Betriebssysteme
Windows übernimmt Mehrfach-Rollen – systemübergreifend?

BetriebssystemIT-ManagementIT-ProjekteNetzwerk-ManagementNetzwerkeWorkspace

Unternehmen können sich jetzt auf Windows-Server freuen, die nicht nur leicht für spezielle Aufgaben zu optimieren sind, sondern die auch in der Lage sind, Unix- und Linux-Anwendungen auszuführen, schreibt Roger Howorth.

Betriebssysteme

Wie IT Week in der letzten Woche in der Titelgeschichte enthüllt hat, arbeitet Microsoft daran Windows Linux-Software ausführen zu lassen, und zwar bald. Windows und Linux wären sehr viel nützlichere Plattformen, wenn beide Software ausführen könnten, die ursprünglich für die jeweils andere geschrieben wurde.

Reden wir also über Longhorn. Longhorn ist der Code-Name für die nächste Windows-Version, die nach derzeitigem Stand 2008 ausgeliefert werden soll. Auch wenn Microsoft die Möglichkeit einer 3-D-Benutzeroberfläche und ein neues datenbankähnliches Dateisystem erwähnt hat, wurden noch keine wirklichen Versprechungen gemacht, was zu Longhorn gehören wird.

“Longhorns Start 2008 ist noch so weit weg, dass man ohne exzellente Kristallkugel kaum vorhersagen kann, was das Update enthalten wird”

Viele Leute haben bemerkt, dass 2008 noch so weit weg ist, dass man ohne exzellente Kristallkugel kaum vorhersagen kann, was das Update enthalten wird. Eines allerdings halte ich für sicher: Longhorn wird in der Lage sein, Linux-Software auszuführen. Ein solcher Schachzug würde Microsoft exzellente Munition liefern, um solche Kunden zu gewinnen, die Linux einsetzen wollen, und solche, die Unix-basierte Risc-Systeme durch Unix-basierte x86-Systeme ersetzen wollen. Wenn Microsoft mehr Server-Software verkaufen will, wäre es eine gute Sache, dies durch eine derartige Erweiterung der Windows-Fähigkeiten zu erreichen.

Die Installationstechnik namens “Server Roles” (Server-Rollen), die schon in ihrer jetzigen Version in Windows Server 2003 praktisch ist und in erweiterter Form mit Longhorn ausgeliefert werden soll, ist vielleicht das einzige andere, was sich mit Sicherheit sagen lässt. Das ist der neue Ansatz von Microsoft zur Einführung von Software. Anstatt alles auf ein Mal zu installieren, kann das IT-Personal mit dem Server-Rollen-Ansatz dem Installationsprogramm genau sagen, was ein bestimmter Server tun soll, so dass nur die für diese Aufgabe benötigte Software installiert wird.

Linux und Samba waren bisher besser. Ich war mir sicher, bei Microsofts Technikern die Tränen auf den Scheibtisch tropfen zu hören.”

IT Week hat im letzten Jahr bei der Bewertung von Samba 3 auf die Nachteile von Windows in Folge des Installierens unnötiger Software hingewiesen – Samba 3 hat Windows als File-Server in unseren Tests geschlagen. Ein Teil der Erklärungen von Microsoft ging dahin, dass Samba und Linux zusammen weit weniger Ressourcen benötigen als Windows. Ich habe darüber mit Technikern in der Microsoft-Zentrale gesprochen, und ich war mir sicher, ihre Tränen auf den Schreibtisch tropfen zu hören, als sie erkannten, dass ein Betriebssystem, das derart mit optionalen Extras aufgeblasen ist, verurteilt ist, Boden gegenüber Produkten zu verlieren, die für einen einzigen Zweck entwickelt wurden. In solchen Fällen ist klar, dass weniger wirklich mehr ist.

Wie auch immer – Server-Rollen würden auch eine einfache Methode bieten, wie man Windows Services für Unix (SFU) installiert. Das ist wichtig, da SFU in seiner jetzigen Form schwer zu installieren ist. Man benötigt beispielsweise entweder einen funktionierenden NIS-Server – oder ein paar Dateien, die User-Namen und verschlüsselte Passwörter enthalten, müssen auf der Festplatte c:\ vorhanden sein. Das kann ein Linux-Administrator leicht arrangieren, es kann aber eine unüberwindbare Hürde für Windows-Administratoren sein, die ihre erste Installation von SFU versuchen.

Der Ansatz der Server-Rollen würde die Ressourcen reduzieren, die ein SFU-System benötigt. Wichtiger aber wäre, dass Kunden so eine Möglichkeit hätten, Microsoft Unix-Server einzurichten, die nicht durch unsichere Windows-Software gefährdet wären, wie etwa Internet Explorer oder andere überflüssige Windows-Tools. Stellen Sie sich das einmal vor!