IT Strategie
Open Source ist keine Religion – nur ein gutes Geschäft

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Nachdem er mit leitenden Angestellten von MySQL und Red Hat gesprochen hat, ist David Coursey der Überzeugung, dass Open Source letztlich doch nicht nur etwas für Kommunisten ist – es gibt echte wirtschaftliche Gründe, seinen Source Code weiterzugeben.

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Beim SIIA Enterprise Software Summit hatte ich letzte Woche die Möglichkeit, mit leitenden Angestellten sowohl von MySQL als auch von Red Hat zu reden. Das machte Spass, da keine der beiden Firmen in den vergangenen Jahren in meiner Hitparade war. Was ich in den Unterhaltungen lernte, war die Bedeutung der Trennung der Open-Source-Religion vom eigentlichen Geschäft.

Ich glaube nicht, dass ich der einzige bin, der von den politischen Aspekten der Open-Source-Gemeinde so abgeschreckt ist, dass er sich nie mit den Business-Aspekten beschäftigt hat. Tatsächlich habe ich kurz darüber nachgedacht – kam aber zu dem Schluss, dass Gratis-Software nie funktionieren wird, und habe den Rest ignoriert.

Man kann Open Source leicht für eine doofe soziale Bewegung ähnlich dem Kommunismus halten und zwar mit ähnlichen großen Chancen auf den Endsieg. Egal, was gesagt wird, Software ist nicht gratis und soll es auch nicht sein. Software zu schreiben ist Arbeit, und dafür sollten die Autoren belohnt werden.

Wenn jemand seine Arbeit weggeben will, ist das in Ordnung, aber man kann keine Gesellschaft auf dem Gedanken aufbauen, dass man sein Bestes gibt, nur um anderen zu helfen und ohne einen Gegenlohn zu erwarten. Wer das nicht glaubt, sollte die Russen oder die Chinesen fragen – oder die Nordkoreaner besuchen und sich selbst überzeugen, wie gut das Experiment dort läuft.

Was ich bis zur letzten Woche allerdings nicht gesehen habe, ist, wie Open Source eine Marktlücke für ein Unternehmen bieten kann, das sonst keine Chance hätte.

Wer Software zusammen mit dem Source Code gratis verfügbar macht, kann bei Unternehmenskunden die Tür für Anbieter öffnen, die sonst nie eine Chance gehabt hätten.

Zum Beispiel MySQL AB, eine schwedische Firma und einer der Lieblinge der Open-Source-Verfechter. Laut Zack Urlocker, Marketing-Vizepräsident des US-Büros des Unternehmens, haben User 5 Millionen Exemplare der gleichnamigen Datenbank der Firma heruntergeladen. Jeder, der will, kann den Source Code für MySQL unter einer öffentlichen Lizenz erhalten.

Seine Rechnungen bezahlt MySQL dank der Einnahmen von 5.000 zahlenden Kunden, darunter einige große Unternehmen. Diese wollen sowohl die Datenbank als auch den notwendigen Support, um sie in Unternehmensanwendungen einzusetzen.

Um es simpel zu sagen: MySQL verschenkt seine Datenbank, um Saat auf den Markt zu streuen. Danach zahlen die kommerziellen User. Und Source Code ist zum einen verfügbar, damit Leute dem Kernprodukt neue Funktionalitäten hinzufügen, und zum anderen, damit die zahlenden Kunden sich keine Sorgen machen, dass die kleine Firma den Geist aufgibt und sie einfach im Stich lässt

Ich halte das nicht für Religion, nicht für Kommunismus, nicht einmal für den schwedischen Wohlfahrtsstaat. Es ist nur eine sehr clevere Methode, eine kleine Firma auf einem großen Markt ins Laufen zu bringen. Ist das Open Source? Natürlich. Aber es ist Open Source aus geschäftlichen Gründen, und nicht wegen eines gesellschaftlichen Statements.

Für mich ist MySQL eine ganz normale Software-Firma mit einem Marketing-Gimmick, der nun mal “Open Source” ist. Das kann ich nachvollziehen. Und wenn man die Politik Open Source von der Business-Realität trennen kann, kann man sehr leicht den einen Aspekt hassen und gleichzeitig den echten Wert schätzen, den Open Source bieten kann.

Andererseits meine ich immer noch, dass es bei Linux im Wesentlichen um günstige Programme zu volkstümlichen Preisen geht, und dass es in viele Derivate zerstückelt werden wird wie Unix. Aber das ist Stoff für eine andere Kolumne.

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