Voice over IP
IP-Technik lässt auf eine gute Zukunft hoffen

IT-ManagementIT-ProjekteNetzwerk-ManagementNetzwerkeSoftwareTelekommunikationVoIP

Das multinationale Unternehmen der Zukunft wird in der Lage sein, Sprache, Instant Messaging und Daten billig und einfach zu multiplexen, meint James Woudhuysen.

Voice over IP

Das multinationale Unternehmen der Zukunft wird in der Lage sein, Sprache, Instant Messaging und Daten billig und einfach zu multiplexen, meint James Woudhuysen.

Jeff Pulver, einer der Top-Amerikaner in Sachen Voice over IP (VoIP) und einer der ehemaligen Top-Erbsenzähler an der Wall Street, hat eine Fachkonferenz organisiert. Strahlend klärt er uns auf, dass das israelische Militär bereits Mitte der 1980er Jahre mit dem Einsatz von VoIP begonnen hat. Danach ging die Entwicklung allerdings viel langsamer, als man vermuten möchte.

Warum? Weil die Leute lieber über Technologie und Preise reden. Also: Was zählt ist End-to-End-IP, verschiedene Betreiber dazwischen sind kritisch; Linux trägt seinen Teil dazu bei, und Kommunikations-Server sind die Gewinner der Zukunft. Wichtiger ist allerdings, wie zum Beispiel Banken ihre Leuten auf der anderen Seite des Atlantik unterbringen und wie sie ihnen kostengünstig Web-Dienste zur Verfügung stellen, damit sie das tun können, was sie auch vorher getan haben, nur besser. Outsourcing ist definitiv ein “Driver” für die VoIP-Branche. Kopien unserer Standardtelefone, meint Pulver, brauchen wir nicht, wir müssen sie mit SMS- und anderen Diensten kombinieren.

Gut gebrüllt, Löwe! Als nächsten hören wir Dr. Henry Sinnreich, auserwähltes Mitglied der Ingenieurs-Elite bei VoIP-Enthusiast MCI. Wählscheiben werden bald passé sein, verkündet er; aber was ist – über die Sprachunterstützung hinaus – mit den Internet-Diensten? Instant Messaging spielt eine große Rolle am Markt, wo sich Händler und hippe Teenies gleichermaßen dem Multitasking verschrieben haben; Videokonferenzen über IP laufen gut bei interner Kommunikation und im akademischen Umfeld. “Präsenz durch Video” hat seinen Platz bei der Notfallhilfe gefunden. Und Realtime-Zusammenarbeit mit Hilfe von IP-Datentransfer ist für internationale Teams bei Forschung und Entwicklung von großem Nutzen.

Während Microsofts Office 2003 und Siemens vernünftigerweise alles zusammenbündeln was man braucht, so Sinnreich, kodiert Alcatel all seine IP-Nachrichten in ein “Simple Object Access Protocol” (SOAP) – und meint vielsagend: “Darüber gäbe es noch einiges zu sagen”.

Viele Ideen, wenig Gemeinsames, aber eine rosige Zukunft für die richtige Zusammensetzung der Technologien

Alistair Woodman, früher bei Apple und heute Senior Director bei Cisco, hat andere Ziele. Er möchte die Probleme mit Benutzeroberflächen durch entsprechendes Design behoben sehen. Er möchte, dass wir mit IP-Systemen auch unsere verschiedenen Instant Messaging-Identitäten verwalten können. Woodman ist genial. Aber während er die Zusammenarbeit über ein IP-Whiteboard lobpreist, äußert er sich eher distanziert zu Videokonferenzen, erwähnt mögliche Fiaskos für den User und spricht von der Komplexität der Oberfläche. Später, als ich ihn mir zu dem Thema noch mal schnappe, dreht er Metcalfes Gesetz einfach um und konstatiert, weil keiner Videokonferenzen abhält, sind sie auch nicht beliebt. Natürlich nicht!

Bis zum heutigen Tage bietet VoIP billige Mann-zu-Mann-Sprachunterstützung über große Instanzen in schlechter Qualität. Doch Voice-Konferenzen in guter Qualität über IP, zusammen mit entsprechenden Verbindungen zu Sprach-Anwendungen wie Microsoft Speech Server 2004, könnten zur Produktivität agiler internationaler Unternehmen mehr beitragen als niedrige Preise oder Wi-Fi VoIP.

Nennen Sie das “VVID over IP”. Woodman hat Recht: Eine bessere Bedienoberfläche wäre nicht schlecht. Kein Zweifel: Zuerst kommt Sprache, dann Video. Zuerst aber einmal weg mit den Premium-Gebühren nach Minutentakt, sowohl für Voice als auch Video. 100 bis 200 Mitarbeiter werden mit “an der Strippe” hängen, mit Bildschirmen so groß, dass 6 Gesichter drauf passen. Mitarbeiter ohne Videokamera werden sich umsonst in die Sprachverbindung einklinken können. VVID over IP, wenn es einmal den vollen Videogenuss bringt, wird hoffentlich clever genug sein, sich nicht an zu viel Bandbreitenverbrauch aufzuhängen.

Das Fernsehen hat Farbe gekriegt; das Handys eine Kamera. Vergessen wir endlich AT&T´s altertümliches Videophon. Mit gerade Mal 35 Dollar im Monat pro User wird VVID over IP demnächst in unsere Unternehmen Einzug halten.