Enterprise Software
MySQL in Theorie und Praxis

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Eine unlängst erfolgte Implementierung der MySQL-Datenbank für ein auf Linux basierendes Mail-System führte zu einigen nützlichen Lektionen hinsichtlich Lizenzierung, Support und Planung, schreibt Roger Howorth.

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MySQL ist eines der häufigsten falschverstandenen Software-Programme, das mir in der letzten Zeit begegnet ist. Über Datenbanken wird geredet, als hätten die Käufer eine Wahl. In Wahrheit benutzt jede SQL-Datenbank Befehle, die mit ihrer Konkurrenz inkompatibel sind. Als Folge kann man keine Anwendung nehmen, die für die eine SQL-Datenbank gemacht wurde, und sie einfach auf eine andere verschieben. Allzu oft kaufen Firmen eine Anwendung wie E-Mail oder Buchführungspaket, das dafür entwickelt wurde, mit einer ganz bestimmten Datenbank zusammenzuarbeiten. Diese Anwendungen lassen sich von der Firma nicht einfach auf eine andere Datenbank portieren, da der Anbieter der Anwendung nicht notwendigerweise Support für die Konfiguration bieten würde.

Das Virtualmail-Hosting-System, das wir beispielsweise unlängst in den ITWeek-Labs installiert haben, ist eine Open-Source-Anwendung, die auf Gentoo Linux basiert. Wie die meisten Anwendungen besteht unser Virtual-Mail-Host in Wahrheit aus vielen verschiedenen Programmen. Er nutzt zum Beispiel den Postfix-Mail-Transportagfenten und die User-Authentifizierungs-Engine Cyrus-SASL, die wiederum eine MySQL-Datenbank verwendet, um die User-Daten des Mail-Systems zu verwalten, wie Login-Namen und Paßwörter. Da alle Elemente Open Source sind, müssen wir keine Server- oder Client-Lizenzgebühren zahlen. Wir müssen keine kommerzielle Version von MySQL kaufen, da wir die MySQL-Software nicht modifiziert haben. Daher können wir die Open-Source-Version Gnu Public Licence (GPL) verwenden. Verschiedene Elemente des Systems sind bei der Kompilation “verlinkt”. Postfix muss beispielsweise kompiliert werden, während der optionale Support für MySQL aktiviert ist. Diese Art des Verlinkens führt zu Fragen hinsichtlich der Urheberrechte und der GPL. Programme, die eine Verbindung zu GPL-Software herstellen, müssen selbst unter der GPL veröffentlicht sein. Dieses Thema betrifft uns allerdings nicht, da wir nicht von unserer eigenen Software mit dem Mail-System verbinden. Wir benötigen allerdings immer noch technischen Support für das System. Den erhielten wir aus einem Diskussionsforum auf der Gentoo-Website. Ursprünglich hatten wir viele Probleme, die das System vom Starten abhielten. Abgesehen von einem einzigen Fall stellte sich aber heraus, daß dies eher daran lag, daß wir einen oder mehrere Schritte aus dem Installationsführer nicht befolgt hatten. Nachdem wir alle Schritte befolgt hatten, funktionierte das System korrekt.

In den ersten paar Monaten haben wir mehrmals das Support-Forum aufgesucht, um Hilfe zu finden, aber wir trafen immer auf andere User, die alle Probleme, die aufgetaucht waren, bereits diskutiert und gelöst hatten.

Ich sage jetzt nicht, daß wir unsere Verwendung von Open-Source-Software nicht verbessern könnten. Wir haben beispielsweise kaum Informationen darüber und Einfluß darauf, welche Richtung Postscript oder sogar MySQL nehmen werden. Wenn wir beschließen, daß unser Mail-System für unser Unternehmen wichtig ist, könnten wir jemanden einstellen, der an der Entwicklung eines dieser Pakete mitarbeitet. Für mich ist das die Poweruser-Version des Open-Source-Modells. Man sollte die Kampagnen zu den Lizenzgebühren und so weiter vergessen, da sie nur eine Ablenkung darstellen. In Wahrheit geht es darum, jemanden einzustellen, der an der Entwicklung eines Open-Source-Projektes beteiligt ist, das für Ihr Unternehmen wesentlich ist. Das wird Ihnen tiefere Kenntnis der Technologie geben und Einfluß auf ihre Entwicklung.