IT Strategie
Manchmal lohnt es sich, die Erwartungen herunterzuschrauben

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Microsoft und die Britische Regierung haben vieles gemeinsam: sie machen Abstriche, um ihre Ziele zu erreichen, schreibt Martin Veitch.

IT Strategie

Zwei Schwergewichte – Microsoft und die Britische Regierung – haben sich letzte Woche in eine ganz andere Richtung orientiert und hoffen damit, die These zu widerlegen, dass, je größer das Unternehmen, desto langsamer es sich bewegt. Beide wollen vorwärts, auch wenn dies heißt, die Ziele herunterzuschrauben.

Welche Schwächen Microsoft auch immer haben mag, so ist das Unternehmen dennoch ein seltenes Beispiel für den festen Willen, eine falsche Strategie über Bord zu werfen, egal wie sehr es sich dafür in der Vergangenheit öffentlich engagiert hat.

Am deutlichsten trat dies vor 10 Jahren zutage, als der Plan für das proprietäre Microsoft Network – das AOL und Compuserve schlagen sollte – zugunsten eines Web-gestützten Dienstes verworfen wurde.

Microsofts Pläne bezüglich der nächsten Windows-Version waren im Verlauf des vergangenen Jahres recht chaotisch, was für die Firma nicht charakteristisch ist – aber sie versucht, ihr kurzfristige Manöver zu wiederholen. Im Einklang mit diversen Strategien brachte Microsoft einen Codenamen auf den Plan – Longhorn – lange bevor das Produkt fertig war.

Das ist eine Taktik, um die Kunden bei der Stange zu halten – ?Wenn euch diese Version nicht gefällt, die nächste ist einfach grandios?. Und das hat sich als wirksam erwiesen, weil Microsoft ziemlich gut darin war, Roadmaps zu kommunizieren und sich relativ genau an die abgesteckten Zielvorgaben zu halten. Aber Longhorn ist nicht viel mehr als heiße Luft – bis jetzt jedenfalls.

So gab Microsoft bei seiner groß angelegten Einführungsveranstaltung bekannt, dass Longhorn ein neues Dateisystem mit dem Namen WinFS verwenden würde. Dies würde das Durchsuchen von Dateien und Daten, die in mehreren Ordnern oder in unstrukturierten Bereichen, wie E-Mails oder Adressbüchern, auftauchen, erleichtern.

Longhorn würde auch das erste Betriebssystem sein, das auf der NGSCB-Sicherheitsarchitektur basiert, besser bekannt als Palladium. Außerdem würde es ein 3D User-Interface bieten.

Letzte Woche ließ das Unternehmen verlauten, dass WinFS im ersten Longhorn-Clients nicht integriert sein wird. Es wurde hinzugefügt, dass die Client-Version im Jahr 2006 erscheinen würde, während die Avalon Graphik-Layer und die Indigo-Kommunikations-Engine auch in Windows XP und den Server 2003 Einzug halten werden.

Microsoft wird unter Beschuss geraten, weil das Unternehmen Features so zurecht zerrt, dass sie dem Streben des Unternehmens nach einem Abonnement-System für die Softwarelizensierung entgegenkommt – basierend auf regelmäßigen Updates. Aber die Entscheidung ist pragmatisch, denn sie erlaubt Entwicklern und Käufern, neue Technologien allmählich einzuführen. Was ins Chaos abzudriften schien, ist plötzlich wesentlich klarer.

Wie bei Software, so auch in der Regierung

Die gleiche Verbindung aus Realpolitik und geringeren Erwartungen geschieht in Großbritanniens Parlament. Das zeigt die Ernennung von Ian Watmore, der seine Amtszeit als “Leiter E-Government” diese Woche beginnt. Watmores Rolle ist nur ein Schatten dessen, was man sich Ende der 90er Jahre vorgestellt hatte, als Peter Mandelson Großbritannien zu einem Mittelpunkt des E-Commerce machen wollte. Seitdem hat sich der Blickwinkel weg vom großen Medien-Klimbim auf die nach innen gerichtete Strategie konzentriert, Service-dienste der Regierung online zu stellen.

Die britis he Behörde Oftel hat sich zum Regulierungs-Institut Ofcom gewandelt, aber BT (British Telecom) bleibt der 600-Pfund Gorilla bei der Unternehmenskommunikation – und unter Labour ist es nicht leichter geworden, sich im E-Business zu etablieren, als es bei der vorigen Regierung der Fall war. Von Watmore ist zu erwarten, dass er über entsprechende Erfahrungen verfügt, um der Aufgabe, die Misere im öffentlichen Sektor zu verringern, gerecht zu werden. Aber es gibt kaum Anzeichen dafür, dass er über die Fähigkeit verfügt, Gordon Browns versprochene IT-Zauberwelt herzuzaubern, die Tausende von Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst ablösen könnte. Die Aussicht, Großbritannien eine größere Rolle bei der Weiterentwicklung des E-Commerce einzuräumen, ist auch nicht mehr sein Job.

Abstriche machen, um etwas schnell zu realisieren, ist nicht ideal – aber Microsoft und die britische Regierung vertreten beide ganz entschieden den Standpunkt, dass dies immer noch besser ist, als auf ein Wunder zu warten.