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Das “neue HP” bremst sich selber aus

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Der mit Problemen belastete IT-Gigant muss den Bedürfnissen der Anwender Priorität einräumen, bevor er sich in neuer Technik verheddert, meint Martin Veitch.

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Veränderungen in der Führungsebene, einschließlich des Weggangs von Europachef Kasper Rorsted und dem Direktor für den globalen Server-Markt, Peter Blackmore, verfehlte finanzielle Ziele und ein starker Abfall auf dem Aktienmarkt scheinen das “neue HP” (inklusive Compaq) ins Wanken zu bringen.

Man ist sich darüber einig, dass HP anfänglich eine gewaltige Arbeit geleistet hat, mit den Veränderungen fertig zu werden, die sich aus dem Kauf von Compaq ergaben. Allerdings verdeutlichen die letzten Nachrichten, wie schwierig es ist, multiple Serverplattformen und die organisatorischen Prozesse, die diese Unternehmens-Verbindung mit sich bringt, sinnvoll umzusetzen.

Als HP-Chefin Carly Fiorina ihren Gegenpart von Compaq, Michael Capellas, traf, hing für beide der Himmel voller Geigen, aber Gepäck aus der Vergangenheit kann auch die vielversprechendste Beziehung nach unten zu ziehen.

“Compaq brachte mehr Gepäck in die Beziehung mit als Elisabeth Taylor”

Und Compaq brachte mehr Gepäck in die Beziehung mit als Elisabeth Taylor. Vor dem Kauf von Tandem und Digital war Compaq ein Wintel-Brummi – nach dem Kauf haben sie sich eine größere Last auf die Schultern gepackt, einschließlich OpenVMS, Tru64 Unix, NonStop, Mips und Alpha. Noch vor Compaq hatte HP bereits PA-Risc, HP-UX und die uralten 3000 Server.

HP hat kürzlich seine Aktivitäten reorganisiert, um die Möglichkeiten bezüglich des Cross-Selling zu verbessern, aber diesen Gordischen Knoten von Chips und Betriebssystemen zu entwirren, ist HPs großes Problem. Solche Aktivitäten – vor und nach der Fusion – wie Alpha, Tru64, PA-Risc und die e3000 unter einen Hut zu bringen, sorgt für Krawall – und vielleicht wird das Ganze ein Bumerang. Sicher steht da das Server-Business von Rivalen wir IBM und EMC im Vergleich besser da.

HP muss seine Aufmerksamkeit auch auf seine Verpflichtung zu Intels 64bit Itanium lenken – den Chip, bei dessen Entwicklung sie mitwirkten und auf den sie ihre Server-Kunden lenken. HP hat zwar mit Itanium nicht den ganz großen Hit gelandet , aber kam ziemlich nahe dran; kein Wunder dass die Firma sich in der letzten Zeit damit beschäftigte, durch Support sowohl für Intel als auch AMD und deren 32- auf 64Bit-Erwdeiterungen das Risiko im 64-Bit-Bereich zu senken. Ein teurer neuer Prozessor mit begrenztem Support für die installierte Basissoftware hätte sich mit großer Wahrscheinlichkeit kaum gut verkaufen können – aber Itanium holt langsam auf.

Hätte HP seinen Kunden Besseres bieten können? Vielleicht. Die Veränderungen an den Servern fordern den Vergleich mit IBM heraus, die mehr für Software und Dienstleistung ausgegeben haben als für die Akquisition von Hardware. Außerdem haben sie erfolgreich begonnen, die ehemaligen RS/6000 und AS/400 Server auf der Power-Architektur zu vereinigen.

Die Ankündigung von diesem Monat, dass die Itanium- und Alpha-Server mit dem neuesten HP-UX laufen, wird eine Hilfe sein, aber die Firma wird den Kunden zeigen müssen, wie sie sich um sie kümmert, wenn sie auf dem Kreuzungsweg der Server angelangt sind.

Die Anwendergruppe Interex deutet an, dass die Kunden wegen des Mangels an direktem Support besorgt sind – eine beachtenswerte Unterlassung zu einem Zeitpunkt, wo Käufer, die einmal in einer Ewigkeit Veränderungen an einem Server vornehmen, erwarten, dass der Anbieter sie umsorgt.

“HP mag sich selber ausgebremst haben, jedoch hat das Unternehmen noch überall Möglichkeiten.”

HP mag sich so selber ausgebremst haben, jedoch hat das Unternehmen noch überall Möglichkeiten. Sein Kaufangebot für Synstar weist in eine klare Richtung – den Kauf von kleinen Dienstleistungsfirmen mit regionalen Stärken und Fachwissen im Domänenbereich.

Maßvolle Akquisitionen deuten auch darauf hin, dass HP seine Position im Bereich System-Management Software verstärkt, ohne der Versuchung zu erliegen, IBM in anderen Märkten für Unternehmens-Software herauszufordern.

Dies ist der Weg nach vorn. HP hat einen großen Forschungs- und Entwicklungsbereich, ein Markenzeichen, das Symbol für Zuverlässigkeit ist, und auch eine sagenhafte Kundenliste. Der Ruf des Allround-IT-Partners ohne Vorurteile und Festlegung im Software-Bereich steht HP gut an – was aber gebraucht wird, sind eine klare Linie und weniger unbestimmte Verweise auf das “adaptive Unternehmen”.