Internet-Publishing
Wer von uns könnte “Captain Bob” löschen?

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Wenn Online Publikationen Fehler machen, kann man diese schnell verschwinden lassen. Ob das so aber immer richtig ist? Das fragt sich Guy Kewney.

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Die erste Seite der Zeitung Daily Mirror, nachdem Robert Maxwell starb, gehört einfach zu meinen Lieblingen im Zeitungsbereich. “Der Mann, der den Mirror rettete” war die Überschrift.

Drei Tage später sah dies aber etwas anders aus, nachdem die Geschichten um Maxwells Unterschlagungen ans Licht kamen. Also änderte sich der Ton der Überschriften merklich.

Geschähe dies heutzutage, würde die Geschichte auf der Website der Zeitung erscheinen?. Und drei Tage später wäre die gleiche URL eine Fehlermeldung 404 (Page not found). Woher ich das weiß? Nun, ich habe gesehen, wie es passierte.

So stand beispielsweise im Independent kürzlich eine Story, in der es hieß: ?Der
Venezuelanische Präsident, Hugo Chavez schien letzte Nacht seinen Zugriff auf die Macht zu verlieren, als Besucher-Umfragen am Ausgang zeigten, dass er mit fast einer Million Stimmen hinter der Opposition hinterherhängt?.

Die Umfragen waren korrumpiert und die Geschichte, dass er den “Zugriff auf die Macht verlöre” war Quatsch. Der Independent schritt zur Tat. Einen Tag später existierte die Story nicht mehr, und gäbe es nicht die Google-Archive, wäre es unmöglich zu beweisen, dass diese Geschichte jemals erschienen ist.

Ich kann die Zeitung verstehen. Die Geschichte war falsch. Menschen, die gegen Chavez eingestellt sind – und das sind viele – würden sich nicht scheuen, die Story zu zitieren: “Der seriöse Independent bestätigt unsere Vorwürfe!” Und überhaupt, es ist einfach schrecklich blamabel.

Ich für mein Teil weiß nun, was ich tun muss, denn ich war bereits in dieser Situation. Eine gewaltige Sauerei auf meiner eigenen Site?Ich nahm mir die Geschichte noch mal vor, versah sie mit einer Fußnote, die mitteilte, dass die Geschichte falsch war und veröffentlichte eine zweite Story, die die erste korrigierte. Dann habe ich die beiden verlinkt. Aber ist das nicht eine Art Selbszensur?

Welches ist nun der korrekte Weg? Eine falsche Story stehen zu lassen oder sie zu editieren, um darzustellen, was wirklich passiert ist? Oder man schreibt eine neue, verlinkt sie mit der alten, um den Fehler deutlich zu machen? Oder verlässt man sich doch lieber auf Google ?