Enum
Eine Nummer für alles

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Mit dem Enum-Protokoll werden die verschiedensten Kommunikationsdienste über eine Rufnummer identifiziert. Der Artikel zeigt, wie das funktioniert und was es bringt.

Test-Phase

Enum

Fax, E-Mail, Kurzmitteilung oder Telefon ? die Zahl der Kommunikationsmöglichkeiten nimmt stetig zu. Das Problem dabei: In welcher Situation ist der Kommunikationspartner über welches Medium zu erreichen? Eine weitere Herausforderung stellt dar, dass es für nahezu jede Kontaktmöglichkeit eine eigene Nummer beziehungsweise Adresse gibt.

Abhilfe schafft hier das Protokoll Enum. Unter Nutzung des Domain-Name-Systems (DNS) werden die verschiedenen Kommunikationsdienste über eine Nummer angesprochen. Dabei wählt das System automatisch das passende Endgerät aus, welches eine Nachricht bearbeiten kann. Somit landen zum Beispiel eingehende Faxnachrichten automatisch im Faxgerät.

Das Enum-Protokoll befindet sich derzeit noch in der frühen Erprobungsphase. Seit Herbst 2002 führt die Vergabestelle für die Top-Level-Domain de, Denic, einen entsprechenden Testbetrieb durch.


Enum?

Enum

Doch was genau ist Enum und welche Vorteile bringt es im Einzelnen?

Enum steht für Telephone Number Mapping und bezeichnet ein Protokoll, das Ressourcen aus dem Telekommunikationsbereich mit dem Internet verknüpft. Das Protokoll legt fest, wie eine Telefonnummer in eindeutiger Weise auf eine Domain abgebildet wird. Diese Domain ermöglicht es, die unterschiedlichsten Kommunikationsdienste zu identifizieren. Neben Mobiltelefon, Fax oder E-Mail-Adresse können dies beispielsweise auch GPS-Koordinaten sein. Hierfür nutzt Enum das Domain-Name-System. Dieses hat den Vorteil, dass es überall verfügbar ist und seine Leistungsfähigkeit bereits seit Jahren im Internet beweist. Neben dem bekannten Auflösen von Domain-Namen zu IP-Adressen ermöglicht das DNS zukünftig mit Enum auch das Abfragen und Ansprechen von Telekommunikationsdiensten.

Im Gegensatz zu de-Domains lassen sich Enum-Domains nicht frei auswählen. Es existiert eine feste Vorschrift, wie die Enum-Domain zu einer Rufnummer auszusehen hat. Damit einhergehend kann eine entsprechende Domain auch stets nur vom jeweiligen Rufnummern-Inhaber registriert werden. Der Aufbau der Domains erläutert ausführlich der unten stehenden Kasten.


Neue Möglichkeiten

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Enum realisiert also die Verknüpfung von Telefonnummern und Ressourcen im Internet. Diese Kombination ermöglicht völlig neue Dienste: Einer der Grunddienste wird beispielsweise das Auffinden eines telefoniefähigen Endgeräts im Internet sei, und zwar von einem herkömmlichen Telefon aus. Neben dem reinen Auffinden entsprechender Endgeräte liefert Enum auch weitere Informationen: Sollte etwa im obigen Beispiel kein entsprechendes Endgerät auffindbar sein, kann aus einer Liste weiterer Anwendungen bequem eine entsprechende Alternative ausgewählt werden.

In der Praxis könnte dies so aussehen: Nach Eingabe einer Rufnummer, für welche Enum-Informationen verfügbar sind, wird ein Anruf auf einen Festnetzanschluss weitergeleitet. Nimmt dort niemand ab, erfolgt eine Weiterleitung auf das Mobiltelefon. Nimmt auch dort niemand ab, wird der Anruf auf eine Voice-Mailbox weitergeleitet und eine Sprachnachricht des Anrufenden aufgezeichnet.

Die Enum-Domains haben eine gewisse Ähnlichkeit mit den seit einiger Zeit verfügbaren 0700er-Nummern. Die neuen Domains sind jedoch deutlich leistungsfähiger und bieten eine Reihe zusätzlicher Funktionen.


Stand der Dinge

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Seit September 2002 führt die Vergabestelle für de-Domains, Denic, einen Enum-Testbetrieb durch. Im Rahmen dieses Testbetriebs wird unter Einbeziehung aller betroffenen Gruppen ein Betriebsmodell für Enum erarbeitet. Zu den involvierten Gruppen zählen beispielsweise Betreiber von Telekommunikationsinfrastrukturen, Hardware-Produzenten, Datenschutzbehörden und die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP).

