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Open Source: Wie aufgeschlossen ist Sun?

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Während die Pläne von Computer Associates zur Öffnung von Ingres wahrscheinlich klingen, ist die Einstellung von Sun zu Open Source absichtlich vage, meint Martin Butler.

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Während die Pläne von Computer Associates zur Öffnung von Ingres wahrscheinlich klingen, ist die Einstellung von Sun zu Open Source absichtlich vage, meint Martin Butler.

Open Source ist dieses Jahr ganz sicherlich für Schlagzeilen gut. In den letzten Wochen hat Compuer Associates angekündigt, die Ingres-Datenbank auf Open-Source-Kurs zu bringen. Außerdem hat Sun Microsystems erklärt, dass das Betriebssystem Solaris der Open-Source-Gemeinde zur Verfügung gestellt wird – wobei Sun nicht die genauen Bedingungen genannt hat, unter denen das geschehen soll.

Linux hat völlig neue Marktmöglichkeiten eröffnet, und die großen Anbieter, die sich normalerweise darauf konzentrieren, ihre Kunden mit teuren Lizenzgeschäften zu fesseln, erkennen jetzt, dass sie bei “Gratis”-Lösungen zumindest mit dem Kopf nicken sollten.

Die Strategien von Computer Associates und Sun bieten einen interessanten Kontrast. Computer Associates geht sehr ins Detail bei dem, was künftig allgemein zugänglich wird. Natürlich müssen in bestimmten Bereichen weitere Einzelheiten geklärt werden, zum Beispiel wenn es um den Support für vorhandene Kunden geht, aber insgesamt gibt Computer Associates eine klare Absichtserklärung ab. Sun dagegen hat nur vage Versprechen für ein Open-Source-Solaris gemacht. Das erinnert an die schlechten alten Tage, als IT-Anbieter schwammige Ankündigungen zur zukünftigen Ausrichtung machten, um zu sehen, ob irgend jemand darauf enthusiastisch reagiert. Die Vorstellung von Solaris als Open Source weckt einiges Interesse, aber die Realität könnte sich von den gemurmelten Phrasen aus einer Anwenderkonferenz doch deutlich unterscheiden. Sun könnte einen Testballon starten, aber die Ankündigungen der Firma werden wahrscheinlich eher ihre Partner aufregen als sonst für großes Interesse sorgen. SCO lizenziert einen signifikanten Teil des Unix-Codes von Solaris an Sun, und bislang hat es keine Anzeichen dafür gegeben, dass SCO sich glücklich schätzt, dass das geistige Eigentum des Unternehmens auf den offenen Markt geworfen werden soll. Angesichts des juristischen Angriffs von SCO auf IBM gibt es in Wahrheit wenig Zweifel, dass SCO nicht willens ist, seine Kronjuwelen ohne Gegenleistung wegzugeben.

OpenSource-Pläne nur zur Geschäftsbelebung ? Den Kunden fehlen jedenfalls die Details

Vielleicht will Sun Open Source vereinnahmen, um das Geschäft zu beleben, aber die Kunden werden wesentlich mehr Informationen über diese Pläne verlangen, und sie werden Gewissheit haben wollen, dass keine legalen Probleme zu fürchten sind. Die Position von Computer Associates unterscheidet sich deutlich von der von Sun. Computer Associates besitzt Ingres, und es gibt keine Risiken – sicherheitshalber sagt man vielleicht lieber, dass es lediglich ein kleines Risiko gibt -, dass ignorierte Partner Beschwerden erheben.

Aber weshalb will Computer Associates Ingres zu Open Source machen? Die Antwort heißt, dass Ingres eine Datenbank war, die auf einem Markt, der von drei Anbietern dominiert wird, ins Nichts lief. Die jüngste Version von Microsoft SQL Server wird sich allerdings bis 2005 verzögern, so dass es eine Lücke im mittleren Marktbereich geben könnte. Wenn sich jetzt Unternehmen für Ingres entscheiden, könnten sie bei Computer Associates anklopfen, wenn sie Service benötigen – das würde den Anbieter in eine gute Position bringen.

Es gibt also zwei Open-Source-Botschaften – die eine sorgt für Verwirrung, die andere könnte einen ganz neuen Markt erschaffen. Aber jenseits der Detailaspekte der Strategien von Sun und Computer Associates ist eines klar: Open Source dringt in den Markt ein, und dafür müssen die Anbieter eine Strategie entwickeln.
martin.butler@butlergroup.com