Airbus zieht Unterstützung für Microsoft zurück

BetriebssystemWorkspace

Wenn ein Monopolist dem anderen hilft: Der politische Schaden wäre größer als der juristische Nutzen.

Der europäische Flugzeugkonzern
Airbus
hat seine Unterstützung für
Microsoft
zurückgezogen. Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass das Unternehmen dem Software-Hersteller in seinem Berufungsverfahren gegen die Sanktionen der EU-Kommission hilfreich zur Seite stehen will. Wie die Londoner ‘
Financial Times
‘ in ihrer Freitagsausgabe aus informierten Kreisen berichtet, habe das Unternehmen sowohl auf Bitten Microsofts als auch wegen geringer Erfolgschancen den Rückzug angetreten.

Dagegen berichtet das ‘Wall Street Journal‘ in seiner heutigen Ausgabe, Airbus sei unter Druck geraten. Nachdem die Absichten des Unternehmens bekannt wurden, soll sich mindestens ein EU-Kommissar – offenbar Wettbewerbskommissar Mario Monti – warnend an das Management des Unternehmens gewandt haben.

Hintergrund des Airbus-Engagements ist die Marktposition des Konzerns selbst. Das Unternehmen teilt sich nahezu den gesamten Markt für Passagierflugzeuge mit der amerikanischen Boeing, kleinere Konkurrenten haben kaum eine Chance, Aufträge von Fluggesellschaften zu erhalten. Das Airbus-Management befürchtete daher, dass sich das Microsoft-Urteil auch auf die eigenen Geschäftspraktiken auswirken wird, wenn sich die EU-Kommission durchsetzen kann. Der Flugzeug-Hersteller wollte deshalb vor dem Europäischen Gerichtshof darlegen, dass sich die Sanktionen gegen Microsoft negativ auf andere Branchen auswirken werden und daher nicht im Interesse der europäischen Wirtschaft sein können.

Rechtliche Gutachten haben nun jedoch ergeben, dass die Argumentation von Airbus nur sehr geringe Beweiskraft hat und Microsoft in dem Verfahren kaum helfen würde. Offenbar hätte der Redmonder Software-Hersteller sogar mehr Nachteile durch die politische Wirkung der offenen Unterstützung eines weiteren Monopolisten.

In der kommenden Woche findet die erste Anhörung im Berufungsverfahren statt. Diese wird sich über zwei Tage erstrecken und soll dem Gericht einen ersten tieferen Einblick in den Fall geben. Die EU-Kommission hatte Microsoft wegen Verstößen gegen das EU-Wettbewerbsrecht zu einer Geldstrafe von 497 Millionen Dollar verurteilt. Weiterhin muss der Konzern eine Windows-Version ohne integrierten Media Player auf den Markt bringen sowie verschiedene Netzwerkprotokolle zur Kommunikation zwischen Windows-Clients und -Servern gegenüber Konkurrenten offen legen. (mk)
( de.internet.com – testticker.de)

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen