Telekommunikation
Breitband per Stromnetz – eine Schnapsidee?

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Der Plan, Daten über Stromleitungen zu verschicken, könnte sich als schlechte Idee erweisen.

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In der letzten Zeit wird viel über ein Breitband-Access-System namens Power Line Communications (PLC) oder kurz Powerline geredet. Auf beiden Seiten des Atlantiks gibt es Probeläufe, und das IEEE arbeitet an der Standardisierung dieser Technologie.

Bei Powerline werden Breitband-Datensignale in das örtliche Stromverteilungsnetzwerk eingespeist und über die Kabel zu allen Grundstücken übertragen, die an den selben Transformer angeschlossen sind. Wer den Service nutzen möchte, stöpselt einfach eine Einheit in eine passende Steckdose, und, tataa! – die Breitband-Verbindung ist da.

Das klingt alles sehr gut, aber man sollte sich genauer anschauen, wie das System funktioniert. Es ist ziemlich schwierig, Hochgeschwindigkeits-Datensignale über Stromkabel zu übertragen, da es ein hohes Maß von Interferenzen gibt; deshalb mussten die Ingenieure hart arbeiten, um ein System zu entwickeln, das Breitbandwerte bringt.

Eine akzeptable Leistung wurde dadurch erreicht, dass auf hohem Stromniveau übertragen wird und eine große Bandbreite mit Frequenzen von bis 30 MHz verwendet wird, um die Signale zu senden. Leider wurden Stromkabel nicht dafür entwickelt, Frequenzen zu übertragen, die deutlich über 50 Hz liegen, und bei hohen Frequenzen sind sie nicht gut ausbalanziert. Was wiederum bedeutet, dass das Signal wie eine Radiosendung aus den Kabeln leckt.

“Das Signal leckt wie eine Radiosendung aus den Kabeln”

Tests haben gezeigt, dass diese Emissionen ziemlich intensiv sein können und ernsthafte Probleme für lizenzierte User des Radiospektrums bedeuten können, wie etwa Kurzwellensender, Flugverkehrs-Transmitter und Funkamateure. Es gibt schon seit Jahren einen technischen Streit zwischen den Funknutzern und den Verfechtern von Powerline. Zu letzteren zählt die Europäische Kommission, die meint, dass die Technologie rasch zum Einsatz kommen sollte, da sie ein weiterer Konkurrent für ADSL ist – was in den Augen der EU-Offiziellen bedeutet, dass es bessere Bedingungen für Breitband-Nutzer gibt.

Die Kommission scheint jetzt von den Streitereien genug zu haben und hat unlängst eine Empfehlung abgegeben, die sich dafür ausspricht mit den Versuchen fortzufahren, ohne aber das Niveau der Interferenzen zu kontrollieren. Diese Entscheidung hat die Funkleute aufgebracht.

Die Regierungen scheinen Powerline zu unterstützen. Selbst Verteidigungsministerien und Luftfahrtbehörden als intensive Nutzer von Funkkommunikation sind entgegen allen Erwartungen seltsam still.

Ich meine, dass die Funkleute Recht haben. Es ist keine gute Idee, die Leistung von Funksystem zu ruinieren, damit wir noch ein Breitband-System bekommen, das mit ADSL und Wireless konkurriert.

“Ich bezweifle, dass es ökonomisch Sinn macht, in eine Technologie zu investieren, die nur eine Lebenszeit von wenigen Jahren haben wird”

Die User werden bald nach höheren Geschwindigkeiten verlangen als Powerline sie bieten kann, und ich bezweifle, dass es ökonomisch Sinn macht, in eine Technologie zu investieren, die nur eine Lebenszeit von wenigen Jahren haben wird. Trotzdem werden die Stromleute ihre Systeme aufbauen, und die Funkleute werden weiterkämpfen. Zeit, Politik und der Markt werden über das Ergebnis entscheiden.