IT Markt – Glosse
Bitte nicht die Einwahl-User vergessen!

IT-ManagementIT-ProjekteNetzwerk-ManagementNetzwerke

Wer keinen Breitband-Zugang hat, kann keine großen Updates downloaden, und das hat Auswirkungen für uns alle.

IT Markt – Glosse

Wer keinen Breitband-Zugang hat, kann keine großen Updates downloaden, und das hat Auswirkungen für uns alle.

Man kann schnell vergessen, dass die meisten Leute kein Breitband-Internet haben, oder sollte ich besser sagen: ? Es sieht so aus, als habe Microsoft vergessen, dass die Welt voller Einwahl-Nutzer ist?.

Das Resultat ist natürlich die aktuelle Virenflut, und das funktioniert etwa so:

Kürzlich erhielt ich von einem Freund einen Anruf, wie ich sie fürchte: “Mein PC ist sehr, sehr langsam geworden, braucht 10 Minuten, um Windows zu laden und macht sonst gar nichts. Willst Du nicht zum Essen kommen und ihn Dir mal anschauen?”

Man kann nicht sagen: “Nein, ich möchte nicht zum Essen kommen.” Aber man kann sagen: “Das klingt ernst. Ich empfehle, dass Du sofort die Support-Hotline für Deinen PC anrufst”, auch wenn man weiß, dass das nie geschehen wird. Die Antwort lautet wahrscheinlich: “Ja, guter Vorschlag”, aber man weiß, dass man – wenn man erst einmal zu Besuch ist – zu hören bekommt “hatte einfach keine Zeit”. Also machte ich mich zum Essen auf.

Die Maschine war krank, keine Frage. Drei verschiedene Antiviren-Pakete waren darauf installiert. Das wichtigste war AVG, ein exzellentes Paket und in fast jeder Hinsicht nützlich und benutzerfreundlich. Es hat nur eine Schwachstelle, die fatal sein kann, wenn man sie nicht kennt – das automatische Update findet nur einmal im Monat statt, wenn man es nicht anders einstellt.

Dann gab es noch Norton AntiVirus. Das ist nicht mein Lieblingspaket, da ich den Eindruck habe, dass man es nicht einrichten kann, ohne den Rechner zu verlangsamen. Norton behauptet immer, dass das an “User-Fehlern” liegt, was auch sein kann – aber auf jeden Fall kann man diese Fehler zu leicht begehen.

Und wenn man versucht, das Programm zu löschen, wirkt es, als hinterlasse es alle möglichen Kleinteile. Ganz sicher ist auch das wieder ein User-Fehler, aber es ist ziemlich lästig. Als drittes gab es ein Paket, das empfohlen wurde, weil eine “Personal Firewall inbegriffen” war – was stimmt, aber nicht bei der Gratis-Home-Version.

Ich löschte alle drei und rief schnell den Task-Manager auf, der zeigte, dass eine bestimmte Anwendung 98 Prozent der CPU-Ressourcen nutzte – ein Dell-Tastatur-Programm, das dem Anwender “Multimedia-Tasten” bieten sollte (was niemals jemand nutzt). Ich löschte die Anwendung und der Rechner funktionierte.

Wenn mein Freund jemals dieses Utility wiederhaben will, muss er das mit Dell ausmachen. Er wusste nie, dass er es hatte, also ist das nicht der Punkt. Das Thema ist der Zustand des Rechners.

Ich musste feststellen, dass 41 kritische Updates noch warteten”

Es war ein Dell P4 aus dem obersten Segment, mit einem halben GByte RAM, einer 100-GByte-Festplatte, kein Jahr alt. Als erstes habe ich mich vergewissert, ob alle Sicherheits-Patches von Microsoft installiert waren. Ich musste feststellen, dass Windows Update meldete, dass 41 kritische Updates noch warteten.

Die Einwahlverbindung, die mein Freund nutzt, ist prima, wenn es um Geschwindigkeit und Preis geht – man wählt eine 0800-Nummer und bleibt so lange wie nötig online. Theoretisch hätte er also Patches herunterladen können, wie es ihm gefiel. Es sind aber nicht nur die Telefonkosten, sondern es ist auch eine Frage der Telefonnutzung. “ich versuche, zuhause anzurufen, und Du benutzt das Telefon, um Patches herunterzuladen?”

In der Praxis lädt ein hoher Prozentsatz der Nutzer von Einwahlverbindungen die neuesten Patches nicht herunter, na und? Nun, ihre Rechner werden verseucht. PCs werden von Würmern, Phagen und Viren übernommen und werden genutzt, um Millionen von Spam-Mails um die Welt zu schicken, die unsere Mailboxen füllen. Anschließend finden wir Nachrichten von Freunden: “Du hast mir einen Virus geschickt!”, selbst, wenn wir gar nicht infiziert sind und ihnen auch nichts geschickt haben.

Die Computerindustrie ist in vielerlei Hinsicht eine Art Wetterfrosch für andere Wirtschaftszweige, und man fühlt sich versucht zu fragen, was die Zukunft anderer Wettbewerbsfelder ist, falls die Internet-Metamorphose den Rest der Welt genauso getroffen hat wie die IT-Branche. In aller Ernsthaftigkeit – ich halte das für einen vernünftigen Ansatz.

IT-Publishing beispielsweise wurde durch das Internet auf den Kopf gestellt. Die Motive, weshalb man sich heute ein Magazin aus diesem Bereich kauft sind völlig andere als in der Prä-Internet-Zeit. Im IT-Bereich haben wir alle Computer und meistens auch schnelles Breitband; Leser aus anderen Bereichen könnten keines von beiden haben. Ihre Zukunft ist noch ein Stück weiter weg.

Wenn aber die Lektionen aus der Vergangenheit Aufschluss geben über die Zukunft, und das ist der Fall, dann stimmt dies auch umgekehrt: Die Lektionen der Zukunft sollten nicht dazu führen, dass wir die Vergangenheit vergessen. Science-Fiction-Geschichten aus den 60er-Jahren haben irgendwie nicht vorhergesehen, dass auch 20 Jahre später der Großteil der Häuser in Großbritannien viktorianisch sein würde.

Die Zukunft der vernetzten Welt ist etwas, was wir auf uns zukommen sehen können, aber Teile der nicht-vernetzten Welt werden uns erhalten bleiben. Es wird immer irgendwo Leute geben, die Bücher lesen, Leute, die keinen Zugang zu Kabelanschlüssen haben, Leute mit geringer Prozessorleistung – und Leute mit Einwahlverbindungen.

“Die Virenplage kann nicht gestoppt werden, solange unsere Software-Entwickler daran denken, dass es Leute gibt, die nicht jeden Tag 20 MByte herunterladen können, um Schritt zu halten.”

Die Botschaft lautet: Was wir tun, hat Auswirkungen auf diese Leute, da wir ihnen den Zugang zur “Zukunft” verweigern, aber was sie tun, hat auch Auswirkungen auf uns. Die Virenplage kann nicht gestoppt werden, solange unsere Software-Entwickler daran denken, dass es Leute gibt, die nicht jeden Tag 20 MByte herunterladen können, um Schritt zu halten. Die Spam-Pest kann nicht vollständig ausgelöscht werden, so lange wir nicht aufhören, so zu tun, als gebe es überall ADSL-Zugang.

Die Armen und die Einwahlverbindungsnutzer werden uns erhalten bleiben.