle. Damit verliert jede Topkarte deutlich an Leistung. Um eine richtige PCI-Express-Grafikkarte kommt man also letztlich nicht herum. Manche Mainboards erlauben zwar noch DDR-1-Speicher, ein Mischbetrieb mit DDR-2-Bausteinen ist aber nicht möglich. Die Bestückung sollte also gleich geplant werden und zur CPU-Leistung passen. Sind nur zwei Speicherslots pro Typ vorhanden, ist beim Upgrade ein Komplettaustausch nötig.
Wer jetzt kauft, muss sich darauf einstellen, dass in den nächsten Monaten weitere Technikupdates kommen. Ein Upgrade bei AMD ist günstiger, da AGP-Grafik und DDR-RAM bleiben. Wer ein schnelles funktionierendes Intel-System mit 478 Pins hat, sollte erst wechseln, wenn ein neuer PC ansteht, denn Upgrades können teuer werden.

Bild: Der Sockel 939 erlaubt es, den Athlon 64 Newcastle 3500+ und 3800+ oder den Athlon 64 FX-53 Slegdehammer mit 2,4 GHz Taktrate zu installieren.


Intel-Prescott-Mainboards

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  • Die Umstellung auf den Sockel 775 und PCI-Express zwingt Intel-Käufer zum Neukauf von: Grafikkarte, Speicher und CPU-Kühler. Upgrades alter P4s haben keinen Sinn.
  • Intel integriert in die Chipsätze viele neue Technologien: SATA+Raid, PCI-Express, DDR2-Speicher.
  • DDR2-Speicher hat zwar höhere Taktfrequenzen, ist aber durch langsamere Timings nicht schneller als DDR-RAM. Gleichwertiger DDR2-Speicher kostet 20 Prozent mehr.
  • Die ersten Testmuster der Intel-CPUs mit Sockel 775 erzeugten viel Hitze durch 100 Watt Verlustleistung. Das aktuelle Modell mit 3,2 GHz erzeugt 84 Watt.
  • Das neue Befestigungssystem ist mit dem Sockel 478 nicht kompatibel. Die Abluft des CPU-Kühlers kühlt jetzt Spannungswandler vom Mainboard mit. Die beiliegenden Boxed-Kühler von Intel sind dafür geeigent.
  • Noch sind kaum starke Grafikkarten für den PCI-Express-Bus verfügbar. Das wird sich in den nächsten Wochen ändern.
  • Der Netzteilstecker zum Mainboard bekommt vier weitere PINs dazu. Alte 20-PIN-Netzteile lassen sich verwenden. Wer den Technologiewechsel mitmachen und maximale Stabilität will, sollte nachkaufen.
  • Viele neue Mainboards haben WLAN oder einen zweiten LAN-Anschluss bekommen.
  • Die neuen Intelchipsätze haben nur noch einen IDE-Stecker für zwei Laufwerke. Der Rest ist für teure S-ATA-Drives ausgelegt. Mainboards mit zusätzlichen IDE-RAID-Controllern kosten mehr.

Fazit: Der Technologiewechsel kostet 200 Euro mehr als ein gleichwertiger P4 mit 478 Pin oder AMD 64. Ein Upgrade auf PCI-Express ist also wenig sinnvoll, da man viele Komponenten neu kaufen muss und keinen deutlichen Leistungsschub bekommt. Wer alles neu kauft, wiegt die Nachteile auf, zahlt aber ein paar Euro mehr.


AMD-64-Mainboards

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  • Beim Slotwechsel auf AMD 64 mit 939 PINs nimmt man DDR-Speicher und AGP-Grafikkarte einfach mit.
  • PCI-Express wird folgen. Käufer, die jetzt zugreifen, bekommen in ein paar Wochen das Gefühl, schon wieder veraltete Hardware zu besitzen.
  • DDR2 wird folgen. Momentan kann man das Geld aber bequem in mehr, schnelleren und günstigeren DDR-RAM stecken
  • Die Verlustleistung von AMD-CPUs liegt bei 89 Watt. Der PIN-Wechsel sollte keine thermischen Nachteile haben.
  • Die CPU-Kühler lassen sich vom Sockel 754 auf 939 theoretisch übernehmen. Der CPU-Kühler sollte für die höheren Taktfrequenzen ausgelegt sein. Angaben dazu stehen immer auf der Verpackung des Kühlers.
  • Für AGP liegen superschnelle Grafikkarten mit Geforce 6800 Ultra und Radeon X800 XT im Händlerregal.
  • Der Netzstecker am Mainboard ist geblieben. Der Wechsel auf den Sockel 939 hat keine Auswirkung auf die Stromversorgung gehabt.
  • Zweimal LAN oder zusätzliches WLAN zählt als Sonderausstattung.
  • Noch bleibt alles beim Alten. Zwei IDE-Stecker sind Minimum. Das reicht für DVD-Laufwerk, -Brenner und zwei IDE-Festplatten. S-ATA ist ebenfalls vorhanden.

Fazit: AMD macht einen soften Umstieg auf den Sockel 939. Beim Upgrade lassen sich alle Komponenten übernehmen. Aber Vorsicht, PCI-Express wird kommen. Schnell ist dann das Gefühl wieder ereicht, trotz neuem Board und schneller CPU veraltete Hardware zu besitzen. Solange Intel nicht nachzieht, hat AMD als einziger 64-Bit-CPUs im Homebereich.

Ergebnisse des Mainboardtests im
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