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Die versteckten Kosten von Open Source

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Viele IT-Anbieter bauen ihre Produkte und Services auf Open-Source-Technologie auf. Martin Butler fragt sich, ob die Kunden dabei wirklich Geld sparen.

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Die OpenSource-Bewegung gewinnt schnell an Boden und ersetzt proprietäre Technologien – wenn man dem Hype glaubt. Wie bei allem, was auf den Märkten für Aufregung sorgt, springen die Anbieter schnell auf den fahrenden Zug, auch wenn sie selbst nicht völlig überzeugt sind und ihre Angebote mehr mit PowerPoint zu tun haben als der Zeit, die für Forschung und Entwicklung aufgewendet wurde.

Die Realität mancher OpenSource-Angebote hinkt hinter den Erwartungen her, und man sollte das ganz mit gesundem Menschenverstand prüfen. Wer Open Source propagiert, redet gerne über Kosten. Also sollte man sich einmal die Kosten anschauen, wenn es um ein Schaustück der Open-Source-Bewegung geht – MySQL.

OpenSource ist nicht immer “gratis”

MySQL hat fast im Alleingang das Interesse am Datenbankmarkt neu entfacht. Als erstes muss man allerdings anmerken, dass Open Source in diesem Fall nicht gleich gratis ist. Eine professionelle Lizenz von MySQL kostet 495 US-Dollar. Technischer Support auf Einstiegsniveau kostet 1500 US-Dollar. Das sollte die Vorstellung, dass irgendetwas gratis sei, gründlich zerstören.

Einer der wichtigsten Anwender von MySQL ist Yahoo. Auf der Website von MySQL gibt es ein bezeichnendes Zitat von Jeremy Zadowny, der als Datenbankexperte bei Yahoo bezeichnet wird. Und das hat er zu sagen: “Man braucht keine wochenlang teure Schulung und ein Regal voller Handbücher, damit MySQL vernünftig funktioniert, Außerdem ist der MySQL-Support wirklich hervorragend.” Das ist es. Wenn man MySQL so einfach nutzen kann und wenn es so verlässlich ist ( man geht davon aus, dass es verlässlich ist, weil die NASA es offensichtlich nutzt, um Anwendungen auszuführen, die für ihre Missionen von hoher Bedeutung sind, auch wenn mich selbst das davon abhalten würde, Astronaut zu werden), warum muss ich dann 1500 Dollar für den Support auf Einsteigsniveau hinblättern?

Und die Support-Kosten können bis zu 62.400 Dollar betragen – kaum eine billige Option. Was an MySQL großartig ist, wie Zadowny erläutert, ist der Umstand, dass man keine teure Schulung oder ein Regal voller Handbücher benötigt. Aber nur für den Fall, dass Sie noch nie eine Datenbank benutzt haben, werden sich die freundlichen Experten bei MySQL in Ihr System einloggen und den Server genau so einrichten, wie Sie es möchten. Das kostet gerade einmal 1000 Dollar. Seltsam, wie die Kosten immer weiter steigen. Vielleicht sollte Mr. Zadowny (das scheint derselbe Jeremy Zadowny zu sein, der ein Buch über Hochleistungs-MySQL geschrieben hat) ein kurzes Handbuch über die Installation von MySQL schreiben. Es sollte allerdings billiger sein als 1000 Dollar.

“Open Source wird hier als Aufmacher genutzt, um Aufmerksamkeit zu erregen”

Dass MySQL einen OpenSource-Hintergrund hat, macht es noch nicht zu etwas Besonderem. Open Source wird hier als Aufmacher genutzt, um Aufmerksamkeit zu erregen, so wie es viele andere IT-Anbieter, groß und klein, auch tun. MySQL ist eine kommerzielle Datenbank, die mit dem Interesse an OpenSource vermarktet wird. MySQL ist nicht die einzige Firma, die so etwas tut, und ich will sie auch nicht als besonderes Beispiel verdammen.

Die Wahrheit ist, dass Open Source in großem Umfang von kommerziellen Unternehmen übernommen worden ist. Die Open-Source-Gemeinde kontrolliert viele der Anwendungen nicht mehr, die als Open Source verkauft werden, und man sollte immer nach den wahren Kosten suchen, bevor man sich auf den OpenSource-Pfad begibt.

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