Storage-Strategien
Quizfrage: Wie hoch ist die durchschnittliche Lebenserwartung bei Daten?

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Neue automatisierte Systeme sollen Unternehmen helfen, Regeln zum Umgang mit Daten zu befolgen. Roger Howorth fragt sich allerdings, wer dann für Fehler verantwortlich sein soll.

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Nachdem ich neulich ein paar Tage mit Speicher-Spezialisten sowohl von EMC als auch HP verbracht habe, scheint mir eine neue Ära der Verwaltung von Datenspeichersystemen angebrochen zu sein. Die Fachleute waren der Meinung, dass die neuen “Corporate Governance”-Gesetze die Chefs von eingetragenen Unternehmen im Falle von Nichtbeachtung hinter Gitter bringen könnten.

Die Anbieter meinten, bessere IT-Systeme – zumindest zum Teil ihre eigenen, versteht sich – könnten Firmenchefs bei der Befolgung der Gesetze unterstützen, ein gutes Berichtswesen garantieren und Katastrophen wie den Enron-Skandal verhindern.

Die Firmen haben allen Grund, sich wegen der neuen Regelungen Sorgen zu machen. Die Bank of America musste zum Beispiel Strafen von mehreren Millionen hinnehmen, weil sie bestimmte vom Gericht geforderte E-Mails nicht vorweisen konnte.

Unternehmen aus anderen Branchen werden noch weitere Hürden nehmen müssen. So müssen sich möglicherweise im Gesundheitswesen tätige Betriebe in den USA dazu verpflichten, Hipa-Daten (Health Insurance Plan Abstraction) zu behalten, was bedeutet, dass bestimmte Patientenberichte bis zum Tod der Patienten aufbewahrt werden müssen. Das dürfte in Deutschland wegen der Datenschutzhysterie nicht so bald funktionieren, doch irgendwann wegen der EU-Gesetzgebungen trotzdem umgesetzt werden.

“Lebenslänglich für Speichermedien”

Nun haben wir also die echte Herausforderung für die Idee des papierlosen Büros. Bis jetzt ist mir niemand bekannt, der ein Speichermedium anbietet, das 80 Jahre oder länger hält – was ein paar interessante Fragen aufwirft. IT-Manager mögen es gewöhnlich nicht, wenn sie sich an bestimmte Anbieter binden müssen. Doch jetzt könnte die Forderung lauten: Bindung ja, aber lebenslänglich.

Da wir also Systeme brauchen, die 80 Jahre und mehr überdauern, werden wir wohl eine Weile darauf warten müssen, bis der erste Speicher-Spezialist mit einem Angebot auf den Markt kommt, mit dem die Speicherung von Daten weniger kostet als mit der guten alten Papiermethode.

Europäische Unternehmen werden es mit einer Reihe von Regelungen zur Datenspeicherung zu tun bekommen. Sie könnten leicht den Datenschutzgesetzen zum Opfer fallen, wenn sie bestimmte geforderte E-Mails nicht vorweisen oder wenn sie nicht beweisen können, dass bestimmte Mails nach der Rechtslage nicht rechtzeitig gelöscht wurden.

“Ich habe eine Menge Bänder, aber die DAT-Laufwerke und die Speichersoftware gibt es längst nicht mehr.”

Der letzte Punkt stellt vor allem Firmen vor Probleme, die ihre Daten auf Band archivieren. Mit einem guten Archivar, im Besitz der nötigen Hard- und Software, ist es vielleicht möglich, Bänder einzuordnen, wichtige Daten zu löschen und den Rest unangetastet zu lassen. Doch dies manuell zu bewerkstelligen, würde ein Vermögen kosten. Ich habe eine Menge Bänder, aber die DAT-Laufwerke und die Speichersoftware gibt es längst nicht mehr.

WORM-Laufwerke (write-once-read-many) wurden einst für perfekte Speichermedien gehalten, aber in der neuen Welt von Regeln und Verordnungen wird auch die Möglichkeit des Löschens verlangt, sonst werden Unsummen von Strafgeldern fällig.

Anbieter von Speichertechnologie sind deshalb der Meinung, dass automatische Speicherverwaltungssysteme eine wichtige Rolle spielen werden. Doch wenn IT-Systeme in Zukunft aufgrund von Vorschriften gekauft werden, stellt sich die Frage, wer denn verantwortlich ist, wenn mit der Software etwas schief geht.

Die Anbieter werden wohl dafür aufkommen, wenn ein Unternehmen aufgrund eines Softwarefehlers irgendwelche Daten nicht vorweisen kann, und ebenso wenig werden die Gerichte die Entschuldigung akzeptieren, dass die Speicherplatte von einem Wurm zerstört wurde.

Der Sasser-Wurm hat uns auf eindrückliche Weise gezeigt, wie beschädigte Software zu Verzögerungen im Informationsfluss und verlorenen Daten führt. Wenn es je einen Grund dafür gibt, von IT-Anbietern Garantien zu verlangen, dann wäre der richtige Zeitpunkt mit Inkrafttreten der Corporate Governance-Gesetze gekommen.