Linux-Distributionen im Vergleich
Pinguin-Wettstreit

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Welchen Betrag sollte man für eine Linux-Distribution ausgeben? Im Test müssen drei aktuelle Distributionen beweisen, was sie taugen und ob sich für sie eine Investition bis zu 90 Euro lohnt.

Die Testteilnehmer

Linux-Distributionen im Vergleich

Gerade einmal ein halbes Jahr ist vergangen, seit im Weblab der Internet Professionell die beiden großen Linux-Distributionen von Red Hat und Suse gegeneinander antreten mussten. Damals hatte Suse mit Version 9.0 klar die Nase vorn. Seither hat sich auf dem Linux-Markt einiges getan: Bei Red Hat gibt es mit Fedora Red Hat Linux 9 als kostenlosen Download. Der neue Kernel 2.6 wurde freigegeben und KDE 3.2 bringt neuen Schwung in die Linux-Oberfläche. Diese grundlegenden Neuerungen sowie einige Aktualisierungen bei den mitgelieferten Programmen haben bei allen Distributionen Einzug gehalten.

Zum Sommerentscheid über das beste Allrounder-Linux treten diesmal Suse Linux 9.1 Professional, Fedora Core 2 und Mandrake 10 Powerpack an. Alle drei Distributionen bieten ein breites Spektrum an Funktionen, das sie sowohl für den Einsatz auf dem Desktop-PC als auch als kleiner Server prädestiniert.


Installation im Nu

Linux-Distributionen im Vergleich

Eine einfache und intuitive Installationsroutine ist für eine aktuelle Linux-Distribution ein Muss. Alle drei Testkandidaten beweisen, dass man kein Experte sein muss, um heutzutage ein Linux-System auf dem Rechner zu installieren. Erleichtert wird das Aufspielen bei Suse und Fedora durch eine DVD, so dass man sich während der Installation entspannt zurücklehnen kann. Das auf dem Testsystem installierte Windows XP wird von allen Kandidaten korrekt in den Bootmanager eingebunden und kann parallel weiter genutzt werden.

Viel Geduld muss man bei allen Testkandidaten beweisen, wenn es an das Update der Installation geht. Gut zu bedienende Tools informieren automatisch über neue Updates und laden diese aus dem Internet. Wer sein System nach der Installation mit den neuesten Patches versorgen will, sollte genug Zeit einplanen. Download-Zeiten von mehr als einer Stunde sind keine Seltenheit.


Linux als Desktop-System

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Ausgestattet mit Open Office, verschiedenen E-Mail-Tools und einer Auswahl unterschiedlicher Browser sind alle drei Testkandidaten gut für den Office-Einsatz vorbereitet. Dass es für den Einsatz von KDE 3.2 ruhig etwas mehr Power sein darf, zeigt sich auf dem Testsystem, ausgestattet mit einem Pentium-III-Prozessor mit 800 MHz. Auf Grund der sehr langsamen Programmstarts und häufigem Warten beim Bildaufbau ist ein produktiver Einsatz hier nur schwer vorstellbar. Auf dem zweiten Testsystem, einem Pentium-4-Rechner mit 2 GHz, gehen alle Aufgaben schnell und flüssig von der Hand.

Mit KDE 3.2 sind in dem Tool Kontact endlich Kontakt-, Adress- und E-Mail-Verwaltung unter einem Dach vereint. In Umgebungen, in denen als Messaging-System ein Exchange-Server eingesetzt wird, muss das KDE-Tool jedoch passen. Hier schlägt die große Stunde der Gnome-Anwendung Evolution, die bei allen drei Distributionen in Version 1.4 zum Lieferumfang gehört. Nach dem Update mit dem kostenlosen Exchange-Connector steht dem Zugriff auf den Microsoft-Nachrichtenserver nichts mehr im Weg.

Für den Linux-Entwickler bieten alle Testkandidaten ein breites Spektrum an IDEs, Werkzeugen und Compilern.


Server-Betrieb möglich

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Ausgestattet mit NFS-, NIS-, Samba-, DNS und DHCP-Server eignen sich alle Kandidaten als Server für kleine Arbeitsgruppen. Bei Suse und Mandrake gibt es zusätzlich noch die Funktionalität eines Fax-Servers. Als Webserver kommt bei allen Testkandidaten der aktuelle Apache 2.0 zum Einsatz.

Während Suse und Fedora Apache 1.3 bereits von den Installationsmedien verbannt haben, liefert Mandrake noch beide Versionen mit. Wer sich bei der Einrichtung eines Servers nicht durch verschiedene Textdateien quälen will, der findet in den verschiedenen grafischen Einrichtungs-Tools ausreichend Unterstützung. Hervorzuheben ist dabei Suses Yast 2, das fast alle Setup-Belange sehr gut abdeckt.


Fedora Core 2

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In der Open-Source-Distribution gibt es das Linux-System von Red Hat zum Nulltarif. Für die Installation sollte man sich aber viel Zeit nehmen. Die ISO-Images müssen zunächst aus dem Internet heruntergeladen und anschließend auf eine Silberscheibe gebrannt werden.

