Server-Markt
Alte Server-Recken stellen sich neuen Herausforderungen

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Nach neuen Untersuchungen scheinen etablierte Server-Technologien ihren Reiz zu verlieren, aber Martin Veitch ist davon nicht überzeugt.

Server-Markt

Das Sprichwort, dass die Wahrheit selten rein und niemals einfach ist, beschreibt den Server-Markt perfekt. Die letzten Quartalsberichte von der Analystenfirma Gartner und anderen suggerieren, dass Linux Wachstumsraten hoch im zweistelligen Bereich hat, und dass Intel-basierte Server zunehmend an Popularität gewinnen. Also Niedrigkosten-Server von Linux und Intel und Blade-Server nach oben, der Rest nach unten, richtig? Nicht wirklich.

Viele Beobachter verschreiben sich dem vagen Glauben, dass Linux schnell auf Kosten von Windows wächst, und dass das alte proprietäre Zeug einschließlich Unix schnell verblasst. Blades übernehmen und Clustering und Grid-Architekturen blasen die teuren Multiprozessor-Kisten weg. Außerdem heißt es in diesem Lager, dass durch die erweiterte 64bit-Chip-Architektur der Vorhang für den unglückseligen Intel Itanium fällt.

Das wird jedem bekannt vorkommen, der älter ist als 30. Als Microsoft 1993 Windows NT auf den Markt brachte, dachten viele Leute, dass die Tage von Unix gezählt seien. Unzählige Artikel erklärten als Nachruf, wie Unix durch Fragmentierung getötet wurde. Man war sich auf breiter Front einig: Unix hätte eine Konkurrenz sein können, aber jetzt würde Microsoft es wie einen Penner aussehen lassen.

Wie sich herausstellte, waren die Gerüchte über den Tod von Unix weit übertrieben, als die Umsätze auf dem Rücken von Dot-Coms abhoben, die hochgradig skalierbare, robuste Server benötigten. Der kurze Rat zur Server-Infrastruktur für alle, die eine Internet-Firma starteten, war: “Hol Dir einen Sun Starfire.” Microsoft holte sich mit NT einen großen Marktanteil im Bereich der Low-End-Server, vor allem von Novell, aber bei größeren Servern war die Firma ein Trottel und wurde entsprechend behandelt.

Und davor hieß es, dass Unix Mainframes und Mid-Range-Server töten würde. Auch das passierte nicht, da Sicherheits- und Skalierbarkeitsbedürfnisse bedeuteten, dass der Mainframe und integrierte Server wie der IBM AS/400 das Feld bei den Line-Of-Business-Hosts behaupteten. Mainframes wurden vor anderthalb Jahrzehnten als Dinosaurier betrachtet, aber ihre Fürsprecher haben jeden erinnern können, dass die Dinosaurier groß genug waren, um lange Zeit die Erde zu beherrschen.

Im Server-Reich geht es trotz allen Marketing-Hypes gemächlich voran. Blade-Server galten als “Das nächste große Ding”, aber sie kommen nur schwer voran.

Linux geht es sicherlich gut, auch wenn es eher in Randbereichen der Netzwerke und in schnellen vertikalen Sektoren Fuß fasst. Wenn Oracle und anderere ihre Anwendungen für Scale-Out-Architekturen umgestalten, wird Linux an Bedeutung gewinnen, aber das sind langfristige Zuwächse.

In der Zwischenzeit wächst Windows mit dezentem Tempo auf Servern, auch wenn sich der Datacenter-Schub als langwieriger Umzugs-Trip erwiesen hat.

Und obwohl mancher etwas vorzeitig auf dem Grab getanzt hat, ist es unwahrscheinlich, dass die erweiterten 64bit-Chips von AMD oder Intel Itanium verdrängen werden. Realistischer ist es, dass sie Itanium in eine kleinere Nische drängen werden als ursprünglich beabsichtigt.

Auch Unix wird nicht über Nacht verschwinden. Nachdem es drei Jahre den Bach hinunter ging, sind die Unix-Server-Umsätze nämlich laut IDC im letzten Quartal 2003 gestiegen. Was Mainframe und Mid-Range-Server angeht, werden sie weiterhin ihren eigenen Weg gehen und weder wachsen noch schnell von der Bildfläche verschwinden.

Wenn der Ersatzbeschaffungszyklus beginnt, werden wir in einer besseren Position sein zu beurteilen, wie die Server-Landschaft aussieht. Nur ein Narr oder jemand, der sich mit der Server-Geschichte nicht auskennt, sollte die alten Recken jetzt schon abschreiben.