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Verkaufsschlager oder große Nummer: Serviceorientierte Architekturen

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Serviceorientierte Architekuren sind vielleicht ein wirklich besonderes Phänomen der IT-Welt, meint Roger Howorth – das kommende “Big Thing”, das tatsächlich das Potenzial hat, Unternehmen einen wirtschaftlichen Auftrieb zu geben.

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Neulich war ich Zuhörer einer wahrhaft bahnbrechenden Rede auf Microsofts TechEd Conference. Das war wirklich ein Novum. Während die meisten IT-Anbieter uns mit Paradigmenwechseln nur zulabern, schuf Microsoft tatsächlich einen. Die Delegierten bekamen jeder eine handgemachte afrikanische Trommel in die Hand und wurden in einer Realtime-Umgebung durch den heiklen Prozess eines Paradigmenwechsels geleitet. Das hat Spaß gemacht, und erstaunlicherweise kam kein Mensch anschließend auf die Bühne, um sich noch weiter über Thema auszulassen. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob den meisten Beteiligten wirklich klar wurde, dass sie hier mehr getan haben als eine Zeitlang auf eine Trommel einzuschlagen.

Ein weiteres Highlight war eine Reihe von Präsentationen zu “Fabriq”. Das Fabriq Framework könnte in den Köpfen derjenigen etwas ändern, die beim Thema serviceoriente Architekturen (SOAs) nur ein undeutliches Nuscheln vernehmen lassen.

Zu den Fakten: SOAs bieten die Möglichkeit, Anwendungen in Form einer Serie von autonomen Agents zu entwerfen. Die Agents arbeiten mit Webservice-Schnittstellen wie SOAP (Simple Object Access Protocol) für ihre gesamte Kommunikation. Da die Schnittstellen offene Standards verwenden, ist eine Interoperabilität mit Dritthersteller-Systemen garantiert – falls alle Regeln eingehalten werden. Das Resultat ist, dass Dienste verschiedener Unternehmen automatisch interagieren könnten, ohne die üblichen Kopfschmerzen und Verspätungen, die sonst mit einer Integration einhergehen.

SOAs-Fans meinen, es sei wichtig, die Skalierbarkeit und die Funktionalität eines Systems voneinander zu trennen. Das würde die Lebensdauer von Anwendungen möglicherweise drastisch verlängern, weil ein Up-Scaling einfach dadurch erreicht würde, dass ein neuer Agent hinzugefügt wird. Dieser Ansatz lässt sich dadurch automatisieren, dass eine geeignete Management-Software erkennt, wenn der Workload sein Maximum oder Minimum erreicht hat, und dann automatisch die Zahl der Agenten entsprechend erhöht.

Es könnten einfache TCP/IP-Load Balancing-Systeme dazu verwendet werden, den Workload auf die erhöhte Anzahl von Agenten neu zu verteilen. SOAs und Selfmanagement-Systeme könnten ideal ineinander greifen.

Unterm Strich lässt sich feststellen, dass das wirklich Wichtige an Fabriq die Tatsache ist, dass man heute damit SOA-Anwendungen entwickeln kann. Einige der Präsentationen auf der Microsoft-Veranstaltung bezogen sich auf einen neuen Online-Buchladen, der das Web und ein Fabriq-Framework nutzt. Fabriq ist ein OpenSource-ähnliches Projekt, das von Microsoft gesponsert wird und unter dem Namen “Newtelligence” läuft. OpenSource nenne ich es deshalb, weil man den vollen Quellcode herunterladen und wiederverwenden kann. Newtelligence ist der Name eines belgischen IT-Unternehmens, das den Online-Buchladen für einen Kunden eingerichtet hat.

Wenn nun jedermann davon ausgeht, dass die IT-Anbieter jedes Jahr ein neues Thema aufs Tapet bringen – im letzten Jahr etwa die Web Services -, besteht die Gefahr, dass Firmen eine Zeitlang SOAs links liegen lassen in der Meinung, es handle sich wieder einmal nur um einen neuen Verkaufsschlager. Aber das wäre ein Fehler. Überzeugen Sie sich selbst und schauen Sie Fabriq und seinen Umgang mit Message Queues und Web Services einmal an.