Open Source
Linux legt in Unternehmen an Tempo zu

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Ein Interview mit William Weinberg, dem neu berufenen Architekturspezialisten bei den Open Source Development Labs, über Desktops, Daten-Center, Sicherheit und das Spektrum der juristischen Aktivitäten von Microsoft und SCO.

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Im ersten Teil eines zweiteiligen Interviews redet William Weinberg, neu ernannter Architekturspezialist bei Open Source Development Labs (OSDL), mit vnunet.com über Desktops, Daten-Center, Sicherheit und das Spektrum der juristischen Aktivitäten von Microsoft und SCO.

In letzter Zeit haben sich einige große Namen OSDL angeschlossen. Was haben sie für Erwartungen?

Weinberg: Heutzutage geht es bei OSDL vor allem um drei Initiativen, die wir etabliert haben. Am besten verankert ist die Carrier Grade Initiative. Dann gibt es noch die Daten-Center-Initiative und als neuestes die Desktop-Initiative.

Das Ziel dieser Initiativen ist es, die Hindernisse bei der Adaption von Linux zu begrenzen und die Adaption von Linux in Unternehmen zu beschleunigen. Jede Initiative hat eine Marketing-Arbeitsgruppe und eine Technik-Arbeitsgruppe.

Was halten Sie im Moment für den generellen Trend bei Linux?

Weinberg: In der Desktop-Welt gibt es divergierende Meinungen, wie die Adaption angegangen werden sollte. Wir waren an mehreren Versuchen beteiligt, Desktop-Systeme aufzubauen, um Kompatibilitätstypen wie Lindows zu lösen zu versuchen oder arbeitsähnliche Open-Source-Office-Pakete wie OpenOffice oder Tools, mit denen man wirklich Microsoft-Anwendungen auf Linux laufen lassen kann, wie CrossOver Office und Wine.

Es gibt nicht die eine bestimmte Methode, dies zu tun, aber ich halte es für einen sehr unproduktiven Ansatz, in ein Unternehmen zu platzen und zu verkünden: “Sie haben im Moment eine Windows-Workstation, die diese Anwendungen ausführt, und das hier ist der kürzeste Weg, um morgen Linux zu haben, mit diesen anderen Anwendungen oder mit den selben.”

Stattdessen scheint der Ansatz, der am besten in Unternehmensumgebungen funktioniert, derjenige zu sein, dort anzusetzen, wo Linux sich im Daten-Center bewährt hat. Danach setzt sich Linux bei Servern und der Infrastruktur-Ausrüstung durch, und das Client-Gerät ist ein Auswuchs dieser Adaption.

Aus unserer Perspektive ist das kein eigener Markt. Was wir wollen, ist eine Reduzierung der Hemmnisse bei der Nutzbarmachung von Client-Geräten: Desktop-Systeme, Thin Clients, Transaktions-Terminals, vielleicht Kioske die Tools des Informationsarbeiters in einem Unternehmen, des technischen Workstation-Users.

Wir wollen sicherstellen, dass diese Client-Geräte als Teil einer Unternehmensinfrastruktur in der Position sind, vergleichbare oder überlegene Funktonalität zu bieten im Vergleich zu dem, was sie heute mit einem proprietären Betriebssystem zu bieten haben, sei es ein anderes Unix oder Windows.

Was sehen Sie als größte unmittelbare Herausforderung?

Weinberg: Im Daten-Center müssen viele Kompatibilitäts- und Migrationsprobleme gelöst werden: Das Daten-Center ist sehr komplex. Viele Unternehmen haben eine Mischung von In-House- und kommerzieller Software und sie werfen nicht unbedingt alles weg. Sie wollen einen Migrationspfad haben.

Open Source muss in diesem Kontext als Kontinuum betrachtet werden, von reiner Gratis-Software á la GNU bis hin zu völlig proprietärer Software, die auf Linux als Host läuft und sonst nichts.

Die große Herausforderung besteht im Moment darin, in der Lage zu sein, die strategischen Killer-Applikationen im Daten-Center ohne Pannen und zusätzliche finanzielle Aufwendungen für die Migration laufen zu lassen und vorhandene In-House-Anwendungen zu migrieren.

Das geschieht zwar, aber jedes Mal muss wieder die selbe Pionierarbeit geleistet werden. Das zu einem fast automatisierten Prozess zu machen, ist eine der Herausforderungen, vor denen wir stehen.

Wie sieht es bei der Sicherheit aus?

Weinberg: Sicherheit hat zwei große Facetten: die tatsächliche Sicherheit und ihre Wahrnehmung. Wir möchten nicht, dass alle Welt bei Sicherheitsfragen weiterhin auf Versteckspiele setzt. Das halten wir für keinen guten Ansatz.

