IT Strategie
Services verändern die IT-Landschaft

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Stephen Flowers, Forscher am Complex Product Systems (CoPS) Innovation Centre der Universität Brighton, stellt klar: Entgegen vielfach anders lautenden Auffassungen hat die Bedeutung der Informationstechnologie nicht abgenommen. Sie hat sich nur verändert.

IT Strategie

Die IT ist heute wahrscheinlich sogar ein noch zentralerer Faktor in Betrieben und Organisationen als je zuvor. Wir sind gerade erst dabei, die Auswirkungen so fundamentaler Erfindungen wie Internet und Mobiltechnologie zu verstehen, und erst recht, sie effektiv zu nutzen. Der Übergang zu einer “Wirtschaft des Informationszeitalters” ist vollzogen, mit der IT als treibender Kraft, aber es liegt noch ein weiter Weg vor uns. Organisationen profitieren weiterhin von einer nutzbringenden Anwendung der IT. Also spielt sie doch eine entscheidende Rolle- oder etwa nicht?

Nicholas Carr stellte in seinem Artikel “IT Doesn´t Matter” im Harvard Business Review die strategische Bedeutung der IT in Frage und betonte, wie wichtig es sei, die Ausgaben für die IT vernünftig zu verwalten und die ökonomischen Nachteile überzogener IT-Investitionen zu vermeiden. Er berührte damit einen Nerv der IT, und für viele war der Artikel nichts anderes als ein Angriff auf die Grundfesten ihrer Industrie, der eine noch immer anhaltende kontroverse Diskussion nach sich zog.

Streit um den Nettogewinn
Der Kern dieses Meinungsstreits betrifft den reinen Nettogewinn, den die IT bringt, und die strategische Rolle der IT in den Unternehmen. Wenn wir davon ausgehen, dass die IT zu einem fundamentalen Teil der Unternehmens-Infrastruktur geworden ist, dann kommt es nicht mehr darauf an zu erforschen ob, sondern inwiefern sie eine Bedeutung hat. In der Tat verliert die IT in vielen Organisationen an Bedeutung, und das Entstehen und die rasche Entwicklung des IT-Outsourcing demonstriert überdeutlich, wie sich viele Unternehmen eine geringere Bedeutung der IT vorstellen.

In ein paar Jahrzehnten wird die IT sich von einer in Organisationen verankerten Do-it-yourself-Struktur zu einer IT-basierten Serviceindustrie des Outsourcing verwandelt haben. Die meisten Unternehmen und Privatnutzer möchten in der Tat nicht die IT selbst, sondern nur die Dienste, die sie bereitzustellen in der Lage ist. Der immer deutlichere Verhaltenswechsel vom Kauf von IT-Systemen zum Kauf von Diensten, die auf der IT basieren, ist eine ganz grundlegende Verschiebung mit entscheidenden Auswirkungen auf die gesamte IT-Industrie.

“Wenn ein Unternehmen einmal damit begonnen hat, Dienste in Anspruch zu nehmen statt Systeme anzuschaffen, wird die Technologie zweitrangig”

Der Wechsel vom System zum Service verändert die Dinge für Anbieter und Käufer gleichermaßen. Wenn ein Unternehmen einmal damit begonnen hat, Dienste in Anspruch zu nehmen statt Systeme anzuschaffen, wird die Technologie zweitrangig, während die Qualität der Beziehung zum Dienstleister mehr und mehr ins Zentrum des Interesses rückt. Für das Unternehmen bedeutet das auch, dass die Erfüllung der wichtigsten Unternehmensanforderungen vorrangig ist und die Funktion der IT einer Neudefinition bedarf. Angesichts dieses Wandels müssen IT-Anbieter ihre Interaktionen mit Kunden neu gestalten und für langfristige, stabile Beziehungen sorgen, die nötig sind, um qualitativ hochwertige Services anbieten zu können. Viele Anbieter kämpfen derzeit mit den organisatorischen Veränderungen, die ein solcher Wandel mit sich bringt.

Bedarf an Beratungs-Spezialisten wächst
Da die Käufer ein Maximum an Gewinn aus ihren IT-bezogenen Investitionen anstreben, ist auch der Bedarf an kompetenten Beratungsspezialisten gewachsen. Neuere Untersuchungen, die vom Complex Product Systems Innovation Centre der Universität Brighton durchgeführt wurden, zeigen, dass Berater einen enormen Einfluss auf Verkäufer-Käufer-Beziehungen haben. Anders ausgedrückt, Berater machen die Unternehmen zu klügeren Einkäufern und üben damit noch mehr Druck auf die Anbieter aus.

Den Käufern ist klar, dass das strategische IT-System von heute die allgemein verbreitete Lösung von morgen ist und dass ein möglicher Wettbewerbsvorteil häufig Folge eines guten Managements und entsprechender Innovationskraft ist – und nicht nur auf einem technologischen Vorsprung basiert. Die Firmen wollen raus aus der IT-Experimentierphase hin zu einer IT-Optimierung. Verbinden wir dies mit dem Trend zu Services, haben wir das, was die Allgemeinheit unter “IT doesn´t matter” versteht. Die Probleme mit dem Flugverkehr-Kontrollsystem in West Drayton zu Beginn des Sommers zeigen, wie sehr wir die IT brauchen. Und dennoch wird sich die Art und Weise, wie wir sie brauchen, wahrscheinlich für immer verändern.

In dem Maße, wie sich der IT-Service-Markt entwickelt, werden die Fragen des Standorts, des Rechner-Besitzers und der Personalausstattung von IT-Systemen an Bedeutung verlieren, wobei der Qualitätsanspruch an die Service-Angebote steigen wird. Das Bedürfnis, alle möglichen technischen In-House-Fähigkeiten selbst zu besitzen, wird schwächer, während die Anforderung, als Kunde in diesem Markt klug für die richtigen Services zu entscheiden, immer wichtiger wird. Auch eine erfolgreiche Nutzbarmachung der Spezialistenberatung, die für kluge Kaufentscheidung notwendig ist, wird ein wichtiger Punkt sein. Das ist schon jetzt eine ganze Reihe von großen Veränderungen für die IT-Industrie und alle daran Beteiligten.

Die IT ist also noch wichtig – nur auf andere Weise, und sie wird sich wohl oder übel an diese neue Realität gewöhnen müssen.