Universelle Instant Messenger
In allen Netzen chatten

Netzwerke

Multiprotokoll-Messenger können mehr als Mail, SMS und Telefon. Sie wählen sich gleichzeitig in die Netze von AOL bis Yahoo ein und verbinden in Echtzeit mit beliebig vielen Partnern.

Schneller als E-Mail oder SMS

Universelle Instant Messenger

Schneller als per E-Mail oder SMS lassen sich Absprachen per Messenger treffen. Die Tools sind simpel, praktisch und verschwenden weder Speicher noch Online-Ressourcen. Die meisten dieser kompakten Nachrichtendienste übertragen auch Dateien per Drag and Drop über das Internet und eignen sich teilweise sogar für Video- und Audiokonferenzen. Zudem nehmen sich die Klassenbesten des Themas Sicherheit an: Sie verschlüsseln Nachrichten und überprüfen Anhänge automatisch mit einem Virenscanner. Die Gefahr, den Rechner beim Filetransfer zu infizieren, sinkt damit erheblich.

Die größte Verbreitung haben derzeit der MSN-Messenger von Microsoft und die Pendants von AOL und Yahoo. Deren Manko: Sie funktionieren ausschließlich in ihren eigenen Netzen. Hat ein User aber nicht nur Hotmail-Kontakte, sondern auch Kommunikationspartner bei AOL oder ICQ, muss er auf eine universelle Lösung zurückgreifen. Mittlerweile gibt es mehr als ein Dutzend so genannter Multiprotokoll-Messenger, die zumindest mit den vier großen Netzen MSN, Yahoo, AOL und ICQ zusammenarbeiten. Einige amerikanische Lösungen wie Gaim und Syndicon unterstützen zudem das in den USA viel genutzte Jabber-Protokoll. Der Anwender kommuniziert dann mit Partnern in allen unterstützten Protokollen aus einem zentralen Tool, im Idealfall über zeitgleich geöffnete Textboxen. Das schafft mehr Übersicht und erspart unnötige Installationen mehrerer Messenger.


Sicher Nachrichten tauschen

Universelle Instant Messenger

Zwar besitzen nahezu alle Multiprotokoll-Messenger im Test eine ähnliche Grundfunktionalität, sie setzen aber bei der Sicherheit, beim Bedienkomfort und bei der optischen Gestaltung unterschiedliche Akzente. Der Vergleichstest zeigt, dass nur beim Testsieger Miranda IM und bei Cerulean Trillian die zahlreichen Möglichkeiten der Kommunikation per Chat oder E-Mail nicht zu Lasten der Sicherheit gehen.

Der Vorteil von Miranda IM: Eine Kollision mit der Firewall ist ausgeschlossen, da sich der Transfer für alle Protokolle auf Port-Ebene separat regeln lässt und auch das Einbinden eines Proxy-Servers machbar ist. Allein die fehlende Möglichkeit der Verschlüsselung über SSL oder einen eigens eingebundenen Logarithmus verhindert die Gesamtnote ?sehr gut?. Aber Miranda ist nicht nur für Profi-User interessant, sondern auch für Unternehmen, die schnelle Absprachen zwischen den Kollegen innerhalb und außerhalb des Hauses ermöglichen wollen. Apropos Verschlüsselung: Dieses Thema wird von nahezu allen Anbietern noch immer stiefmütterlich behandelt. Nur Syndicon hat eine Verschlüsselung für Textnachrichten integriert. Zwar ist der Code ROT13, der die Buchstaben lediglich um 13 Stellen verschiebt, nicht besonders sicher, aber er verhindert das Mitlesen der Botschaften in Echtzeit per Sniffer.


Klassisch chatten

Universelle Instant Messenger

Privatanwender, die keine Spionage über so genannte Man-in-the-middle-Attacken befürchten, finden in My Jabber von SLTS und dem deutschsprachigen Fynn Gaim ebenfalls gute Alternativen. Fynn Gaim ist sehr übersichtlich und läuft stabil auch mit mehreren Chat-Fenstern. My Jabber kommt den klassischen Chattern entgegen, da sie sich hier eigene Chat-Räume einrichten können. Daneben legt das Programm zu allen Chats ausführliche Logfiles an.
Geringe Unterschiede zeigen sich in puncto Geschwindigkeit. Alle Testkandidaten übertragen die Nachrichten zügig und melden neue Post sofort. Allein Odigo bricht in einigen Fällen die laufende Verbindung ab. Überzeugend ist zudem bei sämtlichen Programmen die Übersicht. Wer nur gelegentlich chattet und wenige Kontakte hat, kann jedes der fünf bestplatzierten Tools einsetzen, ohne auf etwas verzichten zu müssen.

