Enterprise Software
Lieber das bekannte Übel?

IT-ManagementIT-ProjekteNetzwerk-ManagementNetzwerkeSoftware

Das IBM-Konzept für Server-verwaltete Anwendungen verspricht, Unternehmen von der Windows-Abhängigkeit zu befreien. Daniel Robinson fragt sich, ob sie dafür an Lotus Workplace gefesselt werden.

Enterprise Software

Als IBM unlängst eine neue Version von Lotus Workplace vorstellte, der Software-Suite für gemeinsames Arbeiten, sorgte die Ankündigung für einige Konfusion und ein gewisses Maß an Übertreibung. Das liegt zum Teil daran, dass Lotus Workplace eine Suite von Produkten ist und nicht nur ein bestimmtes Paket. Ein weiterer Grund war, dass viele Mitarbeiter bei IBM selbst nicht so wirkten, als würden sie wirklich verstehen, um was es in der neuen Ankündigung ging. Ein leitender Angestellter räumte ein, dass er gerade erst ein Briefing zu vielen Aspekten der neuen Version erhalten hatte.

Der Hintergrund der Aufregung war, dass in verschiedenen Meldungen das neue Lotus Workplace entweder als Alternative zu der Office-Suite von Microsoft dargestellt wurde oder als Thin-Client-Computer-Plattform. Keine der beiden Interpretationen stimmt.

IBM versucht mit Lotus Workplace, Usern von einem beliebigen Ort und einem beliebigen Client-Gerät Zugang zu Firmendokumenten und -informationen zu geben. Das klingt wie eine löbliche Idee, ein Zyniker könnte daraus aber auch schließen, dass es sich um einen weiteren Versuch eines Anbieters handelt, Kunden ans eigene Produkt zu binden. Erforderlich ist nämlich der exzessive Einsatz von Server-seitigen Tools von IBM plus einem IBM-Middleware-Layer auf jedem Client; das gilt für Smartphones und Handheld-PDAs genauso wie für Desktop- und Laptop-Systeme.

Wird das Microsoft Office ersetzen? Unwahrscheinlich. Workplace Documents ist der Teil des Systems, der Dokumente, die die Angestellten erstellt haben, in ein zentrales Lager auf einem Server füttert. Die meisten Dokumente werden aber weiterhin mit Word oder Excel erstellt werden, da fast jeder Word und Excel hat und dies die gebräuchlichsten Formate für Geschäftsdokumente sind.

Das wird IBM bei dem Plan, Zugang zu solchen Daten von jedem Gerät aus zu ermöglichen, einen Strich durch die Rechnung machen. Die Client-Middleware, die auf einem Symbian-Smartphone läuft, könnte in der Lage sein, einen Datei-Viewer als Plug-In vom Server ziehen, und so das Lesen von Word- der Excel-Mail-Attachments ermöglichen. Aber was passiert, wenn eines dieser Attachments ein komplexes Arbeitsblatt mit Finanzdaten ist?

?Das würde nicht klappen, und ehrlich gesagt würde das auch niemand tun wollen?, erklärte mir ein IBM-Repräsentant. Leider nehmen einen die User aber beim Wort, wenn man herumläuft und ihnen erzählt, dass sie überall und mit jedem Gerät auf ihre Dokumente zugreifen können. Und wenn diese User feststellen, dass sie auch weiterhin einen Windows-Laptop mit einer lokalen Installation von Office benötigen, wenn sie Zugang zu einigen ihrer Dokumente benötigen, werden sie darauf bestehen, das auch zu haben.

Die Möglichkeit, Anwendungen auf dem Server zu verwalten, die heruntergeladen und auf jeder Client-Plattform ausgeführt werden können, klingt ebenfalls verführerisch. Das wird es aber nur bei neuen Anwendungen gehen, die mit der Eclipse-Umgebung erstellt wurden. Hier kommt die Middleware in Form von Workplace Client ins Spiel – sie wird benötigt, um Anwendungs-Code herunterzuziehen und auszuführen.

Die Micro Edition von Workspace Client, die für Mobil-Geräte gedacht ist, besteht aus gerätespezifischen Versionen von IBMs DB2, einem Service Management Framework und Java-Runtime-Umgebungen – so ziemlich das Gegenteil einer Thin-Client-Architektur. Als Plus stellt sie eine Verbindung zur Management-Suite Tivoli von IBM her, was potentiell jedes Gerät, das in einem Unternehmen genutzt wird, unter die Kontrolle einer einzigen Administrations-Konsole bringt.

Ist Lotus Workplace also Teil eines revolutionären Software-Modells, das Unternehmen aus der Windows-Abhängigkeit befreit, oder ist es nur eine andere Art von Fessel? Es sieht so aus, als müssten das die Käufer selbst entscheiden.