Hierbei müssen Lösungen für die folgenden Bereiche erarbeitet werden:
> Registry/Registrar-Beziehungen
> Validierung von Rufnummern
> technische Kommunikation

So müssen unter anderem administrative Modelle erarbeitet werden, die die Arbeits- und Aufgabenteilung zwischen der Enum-Registrierungsstelle und den Registraren eindeutig regeln.

Jeder, der das Recht auf Nutzung einer Rufnummer hat, erhält auch das Recht auf eine entsprechende Enum-Domain. Daher muss bei Beantragung einer Domain der Nachweis über das Nutzungsrecht einer Rufnummer erbracht werden. Im Rahmen des Testbetriebs werden mehrere Möglichkeiten der Rufnummern-Validierung erprobt und hinsichtlich ihrer Effektivität bewertet.

Die technische Kommunikation bezeichnet den Daten- und Informationsaustausch zwischen der Denic und ihren Mitgliedern. An dieser Stelle sollen für Enum-Domains dieselben Verfahren Anwendung finden wie bei der Registrierung von Domains unter der Top-Level-Domain de.


Aktuelle Projekte

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Im Rahmen des derzeitigen Testbetriebs wurden bereits einige sehr interessante Projekte ins Leben gerufen. Ein Beispiel ist die Verknüpfung von Voice-over-IP-Inseln am Institutszentrum Birlinhoven. So ist am Fraunhofer IZB bereits jede Nebenstelle über Enum erreichbar und steht für VoIP-Anrufe offen.

Vor dem Aufbau einer Verbindung ins öffentliche Netz fragt die IP3000 von Innovaphone den DNS nach dem NAPTR-Record der gewählten Rufnummer. Bei Erfolg wird die Verbindung über IP anstatt über das klassische herkömmliche Telefonnetz aufgebaut.

Weitere Projekte laufen unter anderem bei T-System Nova sowie an der Universität des Saarlands. Auch die Zahl der kommerziellen Produkte und Open-Source-Software in diesem Bereich steigt stetig an.


Die technische Seite von Enum

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Das Enum-Protokoll wurde von der Enum Working Group der Internet Engineering Task Force entwickelt und in RFC 2916 spezifiziert.

Für den Zugriff auf Enum-Dienste über das bestehende Domain-Name-System (DNS) wurde eine eigene Subdomain reserviert ? .e164.arpa. Doch wieso gerade diese komplizierte Subdomain? E.164 beschreibt den Standard für den internationalen Nummernplan der International Telecommunication Union (ITU). Für die Registrierung von Domains unter .e164.arpa ist das RIPE NCC in Amsterdam zuständig.

Unterhalb dieser Subdomain wird die Rufnummer in umgekehrter Reihenfolge vorangestellt und jeweils durch Punkte getrennt. Der Münchener Rufnummer +49 89 12345678 würde dann der Domain-Name 8.7.6.5.4.3.2.1.9.8.9.4.e164.arpa zugewiesen werden. Der deutsche Teil des Enum-Namensbaums ? alle Domains unter .9.4.e164.arpa, also unter der Vorwahl +49 ? wurde für den Test an die Denic delegiert.

Eine Enum-Abfrage gestaltet sich im Grunde recht einfach: Der Anwender gibt eine Rufnummer in einen Enum-Client ein, welcher daraufhin über den .e164.arpa-Nameserver mit so genannten Naming Authority Pointer Records (NAPTR) auf Enum-Nameserver zugreift. Diese Records enthalten Informationen über die verfügbaren Dienste, welcher mit der eingegebenen Rufnummer in Verbindung stehen. Als Antwort erhält der Client je nach Rufnummer einen oder mehrere Uniform Resource Indentifier (URI) mit einer bestimmten Abarbeitungsreihenfolge. Diese Reihenfolge kann das im Beispiel erwähnte Szenario sein, dass auf das Mobiltelefon umgeschaltet wird, wenn das Festnetz nicht erreichbar ist, und so weiter.

Doch sehen wir uns einmal eine solche Enum-Abfrage anhand eines Beispiels aus der Praxis genauer an. Ein Anwender gibt im sendenden Faxgerät die Nummer des Empfängers ein, im Beispiel +49 89 12345678. Daraufhin startet das Enum-fähige Faxgerät eine Anfrage beim Enum-DNS-Server, mit Hilfe der Domain der entsprechenden Nummer, also 8.7.6.5.4.3.2.1.9.8.9.4.e164.arpa. Daraufhin liefert der Enum-DNS-Server eine Liste mit Kommunikationsmöglichkeiten für diese Nummer zurück, unter anderem mit der Information, an welchen URL eine Faxnachricht zu senden ist, in diesem Beispiel ifax:fax@example.com. Zum Schluss erfolgt dann der Verbindungsaufbau über das Internet.