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Mein Traum von Longhorn: Bewährtes beibehalten, aber Mängel beseitigen

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Viele Unternehmen folgen inzwischen nur widerwillig dem von Microsoft vorgegebenen Upgrade-Zyklus. Daniel Robinson fragt sich, ob Longhorn einmal das Produkt sein wird, das uns endlich von Windows erlöst?

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Die letzten Monat aufgeflogene E-Mail von Steve Ballmer, Hauptgeschäftsführer bei Microsoft, an alle Mitarbeiter hat uns einen interessanten Einblick in die Weltsicht des Software-Riesen erlaubt.

Eines vorab: Die hier offenbarte Sichtweise teilen außerhalb Microsoft nur wenige. Ballmer meinte beispielsweise, Microsoft solle sich bemühen, verschiedene bei Kunden vorherrschende Auffassungen zu verändern, ?einschließlich der Ansicht, ältere Versionen von Office und Windows seien gut genug, und Microsoft kümmere sich nicht ausreichend um Sicherheitsfragen.?

Alle diejenigen, die beim letzten Teil der Aussage ein lautes Lachen nicht zurückhalten konnten, sollten sich jetzt wieder beruhigen, es ist eher der erste Teil, der Aufmerksamkeit verlangt. Microsoft ist der Ansicht, dass wenn Sie nicht die neueste Version von Windows und Office installiert haben, das nur daran liegen kann, dass Sie die Vorteile nicht begriffen haben. Und es müsse nur ein bisschen ?Aufklärungsarbeit? geleistet werden, damit wir unseren Irrtum einsehen und sofort zur Geldbörse greifen.

Vielleicht sollte Microsoft ein bisschen besser zuhören, was Kunden sagen, anstatt zu versuchen, sie zu manipulieren. Vielleicht würde dem Unternehmen dann klar, dass es nicht einfach um die Unkenntnis von Vorteilen neuer Versionen geht, sondern dass viele Kunden die Kosten und den Aufwand eines Upgrades vorsichtig gegen die Vorteile abwägen und dann feststellen, dass es sich nicht lohnt.

Ich denke, erst mit Erscheinen von Longhorn werden wir eine ernste Krise erleben. Die Windows-Version der Zukunft wird so viele Veränderungen aufweisen, dass für viele Unternehmen ein größerer Umbau ihrer IT-Infrastruktur erforderlich wird, wenn sie Longhorns Funktionalität voll ausschöpfen wollen.

Das bedeutet dann auch, dass Firmen sich in den nächsten paar Jahren stark mit der Planung ihrer Desktop-Strategie auseinander setzen müssen, um sich schließlich zu entscheiden, ob sie ihre Windows-Clients beibehalten wollen oder zu einer Alternative greifen. Und Alternativen wie die Verteilung von Linux durch Firmen wie Sun und Novell werden immer verlockender.

Fest steht, dass Longhorn weit komplexer und ressourcenhungriger sein wird als Windows XP, wobei Unternehmensanwendungen zunehmend auf zentralen Servern und weniger auf Desktops installiert werden. Wenn Microsoft nicht aufpasst, liefert es mit Longhorn ein Software-Äquivalent zu einem schweren Fernlaster, während ein Großteil der Kunden sich eher eine etwas zuverlässigere Variante ihrer bequemen Limousine wünscht, an die sie sich schon gewöhnt haben.

Doch Longhorn ist noch Jahre entfernt, und Features wie sein datenbankgestütztes Dateisystem waren auch schon für frühere Windows-Versionen angekündigt worden, bevor sie wieder sang- und klanglos verschwanden. Vielleicht wird Microsoft sich darauf besinnen, seine ehrgeizigen Longhorn-Pläne etwas zurechtzustutzen auf eine Lösung, die den Kundenbedürfnissen mehr entgegenkommt.

Ich würde mir wünschen, dass Microsoft sich ein Beispiel an Apple nimmt und eine neue Windows-Version auf einen bewährten, robusten Unix-Kern aufsetzt, wie Mac OS X auf FreeBSD basiert. Außerdem könnte es ein paar Services anbieten, die zu den laufenden Windows-APIs kompatibel, aber etwas mehr auf Sicherheit ausgerichtet sind. Das wäre eine deutliche Verschiebung weg von der heutigen Windows-Version, an die sich die Unternehmen gewöhnt haben, und würde auch nicht mehr Durcheinander bringen als eine Longhorn-Technologie in der augenblicklichen Form. Na gut, träumen dürfen wir doch alle, oder?