Spartanisch messagen
Auf den hinteren Plätzen im Testfeld finden sich zwei besonders renommierte Kandidaten: Lycos Messenger und T-Online-Messenger 5.0 (TOM). T-Online schraubt die Funktionsvielfalt des Tools auf ein Minimum herunter und ermöglicht nicht einmal das Versenden von Dateien. Das Schlusslicht Lycos verwirrt mit kryptischen, großenteils inhaltsleeren Fehlermeldungen, für die das Tool jeweils ein neues Dialogfenster öffnet. Zudem braucht das Programm überdurchschnittlich viele Versuche, um sich in die Partnernetze einzuwählen und stört den User immer wieder mit vielfach überflüssigen ~Informationen zum On- und Offline-Status seiner Chat-Partner.


Yahoo nachrüsten

Universelle Instant Messenger

MSN, Yahoo, AOL und ICQ: Diese Netze sollte ein ausgereifter Multiprotokoll-Messenger unterstützen. Bis auf die Tools von T-Online und Lycos folgen alle Kandidaten dieser Vorgabe. T-Online ignoriert AOL-Kontakte, und Lycos unterstützt nur MSN und Yahoo. Bei Miranda fehlt zwar ebenfalls Yahoo. Das ist aber nur ein kleiner Schönheitsfehler, denn aufgrund des modularen Aufbaus von Miranda ist ein Nachrüsten per Plug-in kein Problem.

E-Mail abfragen
Im positiven Sinne bricht Easy Message aus dieser Reihe aus. Der Messenger fragt zusätzlich sogar POP3-Accounts ab. Die Programme Trillian, My Jabber und Gaim unterstützen zudem das IRC-Chat-Protokoll. Trillian, der Klassiker unter den Multiprotokoll-Messengern, zeichnet sich trotz der englischsprachigen Menüführung durch eine angenehme Bedienung aus. Angesichts der sinnvoll strukturierten Oberfläche finden sich auch Chat-Neulinge sofort zurecht. Praktisch: Über farbige Markierungen sieht der Anwender auf einen Blick, welche Partner aus welchen Netzen online sind. Die große Auswahl an Emoticons, also grafischen Smileys und Logos für den Chat, ist verführerisch. Viele davon erscheinen allerdings nicht korrekt in den empfangenden Messengern wie MSN.


Easy Message

Universelle Instant Messenger

Die gleichzeitige Einwahl in mehrere Netze löst Easy Message am besten. Das gelingt über ein einziges Kommando. Darüber hinaus läuft das Tool stabil und erleichtert auch Einsteigern den Zugang aufgrund der sehr einfachen Bedienung. Allerdings stören die gemischtsprachigen Menüs aus deutschen und englischen Texten. Beim Empfang von Nachrichten aus den Netzen von Yahoo und AOL erscheinen außerdem die Umlaute nicht korrekt.

Die schönste Optik hat Gaim, der Viertplatzierte im Testfeld. Gaim individualisiert die eingetragenen Kontakte sehr schön über entsprechende Symbole für das jeweilige Netz und den Online- oder Offline-Status. Zudem besteht die Möglichkeit, aus dem Modul heraus eine SMS an Bekannte zu verschicken. Allein einige Fehler bei der Darstellung von Umlauten und Sonderzeichen trüben den sonst guten Eindruck. Dennoch ist Gaim für Endanwender empfehlenswert. Hätte der Anbieter Fynn mehr Wert auf Privacy- und Sicherheitsfunktionen gelegt, wäre Gaim auf dem Siegertreppchen gelandet.

Wer es vor allem darauf anlegt, neue Bekannte in aller Welt zu finden, sollte sich Odigo ansehen. Im Gegensatz zu allen anderen Messengern fordert das Tool nicht auf, neue Kontakte anzulegen, sondern zeigt in Zehnergruppen Online-User an, die mittels einer Odigo-ID in den unterstützten Messaging-Netzen sind.


Virenscanner integrieren

Universelle Instant Messenger

Nimmt man die Sicherheit der Datenübertragung zum Maßstab, dann empfehlen sich nur drei Tools für den professionellen Einsatz: allen voran Miranda IM, das eine sehr feine Abstimmung mit der zentralen Firewall zulässt etwa über die jeweils benutzten Kommunikationsports. Zudem ist eine Anbindung an Microsofts Netmeeting möglich, das für Sprach- und Videokonferenzen häufig zum Einsatz kommt. Miranda kann über die Verknüpfung zum jeweiligen EXE-File auch einen externen Virenscanner damit beauftragen, empfangene Dateien entweder sofort oder später auf zerstörerischen Code zu scannen.

