Microsoft will die Raubkopierer besser verstehen

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Nach einer Studie, die von Microsoft in Auftrag gegeben wurde, lehnt die Mehrheit der PC-Nutzer Strafen für eine private Nutzung nicht-lizenzierter Software ab.

Bei PC-Nutzern ist das Rechtsempfinden in Bezug auf illegales Kopieren unterschiedlich stark ausgeprägt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Witten/Herdecke. Während 98 Prozent der Befragten der Ansicht widersprachen, Software sei ein freies Gut, gaben knapp zwei Drittel zu, selbst so genannte Raubkopien privat zu nutzen. Eine weit überwiegende Mehrheit spricht sich hingegen dafür aus, die kommerzielle Nutzung von Raubkopien als Straftat zu verfolgen. Die im Auftrag von Microsoft Deutschland erstellte Studie, die gestern in Berlin vorgestellt wurde, untersucht PC-Nutzer, die im privaten Umfeld oder in Unternehmen unbezahlte Kopien von Software herstellen und benutzen.

Generell sahen die Befragten privates Kopieren ohne Lizenz als weit weniger gravierend an als andere Vergehen, zum Beispiel Ladendiebstahl. Die Forscher erklären dies mit der historisch gewachsenen Vorstellung des Diebstahls, nach der ein Gegenstand dem Eigentümer vom Dieb weggenommen wird, während beim Raubkopieren das Merkmal der “Wegnahme” fehlt. Dr. Thomas Urek betont: “Eine reine Androhung von Sanktionen kann nur ins Leere führen, vielmehr muss es gelingen, einen offenen und sachlichen Dialog zwischen Software-Industrie und Usern zu etablieren. Als positiv bewerten wir in diesem Zusammenhang, dass die weit überwiegende Mehrheit der Software-Nutzer dafür ist, die gewerbliche Nutzung von Raubkopien als Straftat einzustufen und zu verfolgen.”

Offener Dialog gefordert

Zwar ist innerhalb dieser Gruppen das Bewusstsein für die Tatsache ausgeprägt, dass Raubkopieren illegal ist. So stimmte eine Mehrheit von 86 Prozent dafür, dass der Verkauf von Raubkopien bestraft werden sollte, 85 Prozent stuften die Nutzung nicht-lizenzierter Software in Unternehmen als strafbare Handlung ein. Doch ganz anders fiel das Umfrageergebnis hinsichtlich der privaten Nutzung von Raubkopien aus: Nur 22 Prozent der Teilnehmer befürworteten eine Bestrafung, 78 Prozent standen dieser ablehnend gegenüber.

Laut Studie lassen sich im Hinblick auf Raubkopier-Intensität und -Motivation vier Gruppen unterscheiden. Da sind die so genannten “PC-Freaks” (10 Prozent, durchschnittlich 25 Jahre), die eine ausgeprägte PC-Expertise haben und sehr viele Raubkopien anfertigen. Dann gibt es die “Hobby-User” (33 Prozent, durchschnittlich 29 Jahre) mit deutlich geringeren PC-Kenntnissen, aber hoher Raubkopier-Intensität. Die “Pragmatiker” (50 Prozent, durchschnittlich 34 Jahre), setzen den PC vorwiegend zu Arbeitszwecken ein und haben wenig Raubkopien. Die PC-Profis schließlich (7 Prozent, durchschnittlich 38 Jahre), beherrschen ihren Rechner bestens, greifen aber im Unterschied zu PC-Freaks kaum auf Raubkopien zurück. (mk)
(
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– testticker.de)

Weitere Infos:

Universität Witten/Herdecke


Microsoft Deutschland

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