Software-Entwicklung
.NET bekommt Konkurrenz

DeveloperIT-ManagementIT-ProjekteNetzwerk-ManagementNetzwerkeSoftware

Novells Mono, eine Open-Source-Version von Microsofts .NET-Plattform, bietet Entwicklern mehr Möglichkeiten – falls es gelingt, den Klauen von Microsofts Patenanwälten zu entkommen, schreibt Tim Anderson.

Software-Entwicklung

Microsofts Web-Anwendungstechnologie ASP.Net hat entschieden Marktanteile gewonnen. Im März 2004 war auf einer Übersichts-Site von Netcraft zu lesen, dass es bereits mehr Websites gibt, die ASP.Net verwenden, als solche, bei denen Java Server Pages oder Java Servlets zum Einsatz kommen.

Bis jetzt erforderte ASP.Net einen Windows-Webserver, aber das wird sich nächsten Monat ändern, wenn Novell mit seiner ersten Vollversion von Mono herauskommt, einer Open-Source-Implementierung von Microsofts .NET-Plattform.

Mono läuft sowohl auf Linux und Mac OS X als auch Windows und lässt sich zusammen mit Apache einsetzen, dem bei weitem populärsten Webserver im Internet. Mono leitet eine neue Ära für ASP.Net-Entwickler ein, und – soweit man bis jetzt hört – handelt es sich um eine mächtige Technologie. Aber ist Mono legal?

Alle Blicke sind auf Microsoft gerichtet. Als .NET im Jahr 2002 auf den Markt kam, propagierte das Unternehmen lautstark seine Absicht, aus der neuen .NET-Rumtime-Plattform und der dafür entwickelten C#-Programmiersprache einen offenen Standard zu machen, und in der Tat legte man Standards wie ECMA und ISO zugrunde, um den eigenen Versprechungen gerecht zu werden. Es wurde auch angekündigt, dass gebührenfreie Lizenzen an Drittanbieter zur Implementierung der Plattform herausgegeben würden.

So weit, so gut. Lizenzierung ist ein problematisches Geschäft und einige Open-Source-Verfechter sind sich der rechtlichen Verwicklungen bei der Benutzung von .NET durchaus bewusst. Weit schwerwiegender ist, dass nicht alle Elemente von Microsofts .NET-Plattform den Standardisierungsspezifikationen entsprechen. Dazu gehört auch ASP.Net. Das Mono-Team nimmt diese Tatsache durchaus zur Kenntnis und spricht in den FAQs der Mono-Website von einer “umstrittenen Komponente”.

In einer neueren Stellungnahme schrieb Monos Chefentwickler, Miguel de Icaza: “Wir haben nicht die Absicht, gegen das Patentrecht zu verstoßen, und sollten wir (ein) Patent verletzen, dann nur deshalb, weil wir uns entweder durch den Stand der Technik dazu legitimiert sehen, oder wir schreiben den Code in eine neue Form um. Wir mögen keine Software-Patente, aber wir werden uns an die rechtlichen Grundlagen halten.”

Das Entscheidende ist, dass im Moment niemand weiß, ob die Verwendung von Monos ASP.Net sicher ist. Für Microsoft kommt es jetzt darauf an: Das Unternehmen kann entweder seiner Idee einer .NET-Standardisierung treu bleiben und den Rivalen willkommen heißen, oder schwere “Rechts-Geschütze” auffahren und versuchen, ihn zu vernichten.

Bestimmt werden einigen Leuten bei Microsoft die Haare zu Berg stehen bei der Vorstellung, eigene Technologie-Preziosen mit Wettbewerbern teilen zu müssen, aber eigentlich dürfte die Antwort klar sein.

Der Hauptgrund für die Weigerung der Industrie, Microsoft-Proukte zu verwenden, ist die zu große Abhängigkeit von Windows und die damit verbundene Angst vor unzureichender Sicherheit und dem Gefangensein in einer kostspieligen Falle. ASP.Net für Linux und Apache ist ein enormer Push für die Plattform, sowohl auf dem Unternehmensmarktsegment als auch im Low-End-Bereich für gemeinsam genutzte Hosts, wo Microsoft bis jetzt wenig Einfluss hat.

Für Microsoft gibt es eigentlich keinerlei Notwendigkeit, der einzige Anbieter einer ASP.Net-Implementierung zu sein. Um Erfolg zu haben, braucht es nur die beste Implementierung zu liefern, eine Herausforderung, die das Unternehmen mit Freude annehmen sollte.

Und was Novell und Mono angeht, so ist uns Microsoft doch wohl eine klare Botschaft darüber schuldig, ob dieses interessante Produkt eine stabile rechtliche Grundlage hat oder nicht.