Offenheit ist ein großartiger Ansatz für Sicherheit, da alle Systeme gehackt werden können. Seit Jahren werden proprietäre Systeme gehackt, ohne dass jemand Zugang zum Quellcode gehabt hätte. Nur in der Theorie macht Quellcode es einfacher, bestimmet Arten des Hackens zu realisieren.

Offenheit macht einen großen Unterschied für die Welt: Es gibt die Möglichkeit, einen Fehler zu beheben und das so zeitnah zu tun, dass weitere Exploits verhindert werden dadurch wird das System sicherer.

Und die Gemeinde derjenigen, die daran interessiert sind, so etwas zu tun, ist viel größer daher sind wir fest davon überzeugt, dass offene Systeme im Lauf der Zeit sich als sicherer erweisen als geschlossene Systeme, und dass sie auch zu jedem gegebenen Zeitpunkt sicherer sind.

Es gibt Berichte, dass Microsoft seine Patente gegen Open Source benutzt. Was ist Ihre Position dazu?

Weinberg: Bei den beiden bekannten Fällen kenne ich nur wenige Details. Bei dem einen handelt es sich um das Patent für das FAT-Dateisystem, der andere hat mit den Codecs zu tun, die in Dinge wie den Windows Media Player eingebunden werden.

Es ist sehr schwierig, ein Linux-basiertes System auszuliefern, das den WMP- oder einen kompatiblen Codec enthält. Es gibt aber die seltsame Wendung, dass viele Einzelpersonen diese Integration selbst ad hoc vornehmen dürfen, wenn sie das Gerät gekauft haben.

Bei FAT hat Microsoft versucht, den harten Mann zu spielen. Ich habe aus der Industrie die Information, dass es so viele Präzedenzfälle gibt und dass es so viele Implementationen von FAT-kompatiblen Dateisystemen auf verschiedenen Betriebssystemen gibt, dass es Microsoft schwer fallen wird zu behaupten, dass diese Patente jemals durchgesetzt worden seien und das macht es schwer zu diesem Zeitpunkt die Verwendung dieses Dateisystems in Linux einzuschränken.

In der Vergangenheit hat sich OSDL zu den Gerichtsverfahren von SCO gegen IBM und andere geäußert. Was meine Sie zu der gegenwärtigen Situation?

Weinberg: OSDL und andere halten die gegenwärtige Situation mehr oder weniger für einen Stillstand. SCO hatte einige Probleme dadurch, dass die Investoren sich gefragt haben, ob Rechtsstreitigkeiten ein gutes Business-Modell im Vergleich zum Verkauf von Produkten sind.

Ihre Anwälte haben ihnen den Rat gegeben, bei einer Menge von Themen relativ still zu bleiben, und es sieht so aus, als würde diese Empfehlung befolgt, wo sich jetzt die wirklichen Prozessdaten nähern.

Was passiert ist, ist, dass die Unternehmen weniger Bereitschaft zeigen, sich über ihre Adaption [von Linux] zu äußern. Dieses Zögern verlangsamt aber nicht die Adaption.

Wir geben Geld für die Verteidigung von AutoZone aus. Bei den beiden sogenannten Endnutzer-Prozessen geht es nur bei AutoZone wirklich um Linux-Urheberrechte; zumindest wird das so behauptet.

Der DaimlerChrysler-Prozess scheint wie der IBM-Prozess um einen Vertragsstreit zu gehen und fällt damit außerhalb der reinen Linux-Prozesse.

Unternehmen wie IBM und Hewlett Packard verkaufen sowohl Windows als auch Linux. Ist das überhaupt ein Hindernis?

Weinberg: Es gibt die OSDL-Gründungsmitglieder, die Linux offensichtlich als ausreichende Strategie für ihre Geschäfte insgesamt sehen. Sie haben in OSDL sowohl rein finanziell investiert im Hinblick auf die Anschubsfinanzierung -, als auch, was wahrscheinlich ebenso wichtig ist, durch die Arbeitszeit ihrer leitenden Mitarbeiter und Techniker.

Das heißt nicht, dass sie das tun, um andere Technologien wie Windows oder Mac auszuschließen. Sehen Sie sich an, wie IBM eine so große und öffentliche Verpflichtung für den Ausbau von Linux abgibt: Das heißt nicht, dass es dort keine Windows-Produkte mehr gibt.

Sie liefern Notebooks mit Windows aus und sie liefern immer noch AIX aus und verdienen Geld damit. Sie sehen Linux einfach nur als strategischen Hebel, um im Fall von IBM ihre Hardware im Server-Raum auszuliefern und ihr Silikon im Embedded-Raum und um Geschäftsmöglichkeiten bei den Servce-Einnahmen zu erschließen.

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