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Linux untergräbt Oracle

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Der Übergang von einer Oracle-Datenbasis zur Linux-Technologie und dem Reiser File System haben Roger Howorth gezeigt, wie Firmen von einer regelmäßigen Neubewertung ihrer IT-Auswahl profitieren können.

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Der folgende Fall erzählt uns die bemerkenswerte Geschichte, wie eine Firma einen Cluster mit Oracle-Datenbank durch ein paar Linux-Server ersetzt hat.

Der Witz an der Geschichte ist, dass auf den Linux-Servern keine Datenbank-Software laufen konnte. Die Oracle-Datenbank war konvertiert und auf der Linux-Festplatte als eine Sammlung von ein paar 100.000 Dateien gespeichert worden. Diese Arbeiten waren Teil eines größeren Anwendungs-Updates, welches die Neugestaltung aller Komponenten einer sehr lebendigen Website beinhaltete.

Es ist eine atemberaubende Geschichte, aber sie ist ganz offensichtlich ein Ausnahmefall.

Es gibt absolut keinen Hinweis darauf, dass Oracle-Datenbanken alt, langsam, schlecht oder sonst was in der Art sind.


40.000 Zeilen J2EE-Code konnten durch 5000 Zeilen Java/XML ersetzt werden

Aber dieser Fall zeigt, wie Entscheidungen hinsichtlich des Designs, die vor ein paar Jahren getroffen worden sind, von neuen Technologien sehr schnell ins Wanken gebracht werden können. Hier nun hatte die ursprüngliche Website Seiten von einem Oracle-Back-End über J2EE-Middleware ausgeliefert. Das neue System verwendet ein Linux-Back-End und Java XML-Middleware. Zuerst waren Oracle und das J2EE-System die erste Wahl, aber ein paare Jahre später waren dann Java und XML ausgereift. Die Neugestaltung erlaubte es, mehr als 40.000 Zeilen von J2EE-Code durch 5.000 Zeilen Java/XML zu ersetzen.

Der Austausch von Oracle war ein weiterer Nebeneffekt der Neugestaltung der Middleware. Diesmal wurde es mittels des Reiser File Systems (Reiser FS) ermöglicht – eine relative Neuentwicklung, die bereits als Standardeinstellung in Suse, Lindows und Gentoo Linux integriert ist – größtenteils, weil es ein mitprotokollierendes File System ist und kein Datenverlust durch ?ungeplante Ausfälle? entsteht. Linux Server stürzen selten ab, aber es gibt manchmal Stromausfälle und damit ist ein robustes File System ein entscheidender Vorteil.

Das ReiserFS verwendet eine verbesserte Version der selben Baumstrukturen (tree index) wie einige Datenbank-Engines. Somit ist ReiserFS häufig sehr schnell und leistungsfähig, verglichen mit den traditionellen File-Systemen von Linux und Windows. Natürlich ist es für die meisten Datensätze und Anwendungen wahrscheinlich nicht so schnell wie ein hoch entwickelter Datenbank-Cluster von Oracle. Aber in diesem Fall war etwas weniger Leistung akzeptabel – und die neue Option von ReiserFS hat zum Exitus einer nicht ausgelasteten Oracle-Datenbank geführt.

“Das eingesparte Geld wurde dafür verwendet, zwei neue Mitarbeiter zu bezahlen und so Einfluss auf die Open-Source-Software-Entwicklung zu haben.”

Man könnte nun denken, dass der Übergang von einem Oracle-Cluster zu einem Linux Dateisystem enorme Kosteneinsparungen mit sich gebracht hätte, aber so einfach ist es nicht. Das eingesparte Geld wurde in Wirklichkeit dafür aufgewendet, zwei neue Mitarbeiter zu bezahlen – Software-Entwickler, die auch an dem Open-Source Application-Server mitarbeiten, welcher in der neuen JavaXML-Architektur verwendet wird.

So war also die Entscheidung, sich von Oracle und J2EE zu verabschieden, nicht einfach nur eine Sache des Geldes. In diesem Fall ist die Website das Kerngeschäft des Unternehmens; sich auf ein Feature Set und einen einzigen technischen Anbieter für das Kerngeschäfts festzulegen, schien eine schlechte Wahl zu sein. Nun, mit Open-Source, hat das anwendende Unternehmen selbst Einfluss auf die Features und die Entwicklung des Application-Servers.

All dies setzt nicht die anderen Oracle-Datenbanken in irgendeiner Weise herab und es geht auch nicht um die Geschichte “Open-Source gegen kommerzielle Software”. Der Punkt ist einfach, die beste verfügbare Technologie auszuwählen und diese Auswahl von Zeit zu Zeit zu überprüfen.

Das Reiser FS wird wohl kaum das ultimative File-System sein. Wahrscheinlich ist es bald ein alter Hut, verglichen mit dem nächsten großen Ding. Meine Wahl wäre etwas wie Coda – ein Forschungsprojekt zu einem fehlertoleranten verteiltem File-System für IP-Netzwerke. In der Zwischenzeit heißt es bauen und umbauen – drücken Sie die Kosten und sehen Ihre Projekte gedeihen.