Enterprise Computing – Betriebssysteme
Sorgenkinder – Microsofts Tablet-PCs

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Die Updates an der Tablet-PC-Edition von Windows XP, die sich im Service Pack 2 verstecken, sollen die grundlegenden Mängel des Systems beseitigen. Daniel Robinson bezweifelt, dass die kleinen Software-Änderungen helfen.

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Laut Zahlen, die letzten Monat vom Forschungsinstitut Canalys veröffentlicht wurden, ist der Absatz von Tablet-PCs im zweiten Quartal diesen Jahres um 25 Prozent gestiegen, verglichen mit dem gleichen Zeitraum 2003. Das klingt zwar beeindruckend, doch wenn man berücksichtigt, dass für jeden ausgelieferten Tablet-PC 100 Standard-Laptops verkauft wurden, ergibt sich ein ganz anderes Bild.


!”Für jeden TabletPC wurden 100 Laptops verkauft”

Es ist nun fast drei Jahre her, seit Bill Gates die Tablet-PC Plattform auf der Comdex Handelsmesse enthüllt hat, wo er protzig prophezeit hat, dass sie innerhalb von fünf Jahren zum beliebtesten PC-Format aufsteigen würde. Ich war damals skeptisch und nichts, was ich seitdem gesehen habe, konnte mich davon überzeugen, dass der Tablet-PC jemals etwas anderes werden würde als eine Nischentechnologie.

Man könnte nun dagegenhalten, dass die Tablet-PCs nur auf den richtigen Zeitpunkt und die richtigen Anwendungsmöglichkeiten warten, bis sie die Herzen der Firmenkunden im IT-Bereich im Sturm erobern, aber das bezweifle ich. Canalys wies auf den hohen Preis der Hardware für den Tablet-PC – verglichen mit dem der Laptops – hin und stellte dies als Haupthindernis für den Kauf durch Unternehmen dar. Ich glaube aber, dass es noch mehr grundsätzliche Probleme gibt.

Erst einmal laufen die Tablet-PCs auf Windows, das heißt sie brauchen einen leistungsfähigen Prozessor, eine hohe Speicherkapazität und eine Festplatte. Das macht sie nicht nur groß, schwer und hungrig auf Energie – eine Festplatte ist auch sehr anfällig für Schäden, wenn man sie fallen lässt. Das Gleiche könnte man von Laptops behaupten, aber sie werden eigentlich nur dann benutzt, wenn sie auf einem Desktop oder jemandes Knien ruhen.

“TabletPCs ‘On the Move’? Mit

einem zerbrechlichen rotierenden Speichermedium in seinem Innenleben stellt so ein Gerät eine Katastrophe dar”

Im Gegensatz dazu – geht man von Microsofts Vision aus – sollen die Tablet-PC “in Bewegung” verwendet werden, in Besprechungsräumen, Korridoren, vielleicht sogar auf der Toilette. Mit einem zerbrechlichen rotierenden Speichermedium in seinem Innenleben stellt so ein Gerät eine Katastrophe dar, die jeden Moment losbrechen kann.

Nüchtern betrachtet stellt die Windows XP Tablet-PC Edition im Grunde gerade mal Windows dar, mit ein paar zusätzlichen Klingeln und Pfeifen, auch wenn man die Verbesserungen des integrierten XP Service Pack 2 dazurechnet. Und bei der Entwicklung des Windows User-Interfaces ging man davon aus, dass eine Maus verwendet wird. Jeder, der dies anzweifelt, braucht nur zu versuchen, die Tastatur seines PC für ein oder zwei Stunden zum Arbeiten zu verwenden und er wird feststellen, wie viel länger es dauert, ganz alltägliche Aufgaben zu meistern.

Wenn Microsoft aus den Tablet-PCs wirklich noch einen Erfolg machen will, müssten sie wahrscheinlich das User-Interface so umgestalten, dass es wirklich der Arbeit mit dem Stift angepasst wird. Die Entwickler des ursprünglichen Palm-PDAs sind diesen Weg gegangen und haben etwas geschaffen, was wohl bis jetzt die erfolgreichste Computerplattform auf Basis einer Stift-Bedienung geworden ist.

Allerdings steht Microsoft vor dem Dilemma, dass eine solch radikale Umstrukturierung die Kompatibilität mit vielen derzeitigen Anwendungen möglicherweise zerstören würde. Auch könnte eine andere Schnittstelle die Anwender Glauben machen, dass “Tablet-PCs nicht unter Windows laufen”, was wiederum zu einem Desaster hinsichtlich des Vertriebs führen könnte – soweit es das Unternehmen betrifft.

Natürlich könnte Microsoft noch immer Bill Gates Prophezeiung wahr werden lassen, wenn sie die Tablet-PC-.Erweiterungen in den ganz normalen Windows-Vertrieb integrieren würden. Dies würde mehr Systemhäuser ermutigen, Hardware-Support für die Eingabe per Stift einzufügen. Damit hätten sich über Nacht praktisch alle Laptops in Tablet-PCs verwandelt.

Andererseits sehe ich einfach keine Aussichten, dass die Tablet-PCs sich in großem Maßstab durchsetzen werden. Dabei spreche ich noch nicht einmal über das Thema Handschrift-Erkennung, welches ein echtes Schreckgespenst ist für alle, die einen Tablet-PC ausprobiert haben. Tut mir leid Microsoft, es ist wie bei so vielen Dingen – ich kaufe Euch das Ding einfach nicht ab!

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