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Hat der Internet Explorer ausgedient?

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Steve Ballmer von Microsoft erklärt, alte Software sei nicht gut genug – und der Internet Explorer beweist, dass er Recht hat.

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Gelegentlich beklagt man sich darüber, dass wir zu viel über Microsoft schreiben. Ein anderes Bild ergeben Umfragen bei Lesern unserer Magazine, die den Anteil der Microsoft-Themen im richtigen Verhältnis sehen: 9 von 10 Unternehmen haben den Windows 2000 Server installiert – von Windows-Software auf den Desktops, der Allgegenwart von Office oder dem pausenlosen Planungseifer in Redmond ganz zu schweigen – ob es uns nun passt oder nicht.

Doch was die Nachforschungen auch ergaben, ist eine zunehmende Unzufriedenheit mit Microsofts Errungenschaften. Eine Vielzahl von Unternehmen, fast ein Fünftel, arbeitet noch mit Windows NT, während die Anzahl der Nutzer von Windows Server 2003 mit 14 Prozent erstaunlich niedrig liegt.

Auf dem Desktop sieht es nicht anders aus. Von den 225.000 Besuchern auf IT Weeks Website in den letzten 90 Tagen haben 97 Prozent Windows im Einsatz; bei testticker.de sind die Zugriffe ähnlich. Doch auch hier sträuben sich Benutzer allmählich, das von Redmond vorgegebene Tempo mitzugehen. Ein Drittel davon verwendet eine Version vor Windows XP, einer von 10 sogar noch Windows 98.

“Tatsächlich sieht es so aus, dass die Unternehmen nicht mehr upgraden, wann immer etwas Neues im Angebot erscheint”

Tatsächlich sieht es so aus, dass die Unternehmen nicht mehr upgraden, wann immer etwas Neues im Angebot erscheint – selbst wenn der IT-Verantwortliche das vielleicht möchte. Upgrades werden durchgemacht, wenn Geld da ist und das Geschäft gut genug läuft, um die Ausgabe zu rechtfertigen. Das wissen wir alle, auch wenn wir es gerne anders hätten.

Zu denen, die sich die Welt anders wünschen, gehört auch Steve Ballmer. Er spielte dem Personal kürzlich eine etwas hetzerische Mitteilung zu, in der er verkündet, Microsoft müsse die “Ansicht der Leute, dass alte Office- und Windows-Versionen immer noch gut genug seien, bekämpfen”. Ich kann dem nur zustimmen. Das alte Zeug muss raus. Allerdings meine ich, das trifft noch mehr auf den Internet Explorer zu als auf Office oder Windows.

Seit 1995 benutze ich den Internet Explorer, ich fand die Version 2.0 schlicht schneller, logischer, funktionsreicher und einfach besser als Netscape 2.0. Damals löste meine Entscheidung nur spöttisches Gelächter unter den Kollegen aus, aber ich hatte mich entschieden und schaute mich nicht weiter um – bis ich im letzten Jahr zufällig Mozilla Firefox (anschließend Firebird) ausprobierte und sofort erkannte, wo der IE 6 aus Benutzersicht seine Mankos hat.

Und was den Aspekt der Web-Entwicklung angeht, sehen die Dinge noch schlechter aus. IEs eigenwilliger Ansatz, Standards zu unterstützen, ist allseits bekannt, und jeder, der etwas anderes als eine ganz einfache Web-Anwendung entwickeln will, sieht sich einer höchst komplizierten Aufgabe gegenüber.

Über Microsofts offensichtliche Gleichgültigkeit gegenüber dem hoffnungslosen Zustand des Internet Explorer können sich Rivalen nur freuen. Die kürzlich gegründete Web Hypertext Application Technology (What) Working Group, die sich einer Mitgliedschaft von Apple Safari, Opera und Mozilla rühmen darf, hat es sich zum Ziel gesetzt, Browser für die Entwicklung besserer Websites zu schaffen. Und sie scheint immer mehr begeisterte Anhänger zu finden.

Microsoft verdankt seinen Erfolg zum Großteil seiner hofierenden Haltung gegenüber Entwicklern. Dass das Unternehmen die Programmierung von Windows-Anwendungen immer einfach gemacht hat, ist ein entscheidender Faktor seines Aufstiegs und anhaltend hoher Absatzzahlen. Doch wenn es der What-Arbeitsgruppe gelingt, die Webentwickler für sich zu gewinnen, wären für eine neue Generation von Nicht-Microsoft-Browsern die Voraussetzungen nicht schlecht, den IE aus dem Rennen zu werfen. Noch dominiert der IE in seinem Marktsegment, ebenso wie Windows. Ein Betriebssystem auszutauschen ist aber keine Kleinigkeit, wie man an NTs anhaltender Dominanz sieht. Den Internet Explorer loszuwerden wäre viel einfacher. Deshalb kann es durchaus sein, dass Entwickler und Benutzer Microsoft Recht geben und sich sagen: Das Alte taugt nicht mehr.