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Dieses Gefühl der Isolation

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Online zu gehen, kann so viel schwerer sein, als manche Marketing- und Werbe-Enthusiasten sich das für uns vorstellen.

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Kürzlich habe ich zu Hause gearbeitet. Oder besser: ich versuchte, zu Hause zu arbeiten und nicht die Sendungen im Tagesprogramm im Fernsehen und die Home-Shopping-Angebote zu verfolgen. Das Problem war, dass ich nicht online gehen konnte, daher ließ ich mich ablenken.

Das Problem resultiert daraus, dass mein ISP eher eine Einquäl- als eine Einwähl-Verbindung anbietet. Wer eine Verbindung haben will, muss nicht nur 10 Einwahlversuche starten, sondern am besten auch noch eine Ziege opfern, sich mit ihrem Blut beschmieren und nackt um den nächsten Telefonkasten herumlaufen.

Zu guter letzt merkte ich, dass ich langsam aber sicher Gefahr lief, der Verlockung zu verfallen, ein versilbertes Diamantarmband für “360 niedrige Raten von nur 20 Euro” zu kaufen und dass jeder Versuch, irgend etwas zu arbeiten, nur die Zeit des Dösens auf dem Sofa reduzierte. Also machte ich mich auf in die Stadt, wo es – so hoffte ich – schon viele Internet-Verbindungen geben würde.

Zuerst ging ich in die Bibliothek.
Dort konnte ich im Fenster ein Schild sehen, auf dem Stand “Von hier Fax senden”. Meine Bücherei dient oft als Zuflucht vor Regen, also erwartete ich, auf einen Man mit einem riesigen Handy und eine Schar von Verrückten zu stoßen, die sich um die Bild-Zeitung streiten, Gummibärchen essen und “Frankie Says”-T-Shirts tragen.

Aber so schlimm wars dann doch nicht, und direkt neben dem Fax stand ein Internet-fähiger PC. Diese einzige Verbindung wurde jedoch von einem Mann mit Barett und schmutziger Regenjacke belegt, der keine Anzeichen machte, sich zu bewegen, obwohl er sich lediglich der offengesagt sinnlosen Aufgabe widmete, sich www.einzelgaenger-finden-sich.de anzuschauen.

Also begab ich mich zum lokalen Internet-Café.
Bei Internet-Cafés ist es immer ein Glücksspiel: Einige sind gut, andere schlecht, und manche sind gut, aber nur zu bestimmten Zeiten, je nachdem, welche Schicht arbeitet und wie beschäftigt sie ist. Ich habe in New York ein Internet-Café besucht, das mit dem Schild “leicht zu benutzen” für sich warb – ich war versucht, davor hinzuzufügen “alles andere als”.

In Großbritannien war das letzte Internt-Café, das ich besucht habe, voller aufgeregter spanischer Studenten, und nachdem ich sowohl die Schlange an der Kasse als auch die vor den Terminals hinter mich gebracht hatte, merkte ich auf einmal, dass es besser gewesen wäre, eine Wildtaube zu fangen, sie zu trainieren, ihr ein paar Tricks beizubringen und sie dann mit einer Nachricht für die Lieben daheim auf den Weg zu schicken.

“Mit dem verbliebenen Restgeld konnt ich mich gerade lang genug einloggen, um drei Spam-E-Mails aus dem Posteingang zu löschen.”

Trotz meiner früheren Erfahrungen hatte ich letzte Woche mehr Glück im Internet-Café – zum Beispiel gab es freie PCs -, aber leider war ich nicht lange da. Da ich das meiste Kleingeld für Bus-Fahrscheine ausgegeben hatte, um überhaupt dort hinzukommen, konnte ich mich mit dem verbliebenen Rest gerade lang genug einloggen, um drei Spam-E-Mails aus dem Posteingang zu löschen. Außerdem war der Laden voller Porno-Sucher, die diese Fundstelle schon ausgebeutet hatten und Dinge sagten wie, “OK, das ist langweilig, ich verschwinde … wir sehen uns im Wohnwagen.”

Hätte ich mich nach so einer Gesellschaft gesehnt, wäre ich zu Hause geblieben. Wohin es jetzt zurückging.

Was ich sagen will: Das Internet ist allgegenwärtig – zumindest wird es so vermarktet. In der Werbung sieht es so aus, als könne man hier billiger und bequemer einkaufen, seine Bankgeschäfte erledigen und kommunizieren und als erhalte man von fast jedem beliebigen Ort kinderleicht Zugang. Die Wirklichkeit sieht anders aus, und ganz klar werden viele Firmen und User noch leiden, bis der Zugang deutlich einfacher wird.