Security/Raubkopien
Hochwertige Kopierqualität kann das Verbrechen fördern

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Da Tintenstrahldrucker zunehmend exaktere Abbilder von Originalen produzieren können, gibt es jetzt wieder neue Bedenken wegen möglicher Fälschungen.

Security/Raubkopien

Es überrascht mich, dass man verwundert sein soll, wie jemand, der nicht der University of Westminster angehörte, in der Lage war, eine Ausweiskarte zu fälschen und sie dann auf den Geräten der Uni benutzte, um Buskarten im Wert von mindestens 75.000 Pfund (über 100.000 Euro) herzustellen.

Der Betrüger, der vom Harrow Crown Court (Königliches Gericht Harrow) zu 12 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt wurde, hatte einfach einen Originalausweis eingescannt, digitale Fotos eingefügt und das Ergebnis auf einem Farbdrucker ausgedruckt.

Die Weltzollorganisation (WCO) und Interpol haben kürzlich eine Konferenz in Brüssel mit dem Thema Banknotenfälschung organisiert. Der WCO ging es darum, dass CD-R Raubkopien von der CD-ROM Datenbasis von Import/Exportzöllen entdeckt worden sind, die die WCO für jeweils 1000 Euro an Zollhäuser in der ganzen Welt verkauft.


“Diese Raubkopien wurden genau von den Leuten gekauft, die dafür bezahlt werden, den Verkehr mit falschen Banknoten zu unterbinden”

Diese Raubkopien, mit gescannten CD-Covern, wurden genau von den Leuten gekauft, die dafür bezahlt werden, den Verkehr mit falschen Banknoten zu unterbinden.

In Brüssel habe ich die Chance wahrgenommen, Ronald Noble, Generalsekretär von Interpol, zu fragen, ob er darüber besorgt ist, dass die Leute Farb-Tintenstrahldrucker und Kopiergeräte verwenden, um wertvolle Dokumente und Geld zu replizieren.

“Nur wenige lassen sich täuschen”, versicherte er mir. “Ich glaube nicht, dass dies ein Problem ist, das Zeit in Anspruch nehmen sollte”.

John Newton, der Direktor für Verbrechensaufklärung bei Interpol, war genauso locker: “Wir haben uns mit den Druckerherstellern über ein standardisiertes Schutzsystem unterhalten, aber entschieden, dass es keine Angelegenheit für Interpol ist?, sagte er.

Vielleicht sollten sich Noble und Newten einmal mit De La Rue unterhalten, der Firma, die seit 1724 Geld druckt. Die Firma stellt Banknoten in 150 Währungen her, einschließlich dem Euro, und hat letztes Jahr seinen Hauptkunden übernommen – die 300 Jahre alte Geldprägeanstalt der Bank of England.

Indem er die traditionelle Stille hinsichtlich des Gelddruckens brach, hat De La Rue kürzlich gewarnt, dass Tintenstrahldrucker eine neue Sorte von digitalen Fälschern hervorbringen.

Der Sprecher von De La Rue John Winchcombe hat mir lange vor der Konferenz in Brüssel mitgeteilt, dass dies “ein sehr sensibles Thema ist, aber wir dachten, es ist an der Zeit etwas etwas zu sagen, was den Leuten zu Denken gibt.”

“Es scheint wenig Verständnis für die Art des Problems zu geben und noch weniger für seine Dringlichkeit”

In Schreiben an Banken und Regierungen in der ganzen Welt warnt De La Rue: “Es scheint wenig Verständnis für die Art des Problems zu geben und noch weniger für seine Dringlichkeit”.

“Die Zentralbanken in der Welt müssen sich jetzt mit einer wachsenden Anzahl von gefälschten Banknoten beschäftigen, die auf Tintenstrahl-Farbdruckern erzeugt worden sind.”

Seit Mitte der 80er Jahre haben die Hersteller von Hochleistungs-Farbkopierern auf elektrografischer Basis, wie sie in Büros und Kopierläden verwendet werden, freiwillig Zeichenerkennungs-Software eingebaut, die die feinen Details der Sicherheits-markierung erkennen und den Kopiervorgang blockieren. Die Kopierläden stürzen sich auf jeden, der versucht, wertvolle Dokumente zu kopieren.

Die vier wichtigsten Hersteller von Tintenstrahldruckern Canon, Epson, HP und Lexmark haben die Auflösung jetzt auf mindestens 4800 Punkte pro Zoll hochgetrieben, wobei jeder Punkt von Tintentröpfchen gebildet wird, die eine Größe von 3 Picolitern haben (ein Picoliter ist ein Trillionstel eines Liters).

Nun kann jeder alles ungestört mit einem Knopfdruck zu Hause drucken – und die Qualität ist der von Hochleistungsgeräten vergleichbar.

“Die Banken, Schatzämter und die Polizei sollten die Druckerhersteller auffordern, verantwortungsbewusst zu handeln”, sagte De La Rue.

Aber als ich versuchte, mit dem Nationalen Dienst für Verbrechensaufklärung (National Criminal Intelligence Service) zu sprechen, schien man sich dort der neuesten Entwicklungen kaum bewusst zu sein. “Die Qualität von billigen Kopierern ist nicht hoch genug, das heißt man spricht von Geräten, die 10.000 Pfund (15.000 Euro) kosten”, versicherte mir ein Sprecher.

Und die Bank von England sagte: “Wir sind überzeugt, dass unsere Sicherheitsmaßnahmen, wie Wasserzeichen und Streifen, bezüglich solcher Entwicklungen die Nase vorn haben.”


“Bei den Banken scheint man sich der neuesten Entwicklungen kaum bewusst zu sein.”

Die Computer-Softwarefirma Software 2000 hat mit De La Rue an einer Treibersoftware gearbeitet, die vermeidet, dass Heimdrucker und kopierer Banknoten oder sichere Dokumente reproduzieren können.

Der Treiber sucht nach verräterischen Anzeichen von Sicherheitsdetails, Seriennummern und der Größe der Banknoten. Eine Fuzzy-Logic erlaubt nur monochrome Kopien mit niedriger Qualität von verdächtigen Abbildungen.

Aber ein Jahr nachdem es der Industrie erstmals angeboten wurde, gibt es keine Abnehmer. Denkt man an den Fall bei Adobe, ist dies wahrscheinlich unvermeidlich.

Die Gruppe zur Abschreckung von Geldfälschung der Zentralbank (Central Bank Counterfeit Deterrence Group/CBCDG) hatte ein System entwickelt, das innerhalb der Banknotenabbildung eine lizensierte Markierung versteckt, welche von jeder abbildenden oder Kopiersoftware erkannt wird, die über eine von der CBCDG lizensierte Kopierstop-Steckkarte verfügt.

Adobe hat die CBCDG-Software in die neueste Version von Photoshop integriert. Das Ergebnis ist, dass die Firma im Internet nun in großem Stil lächerlich gemacht wird, indem zahlreiche Meldungen im Netz auftauchen, die beschreiben, wie einfach der CBCDG-Block zu knacken ist.

Ich bezweifle sehr, dass dies das Ziel von Adobe war. Die Zusage “ohne CBCDG”
könnte ein einzigartiges Verkaufsargument für Adobes Konkurrenten sein.

Ich jedenfalls werde in Zukunft einen etwas genaueren Blick auf Papiergeld werfen, das ich in einer dunklen Kneipe als Wechselgeld bekomme.