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Der Kunde macht die Musik

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Der Erfolg von Apples iPod auf Kosten einer selbstgefälligen Musikindustrie sollte allen IT-Anbietern, die nicht bereit sind, auf die Wünsche der Kunden einzugehen, eine Lehre sein, meint Roger Howorth.

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Der Erfolg von Apples iPod auf Kosten einer selbstgefälligen Musikindustrie sollte allen IT-Anbietern, die nicht bereit sind, auf die Wünsche der Kunden einzugehen, eine Lehre sein, meint Roger Howorth.

Letzte Woche brachte Apple seinen Online-Musikladen iTunes Music Store auf den europäischen Markt. Die Leute können damit jetzt einzelne Songs für rund einen Euro pro Stück downloaden. Im Gegenzug können viele Musikhändler, so prophezeien Experten, ihren Laden dicht machen. Not macht bekanntlich erfinderisch, und die Musikindustrie ist eher die treibende Kraft für den Erfolg von iPod und iTunes als Apple selbst. Fast so, wie die viel kritisierten Großunternehmen BT und Microsoft hassen die Leute auch die Musikbranche, weil sie glauben, ihr Verhalten sei monopolistisch. Sie haben es satt, zum Beispiel ein ganzes Album kaufen zu müssen, obwohl sie eigentlich nur einen Song davon haben wollen. Und genau das macht den Unterschied zwischen Apples Online-Laden und herkömmlichen Absatzmärkten aus: dass die Leute im iTunes Store nun endlich genau die Songs bekommen können, die sie wirklich wollen.

Man kann es als Konsequenz der großmauligen Taktiererei in der Musikindustrie sehen, dass die Leute sehr empfänglich für Alternativen sind. Natürlich braucht das nicht zwangsläufig dazu zu führen, dass nun jeder sich umsonst seine Musik herunterlädt, wenn auch der anfängliche Erfolg von Napster gezeigt hat, dass derlei Aktivitäten nicht gerade unbeliebt sind. Andererseits macht Napsters Niedergang auch deutlich, dass die Mehrzahl der Leute nicht grundsätzlich betrügen will, sondern lieber wartet, bis jemand die “ehrliche” Lösung des Problems gefunden hat.

Nun haben wir also den iPod. Vordergründig ein MP3-Player, besteht er im Grunde aus nichts anderem als einer Festplatte mit Basissoftware, untergebracht in einem wunderschönen und doch preiswerten Gehäuse.

Der iPod ist eigentlich unspektakulär, wenn man die Technik betrachtet. Er lebt vor allem von der Ideenlosigkeit der Musikindustrie

Was ist also so spektakulär am iPod? Bei der Benutzeroberfläche hat man sich ziemlich Mühe gegeben, aber noch mehr bei der iTunes-Software, mit der sich auch die Musik des Benutzers verwalten lässt. Doch obwohl er eigentlich nichts weiter ist als ein tragbares Gerät zur Wiedergabe von Musik, bedeutet der iPod für den Benutzer weit mehr. Die Tatsache, dass dieser die Musik auf seinem PC und auf seinem iPod speichert, macht iPod zu einem der ersten Produkte, die den Benutzer zu einem Backup zwingen. Außerdem gibt es eine Menge Plug-ins von Drittanbietern, zum Beispiel um den iPod in ein Diktiergerät oder ein Entertainmentsystem fürs Auto zu verwandeln. Letzeres gibt es neuerdings auch von Apple selbst – wie Microsoft hat auch Apple gelernt, gute Ideen gut abzupfern und damit Geld zu machen, weil kein anderer großer Anbieter mehr Ideen hat.

Wer also erst einmal einen iPod hat, wird immer neue Verwendungsmöglichkeiten finden. Meinen verwende ich zum Beispiel zum Verschieben großer Dateien in und aus den IT Week Labs.

Das Ausschlaggebende gegenüber Filesharing-Plattformen ist bei Apples Neuentwurf, dass hier die Belange der Copyright-Besitzer von Musikstücken nicht ignoriert werden. Es ist in der Tat schwierig, Musik von einem auf einen anderen iPod zu schaufeln.

Wenn auch einige Händler den Tag verfluchen, an dem Apple seine musikalische Ader entdeckt hat, sieht der Rest der Branche das nicht ganz so eng. Es ist noch früh am Tag in Apples Musikladen, und noch keineswegs sicher, ob er die Musikindustrie tatsächlich revolutioniert, wie einige glauben.

Wenn man die Menge und Vehemenz der Briefe betrachtet, die wir über BT und Microsoft bekommen, sieht es gleichzeitig so aus, als seien deren Tage gezählt. Die Fortschritte bei Voice over IP bringen BT bereits ernsthaft in Not. Microsoft wird möglicherweise noch viele Jahre überleben. Aber in beiden Fällen sehen sich die Kunden schon interessiert nach Alternativen für diese Hersteller um.

Die iPod-Story könnte sowohl Designer inspirieren als auch Anbietern eine Lehre sein, die da lautet: Nimm die Wünsche deiner Kunden ernst, sonst tut es jemand anders.