Dank des Red-Hat-Installationsassistenten läuft die Einrichtung des Systems ohne nennenswerte Schwierigkeiten ab. Als störend fallen die fehlende Möglichkeit der Suche nach einzelnen Paketen bei der Software-Auswahl sowie unzureichende Angaben zu den Versionen der einzelnen Pakete auf. Da Fedora standardmäßig auf Gnome als Bedienoberfläche setzt, zeigt das System auch auf dem Pentium-III/800-System noch ausreichend Performance. Während die Einrichtung des Internet-Zugangs per LAN und DSL problemlos funktioniert, scheitert Fedora wie bereits der kommerzielle Bruder Red Hat im vorangegangenen Test an der AVM Fritzcard PCI.

Im Vergleich zum Testsieger Suse fehlt es Fedora an einigen Administrations-Tools. In Sachen Software-Ausstattung hält Fedora mit der Konkurrenz mit. Mit KDE 3.2, Gnome 2.4 und 2.6er-Kernel ist die Distribution mit den neuesten Versionen ausgestattet. Auf Grund des fehlenden Supports und einer sehr mageren Dokumentation wird die Distribution am Ende jedoch von beiden Konkurrenten abgehängt.


Fazit.
Dank der guten Unterstützung aus dem Hause Red Hat findet der erfahrene Linux-User in Fedora ein ausgereiftes und flexibel einsetzbares System. Verständlicherweise fehlt es beim Linux zum Nulltarif an einer guten Dokumentation und Support vom Hersteller.


Mandrake 10 Powerpack

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Knapp 80 Euro muss man investieren, um das Mandrake Powerpack in Version 10 zu installieren. Für diesen Preis spendiert der französische Linux-Anbieter sechs CDs und einen mehrsprachigen Installationsleitfaden. Eine Installations-DVD gibt es erst im Powerpack Plus für 145 Euro. Gut gefällt die Installationsroutine. Schnell und bequem sind die notwendigen Einstellungen vorgenommen. Einen Schrecken jagt der erste Neustart ein: Im Boot-Menü des Linux-Loaders finden sich beim Neustart verwirrende Einträge wie 263-7 und 2425-2.

Abzüge kassiert Mandrake bei der Einrichtung des Internet-Zugangs per LAN. Die IP-Einstellungen für die Netzwerk-Karte werden noch korrekt per DHCP gesetzt. Die Default-Route, die alle anderen Systeme sofort und ohne Benutzereingriffe per DHCP beziehen und setzen, wird ignoriert. Erfahrene User können den Fehler schnell identifizieren. Der Einsteiger kann an einem solchen Problem jedoch verzweifeln. Für diese wie auch viele andere Administrationsaufgaben lohnt sich ein Griff zum Kontrollzentrum. Ähnlich wie Suse setzt man bei Mandrake hier auf ein zentrales Administrations-Tool, in dem sämtliche Funktionen vereint sind.

In der Oberfläche findet man sich schnell zurecht und erreicht alle wichtigen Einstellungen mit wenigen Mausklicks. Die Funktionalität kann jedoch mit der von Suse nicht mithalten.

Fazit. Ausstattung und Funktionalität sind gut. Der Konkurrent Suse beweist jedoch, dass man bei einem ähnlichen Preis noch deutlich mehr erwarten kann.


Suse Linux 9.1 Professional

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Eines fällt bei der neuen Version von Suse bereits beim Kauf auf: Gab es den Vorgänger noch für unter 80 Euro, so muss man für die neue Version knapp zehn Euro mehr auf den Ladentisch legen. Dafür hat Suse das komplette Paket auf den neuesten Stand gebracht und bietet mit 9.1 erstmals den neuen 2.6er-Kernel, KDE 3.2 sowie Gnome 2.4 an.

Gewohnt problemlos verläuft die Installation der Distribution. Großer Pluspunkt der Version 9.1 ist die bessere Unterstützung für das Power-Management des 2.6er-Kernels, die Linux auf dem Notebook noch attraktiver macht.

Gut gefällt das neue Yast-Modul, über das sich sämtliche ACPI-Powermanagement-Funktionen bequem steuern lassen. Negativ fällt die sehr schlechte Performance der KDE 3.2 auf dem Pentium-III/800-Testsystem auf. Ein produktives Arbeiten mit dem System ist hier nicht möglich.

Hervorzuheben ist die von Suse gelieferte Dokumentation. Benutzer- und Administrationshandbuch erklären sämtliche Funktionen und Möglichkeiten sehr detailliert und machen die Anschaffung weiterer Literatur überflüssig.

Fazit. Dank einfacher Installation, guter Dokumentation und einer umfangreichen Software-Ausstattung kann Suse Linux 9.1 Professional sich erneut den ersten Platz vor der Konkurrenz sichern. Ein besseres Komplettpaket bietet keiner der getesteten Konkurrenten.


Fazit

Linux-Distributionen im Vergleich

Alle drei Distributionen sind in Sachen Software-Ausstattung auf dem neuesten Stand. Als solides Gesamtpaket steht Suse Linux 9.1 im Ergebnis auf dem obersten Podestplatz. Nur hier findet man eine ausführliche deutsche Dokumentation und eine sehr gute Unterstützung bei der Administration des Systems.

Den zweiten Platz erringt Mandrake Powerpack. Bei ähnlichen Wertungen wie der Drittplatzierte Fedora setzt sich Mandrake letztendlich vor allem durch eine bessere Dokumentation und einen besseren Support durch.