Auch Trillian bietet sich an, denn das Tool kann einen Virenscanner integrieren und besitzt wie Miranda eine ausführliche Logfunktion, die das Mitschneiden und spätere Auswerten laufender Konversationen vereinfacht. Syndicon hat insgesamt nur rudimentäre Sicherheitsfunktionen wie einen Privacy-Bereich, über den der Anwender definiert, dass private Daten nicht veröffentlicht oder bestimmte Kontakte automatisch geblockt werden. Damit liegt das Tool aber im Mittelfeld, denn diese Funktionalität bieten alle Messenger.


Gleichzeitig kommunizieren

Universelle Instant Messenger

Als einziges Chat-Programm kann das Jabber-basierte Syndicon jedoch Textnachrichten in Echtzeit verschlüsseln. Das Verfahren ROT13 verschiebt dabei zwar nur die Buchstaben, verhindert aber im Büro, dass beispielsweise der Chef einen Kollegen-Chat belauscht. Gaim von Fynn überzeugt dann, wenn der User nicht nur mit ausgewählten Kontakten, sondern mit mehreren Anwendern in Chat-Räumen sprechen will. Dafür legt der Benutzer beispielsweise einen neuen Raum an oder wechselt in vorhandene Chat-Sessions, etwa bei Yahoo. Das gelingt schnell und einfach. Im Test zeigt sich allerdings, dass die Performance darunter leidet, wenn der Chatroom mit mehr als 20 Anwendern stark frequentiert ist. Auch Lycos hat einen Zugang zum öffentlichen Chat allerdings steht dem User hier nur eine Flirtline zur Verfügung. SLTS My Jabber richtet unter Angabe des Servers Kommunikationsplattformen ein, die beispielsweise in einem Unternehmen genutzt werden können. Das ist gleichermaßen unkompliziert und praktisch.
Syndicon (über das ICQ-Netz) und Gaim bieten im Übrigen über die Eingabe der Telefonnummer die Möglichkeit, SMS zu versenden. Der T-Online-Messenger kann das auch, setzt dafür aber einen kostenpflichtigen T-Online-Account voraus.


Werbefreiheit genießen

Messenger sollten werbefrei sein und die Anmeldung am Server schnell und ohne Abfrage vieler privater Details erledigen. Bis auf TOM von T-Online halten sich alle Kandidaten daran. Allerdings blendet auch das Lycos-Tool Eigenwerbung des Herstellers ein.


Thin Client Hiptop

Universelle Instant Messenger

Der mobile Thin Client Hiptop vom amerikanischen Hersteller Danger ist Webbrowser, E-Mail-Client und Messenger für unterwegs. Das Gerät kostet 250 Euro mit zweijähriger Vertragsbindung bei E-Plus. Die Grundgebühr von 20 Euro pro Monat enthält eine Flatrate für Datendienste, also surfen, mailen sowie Nachrichten senden und empfangen. Der integrierte AOL-Messenger sendet und empfängt auch ICQ-Nachrichten. Anstelle der Namen zeigt er dann allerdings nur die ICQ-Nummern von Buddys an. Ein kleiner Workaround ist es, jeden ICQ-Freund in eine eigene Gruppe mit dem echten Namen oder Spitznamen des Bekannten einzuordnen.

ICQ ohne Software nutzen

An fremden Rechnern, im Büro und im Internet-Café sind funktionierende ICQ-Installationen reine Glückssache. Wer nur einen Internet-Browser zur Verfügung hat und trotzdem auf ICQ angewiesen ist, kann das webbasierte ICQ2Go einsetzen. Es handelt sich dabei um ein Java-Programm, das in jedem Browser startet. Die Webseite go.icq.com öffnet nebenstehendes Fenster. Nach einem Login mit ICQ-Nummer oder E-Mail-Adresse und Passwort lädt der Java-Client die Kontaktliste von den ICQ-Servern und zeigt den Status der Buddys genau so an wie ein installierbarer Client. Lediglich Zusatzfunktionen, etwa Datei- oder Sprachübertragungen, funktionieren nicht.


Übersicht Messenger

Universelle Instant Messenger

Hersteller Produkt PC Direkt Wertung
Trillian 0.74w Cerulean gut
Syndicon 1.3.1 Craft Oleco befriedigend
Easy Message 2.3.6 Dewsbury befriedigend
Gaim 0.74 Fynn befriedigend
Messenger Lycos mangelhaft
IM 0.3.3 Miranda gut
Odigo 4 Odigo befriedigend
My-Jabber 3.5.57 SLTS gut
TOM 5.0 T-Online ausreichend

Übersicht im
Detail