Software – Continuity
Nichts überstürzen mit Upgrades

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Eine nervtötende Aktion mit einem fehleranfälligen Upgrade zeigte Kelvyn Taylor, warum vernünftige Unternehmen gerne ein bisschen länger warten, bevor sie sich auf Änderungen an ihrer IT-Infrastruktur einlassen.

Software – Continuity

Es ist schon bemerkenswert, wie schnell sich ein eingefleischter Technophiler wie ich in einen furchtsamen Zögerling verwandeln kann. Während eines Großteils meiner Karriere als IT-Journalist habe ich zu den allerersten gehört, die das Presse-Preview einer Vorversion aufrissen, um die fehlerbehaftete Alphaversion einer angekündigten Software schnellstmöglich auf ihren PC zu laden. Betasoftware hielten wir dann bereits für ein Geschenk des Himmels, und die anvisierten Releases kamen sofort in den “Muss”-Ordner. Service Packs wurden ruck zuck draufgespielt, mit dem sicheren Wissen, dass Notepad oder DOS Edit meinen Schreibansprüchen vollkommen genügt, falls Office 2003 seinen Dienst versagt.

Für den Fall, dass Windows XP in die Knie geht, gab es da immer noch meinen Compaq Laptop486 mit Novell, DOS und Windows 3.11 drauf, die mir jederzeit bis zu einem dringenden Abgabetermin aus der Patsche halfen. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass unsere IT-Abteilung (die sich jetzt in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt sieht) es tunlichst zu vermeiden versuchte, allzu viel mit meinem PC zu tun zu bekommen.

“Das nette Drumherum gefiel mir und ich dachte an nichts Böses”

Doch das ist Geschichte. Wirklich. Jetzt, wo wir viele digitale Zeitschriften produzieren, benutzen wir ein allseits bekanntes Produkt namens Acrobat 5. Und das IST ein sehr gutes Produkt. Doch in einem Moment geistiger Umnachtung beschloss ich, Acrobat 6 zu installieren. Irgendwie war mir Acrobat 5 langweilig geworden, da es schon ewig keine Updates oder Patches mehr gab. Die neue Version hat einiges an wirklich nettem Schnickschnack zu bieten, dachte ich, also musste ich es ausprobieren. Es ging eine Zeit lang alles glatt, obwohl ein paar der besten Features aus Version verschwunden waren. Aber das nette Drumherum gefiel mir und ich dachte an nichts Böses, bis ich ein paar neue Software-Updates entdeckte und sie – wie ich das ja immer tue – installierte.

Nun ging der Ärger los. Plötzlich funktionierte nichts mehr richtig, Dokumente wurden verstümmelt, wohl aufgrund von Inkompatibilität mit einigen älteren Plug-Ins, die bei uns im Einsatz waren.

Ich möchte erst gar nicht anfangen zu beschreiben, wie sehr das PDFMaker-Plug-In für Excel mein stabiles Raum-Zeit-Gefüge erschüttert hat. Da ich mich kurz vor einem Termin befand, war ich nicht gerade erfreut darüber, die kostbare Zeit für meinen Feierabend-Drink mit nicht funktionierenden Hotlinks und völlig vermasselten eingebetteten Tabellen verbringen zu müssen.

Und keiner konnte mir helfen natürlich nicht, denn ich war der einzige, der dieses Update installiert hatte. Version 5 war immer noch Standard bei uns. Am nächsten Tag sorgte ich dafür, dass Acrobat 5 sofort wieder installiert wurde. Bei jedem anderen Programm wäre das Ganze kein Problem gewesen, denn ich hatte für alles meine Alternativen. Aber für die Erstellung ordentlicher PDF-Dateien gibt es keine wirkliche Alternative, vor allem nicht für die Extras, die wir in unseren Online-Ausgaben gerne einsetzen. Das macht Acrobat zu einer unverzichtbaren Anwendung, denke ich.

Mir war plötzlich klar geworden, warum manche Firmen so lange zögern, bevor sie Patches, Upgrades und neue Versionen implementieren. Sie müssen erst sicher gehen, dass sie vernünftig arbeiten. Und zwar langfristig – und fehlerfrei.

Mir ist außerdem klar, dass ich mit meinen Klagen wahrscheinlich offene Türen einrenne, aber für mich war das wirklich ein Moment der Offenbarung. Hätte ich nur besser zugehört, was IT-Spezialisten uns Journalisten schon vor Jahren predigten. Sie hatten verdammt recht.