IT Markt – Rhetorik
Keine Sorge, ist nur IT!

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Der Streit zwischen Microsoft und einem brasilianischen Regierungsbeamten erweckt den Eindruck, dass die Sprache der ITler in Übertreibungen versackt.

IT Markt – Rhetorik

Die Sensibelchen der brasilianischen Microsoft-Niederlassung haben einen Verleumdungsprozess gegen den Regierungsbeamten Sergio Amadu eingeleitet, der in einem Artikel dahingehend zitiert wurde, dass er die Taktik der Firma mit einer “Drogenhändlerpraxis” verglich, da Microsoft ärmeren Ländern Windows billiger überlässt.

Der Beitrag ist in englischer Sprache auf der Website zu finden, deren Link am Ende dieses Artikels steht. Amadeu beschuldigt Microsoft darin, eine Strategie aus “Angst, Unsicherheit und Zweifel” einzusetzen. Die Anwälte von Microsoft behaupten, dass die Kommentare von Amadeu “absurd und kriminell” seien und behaupten, sie spiegelten ein “Übermaß von Meinungs- und Gedankenfreiheit” wider. Rechtsexperten erwarten zwar nicht, dass Microsoft Schadensersatz fordern wird, ein Widerruf wird aber in jedem Fall gefordert.

Dieser Fall ist in mehr als einer Hinsicht interessant. Zuerst einmal ist es zufällig so, dass Microsoft mit dem Mann Streit hat, der die OpenSource-Strategie seines Landes entwickelt. Das wird wohl kaum die Theorien widerlegen, dass Microsoft alles tun wird, um das Vordringen von Gratis-Software im öffentlichen Bereich zu verhindern.

Microsoft mit einem Drogenhändler zu vergleichen, ist sicherlich etwas stark, obwohl wahrscheinlich niemand die Äußerung von Senhor Amadeu wörtlich nehmen wird.

Angst, Unsicherheit und Zweifel? Die meisten großen IT-Unternehmen wurden irgendwann einmal beschuldigt, so vorzugehen, seit Gene Amdahl meinte, dass IBM so seine Mainframe-Kunden bei der Stange halte.

Absurd und kriminell? Das Argument sollte im Heimatland von Microsoft als Hort der Freiheit nicht ziehen, und die US-Verfassung sagt in ihrem First Amendment klar, dass “der Kongress kein Gesetz erlassen darf, das die Meinungsfreiheit oder die Pressefreiheit einschränkt”.

Übermaß von Meinungs- und Gedankenfreiheit? Na, das sind ja tiefe Wasser, in die sich Microsoft begibt beim Argumentieren, dass es von einer guten Sache zu viel geben kann.

Microsoft-Hasser werden diese zweifellos als den neuesten Schachzug des Dunklen Imperiums betrachten, aber es ist eher ein Hinweis auf offene Feindseligkeit zwischen den Meinungen im IT-Bereich. Microsoft ist dabei wahrlich kein Unschuldiger – man denke daran, wie die Verbreitung von OpenSource-Entwicklung und Linux als “Krebs” beschrieben wurde.

Schlecht von der Konkurrenz zu reden, hat in der IT-Industrie eine lange Tradition. Vor Zwanzig Jahren hat Ken Olsen von Digital Unix als “Schlangenöl” bezeichnet – auch eine Drogenhändler-Referenz, auch wenn es dabei nur um Placebo-Behandlungen geht. Später tauchten militärische Vergleiche in Massen auf. PC-Software-Firmen reden von “Killer-Apps”, und selbst davon, Himmel hilf, dass man den Panzer auf dem Rasen des Rivalen parkt.

Bei IT geht es heutzutage oft um die visuelle Metapher des Kinderzimmers eines Halbstarken.”

Bei IT geht es heutzutage oft um die visuelle Metapher des Kinderzimmers eines Halbstarken. Raubvögel, große Katzen, schnelle Autos und ähnliches tauchen immer wieder auf. IBM hat einen Server Condor genannt und ein Speichersystem Shark (Hai) – Herrgott, das sind nur ein paar Festplatten.

Derbe Sprache ist nichts Neues. Die Industrie beschreibt seit langem Software-Funktionen als “sexy” – eine verblüffende Wortwahl, mit der sich Sprachforscher und Psychologen jahrelang beschäftigen könnten.

Es wäre ein Zeichen von Reife, wenn ein paar Absurditäten aus dem Verkehr gezogen werden könnten. Firmen, die intelligente Kunden haben wollen, sollten in der Lage sein, die relativen Vorteile ihrer Produkte und Dienste mit einfachen Begriffen darzustellen. Wer sich die unsinnigen Codenamen, die absurden Metaphern und die Großmäuligkeiten anschaut, sollte sich an den unvergleichlichen Michael Winner erinnern und den Anbierten sagen: “Keine Sorge, ist nur IT!”

Weitere Infos:

Blog-Beitrag von Rechtsprofessor Lawrence Lessig über das Zitat zu Microsofts “Drogenpraktiken”

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