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Legende der PC-Geschichte: Der IBM PC/AT

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Kelvyn Taylor erinnert sich an den IBM PC/AT und findet, zumindest das Keyboard des alten Rechners hat eine Würdigung verdient.

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Die IT-Industrie liebt Geburtstage. Sie sind immer ein willkommener Anlass für ein bisschen Show, einen kleinen PR-Coup und ein paar leere Ratschläge. Doch kürzlich scheint ein wichtiger Geburtstag von aller Welt völlig übersehen oder ignoriert worden zu sein, selbst von seinem Erfinder: Im August 2004 hatte ein revolutionäres Produkt, das großen Einfluss auf die Computerentwicklung in Betrieben gehabt hat und von dessen Vermächtnis wir immer noch profitieren, seinen 20. Geburtstag.

Es handelt sich um IBM´s Personal Computer/AT (Advances Technology) – der Nachfolger des PC XT, der seinerseits ein Update des ursprünglichen, 1980 auf dem Markt erschienenen IBM CP war. Aber der PC/AT war nicht einfach nur ein aufgepeppter XT. Mit ihm gab es einige größere Veränderungen der Architektur, die seine Unvergänglichkeit letztlich ausmachen.

Sein Inneres bestand aus Intels neuestem 80286-Prozessor, der mit 6 MHz lief (bei späteren Modellen waren es 8 MHz) und als Antwort auf die Klagen von unzufriedenen IBM-PC-Benutzern zu sehen war, denen die 4,77 MHz 8088-CPU für den Geschäftsbetrieb zu schlapp war. Mit einem 16-Bit-Datenbus und einem 24-Bit-Adressbus unterstützte er bis zu 3 MByte RAM (oder 16 MByte im geschützten Modus), und man konnte einen mathematischen 80287-Coprozessor zur Rechenbeschleunigung hinzufügen. Die BIOS-Konfiguration war in einem batterieunterstützten CMOS-Chip untergebracht, im Gegensatz zur DIP-gesteuerten Anordnung des Original-PCs, und es waren 8 zusätzliche IRQ-Anschlüsse integriert worden, um mehr Flexibilität bei der Verwendung von Zusatzgeräten zu haben.

Weitere neue Features des AT waren ein 16-Bit-ISA-Erweiterungsbus, der rückwärtskompatibel zu den meisten 8-Bit-Steckkarten des IBM-PCs war; ein 5.25-Inch-Laufwerk für 1,2-MByte-Disketten – das Industriestandard blieb, bis es durch 3.5-Inch-Diskettenlaufwerken ersetzt wurde – und schließlich optionale 20-MByte- oder 40-MByte-Festplatten.

Die Tastatur bekam ein völlig neues Design mit 84 Tasten, das den meisten heutigen Benutzern schon sehr vertraut vorkäme und auch schon die grünen LED-Anzeigen für Caps Lock, Num Lock und Scroll Lock aufwies.

Damals war das alles äußerst eindrucksvoll, aber warum hat man es vergessen? Wenn man einen Bericht über den PC AT vom Dezember 1984 in der Personal Computer World liest, fällt auf, dass der Verfasser keine große Begeisterung an den Tag legte. Ein paar freundliche Worte verlor er lediglich an seine Xenix-Kompatibilität (der SysReq-Taste auf der Tastatur, die den Benutzern jahrelang Rätsel aufgab, war ursprünglich eine Taste für die Benutzung mit Xenix). Microsofts Xenix-Hinterlassenschaft reicht übrigens bis in die Gegenwart. Xenix wurde verkauft an SCO, wo es schließlich mit Novells/Bell Labs Unix V verschmolz und zu SCO Unix wurde.

Warum zerre ich also den AT ins Rampenlicht, wenn nicht einmal die Leute damals in Begeisterung ausbrachen?

Nun, so vieles am PC/AT hat uns so lange begleitet, dass ich denke, er hat eine rückblickende Würdigung eher verdient als der Original-IBM-PC. Er war etwa dreimal so schnell wie der PC XT und kostete kaum mehr. Er konnte vernetzt werden; kleine entscheidende Neuigkeiten wie die CMOS-System-Konfiguration, die batteriebetriebene Realtime-Uhr, Keyboard-Sperre und die vergrößerte Enter-Taste haben sich bis in die Gegenwart gehalten, und ich bin sicher, es gibt auch heute in so manchen Betrieben der Welt noch 16-Bit-ISA-Steckkarten, die ihren Job tadellos machen.

Deshalb: Wenn Sie das nächste Mal die Löschen-Taste drücken, um ins BIOS Ihres PCs zu gelangen, legen Sie doch eine Gedenkminute für den PC/AT ein. Und – wenn auch etwas verspätet: Happy Birthday.