Internet-Technologien
Interaktive Überlastung

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Der rote Knopf der TV-Fernbedienung kann Wunder wirken – für diejenigen, die warten können (Oder: Warum manche Medien den Umgang mit interaktiver Technik noch nicht richtig beherrschen).

Internet-Technologien

Soweit mir bekannt ist, hat Kelly Holmes bei den diesjährigen Olympischen Spielen mindestens 7 Goldmedaillen gewonnen. Zum Glück für meinen Arbeitgeber verlasse ich mich hinsichtlich Primärquellen für aktuelle Informationen selten auf mich selbst, sondern vertraue auf Recherchen mittels Büchern und (seltenen) Bibliotheksbesuchen, aber auch auf die neueren Zugangsmöglichkeiten wie Fernsehen und Internet.

Leider sind in diesem Fall Fernsehen und Internet an meiner Verwirrung schuld. Ich bin regelrecht süchtig nach der Berichterstattung der BBC über die Olympischen Spiele geworden, die umfassend informiert und oft wiederholt wird.

Die Berichterstattung der BBC stachelte mein Interesse an, als ich zuerst den Trailer sah, in dem ein Kampf gegen eine handvoll mythologischer Gegner gezeigt wurde. Vorher hatte ich die Spiele einfach abgetan in der Annahme, dass sie voll von Leuten sind, die in Doping (also Drogenmissbrauch) verstrickt sind und Mädchen, die – körperlich verkrüppelt – Kunststücke an Stangen darbieten.

“Erstmals sinnvolles interaktives Fernsehen”

Beifall muss man der Berichterstattung der BBC über die Olympischen Spiele zollen, weil sie erstmals sinnvolles interaktives Fernsehen eingesetzt hat. Vorige Woche habe ich mir eine Zeit lang eine Frau angesehen, bei deren Anblick ein Pferd blind über einen hohen Zaun springen könnte und dann noch um ein paar Säulen drumherum – bevor ich begriff, dass ich nur den roten Knopf zu drücken brauche, um etwas viel Interessanteres anschauen zu können, wie etwa Beach Volleyball der Frauen.

Seitdem bin ich im Kanal wie Elvis hin- und hergesprungen – immer in ungeduldiger Erwartung eines weiteren Schmankerls. Der Sportkanal von Sky macht etwas Ähnliches. An Samstagnachmittagen, wenn die Fußballspiele beendet sind, hat der Sender Mitleid mit den Fans, die mit ihrer besseren Hälfte den Nachmittag im Gartencenter verbracht haben. So strahlt der Kanal ausführliche Highlights von jedem Spiel aus, wieder einfach nur mittels sachkundiger Benutzung der Finger und des roten Knopfs.

Die BBC hat Gleiches bei den Tennismeisterschaften von Wimbledon getan, aber die Begeisterung der Engländer für dieses Spiel scheint gerade mal für ein paar Wochen im Sommer zu reichen, bis sie gemeinsam mit unseren Hoffnungen, jemals einen Sieger hervorzubringen, wieder abstirbt.

“Interaktives TV kann Werbung darstellen, aber das kann ein Mann mit starken Schultern, einer umgehängten Reklametafel und ein paar superbequemen Schuhen auch.”

Solche Veranstaltungen und andere interaktive Programmangebote wie das IQ-Quiz “Test the Nation” gewöhnen die Leute an den Gedanken, mit ihrem Fernseher zu kommunizieren. Was mich aber verblüfft ist, wie ungeeignet das Fernsehen doch als Instrument zur Verbreitung von kommerziellen Informationen ist. Klar, es kann Werbung darstellen, aber das kann ein Mann mit starken Schultern, einer umgehängten Reklametafel und ein paar superbequemen Schuhen auch. Brauchen wir für die Marketing-Messages ein anderes Medium?

Versuchsweise habe ich einfach mal während eines Werbespots die rote Taste gedrückt. Bis sich das interaktive Element geladen hatte, war der Spot vorbei. Ich hatte vergessen, warum ich die Taste überhaupt gedrückt hatte und hatte zwei graue Haare mehr. Oh, hatte ich nicht erwähnt, wie langsam sich diese Seiten aufbauen? Mit dieser Erfahrung wollen die Firmen wohl eher nicht in Zusammenhang gebracht werden.

Nun ja die Geschwindigkeiten werden sich höchstwahrscheinlich verbessern und dies gilt auch für die Kapazitäten der Plattform. Dies alles trifft aber auch auf das Internet, die 3G-Telefonie und die mobile Kommunikation im Allgemeinen zu.

Das Fernsehen hat seinen Platz und spielt eine Rolle bei Programmen im Bereich Marketing und Kundenbeziehung – allerdings in einem begrenzten Rahmen, wobei die Konzentrationsfähigkeit des Publikums Berücksichtung finden sollte. Die Rahmen beim Internet sind technisch nicht mehr so sehr begrenzt – nur schade, dass einige Marketingleute das Medium noch mit Fernsehen verwechseln; die Funktionen hinter dem roten Knopf haben auch sie manchmal nicht durchdacht, wenn sie große Multimedia-Dateien laden, während der Nutzer schon wieder etwas anderes sehen will. Besser ist es immer noch als beim Fernsehzuschauer, der Warten nicht gewohnt ist. Aber: Alles wird gut, wenn die Server schneller werden. Beim Fernsehen und beim Internet.