IT Week Meinung
Umsatzboom bei Video-Telefonie ist fraglich

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Die Video-over-IP-Firmen hoffen, dass breitbandgestütztes Tele-Arbeiten den Absatz ihrer Produkte antreiben wird. Wahrscheinlich werden sie enttäuscht werden, meint Martin Courtney.

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Video-Konferenzen waren für mich immer eine jener Technologien, die nur in der Theorie gut aussehen. Draußen in der echten Welt gibt es nämlich außerhalb von Nischenmärkten wie Rundfunk und Erziehung nur wenige Organisationen, die zwingende Gründe dafür finden, hier zu investieren.

Nicht, dass die Implementierung von Video-Konferenzen besonders schwierig wäre. Heutzutage sind die Funktionen für Quality of Service (QoS) und Traffic-Priorisierung, die für die reibungslose Übertragung von Videobildern über IP-Netzwerke benötigt werden, normalerweise als Standard bei Switches und Routern dabei.

Trotzdem müssen dann immer noch die notwendigen Kameras und Mikrofone gekauft werden eine Investition, die anscheinend nur Wenige tätigen wollen. Dies ähnelt der Situation bei Voice-over-IP (VoIP), wo sich die Kosten für die erforderlichen IP-Handsets als eine der größten Barrieren bei der Einführung auf breiter Front erwiesen haben.

Das größte Hindernis Video-over-IP ist allerdings die Tatsache, dass die meisten Unternehmen derzeit keine zwingende Notwendigkeit sehen, Videokonferenztechnologie einzusetzen.

Andererseits sind neue Technologien, die Voice- und Video-over-IP mit Whiteboard-Zusammenarbeit verknüpfen, nicht so leicht von der Hand zu weisen. Sie sollten beispielsweise für große Unternehmen mit vielen Standorten interessant sein, in denen persönliche Meetings und die Entwicklung gemeinsamer Projekte zwischen Personal und Geschäftspartnern zu hohen Reisekosten führen können.

Das ist vielleicht einer der Gründe, weshalb Videokonferenzen in den USA deutlich populärer sind als in Europa. Dort sind die geografischen Entfernungen größer als hier, wo die Städte dichter beieinander liegen und mit weniger Zeit und Geld zu erreichen sind.

In einem anderen Szenario hofft man, dass diese Art von konvergierter Voice/Video/Whiteboard-over-IP-Lösung sich bei Tele-Arbeitern zu Hause durchsetzt. Die europäischen Regierungen verabschieden gerade Gesetze, die es den Beschäftigten erlauben, eine flexible Arbeitspraxis so weit wie möglich auszunutzen, da auf Grund der hohen Mieten immer mehr Menschen außerhalb der Großstädte wohnen.

Manche Telekommunikationsanbieter haben die Chance rasch erkannt; und die Verbreitung von Hochgeschwindigkeits-Breitband-Diensten nimmt rasch zu, um die Nachfrage dieses wachsenden Anteils der europäischen Arbeitskräfte zu befriedigen.

Selbst wenn man aber annimmt, dass die notwendige Bandbreite für Heimarbeiter verfügbar ist, ist immer noch nicht bewiesen, dass Video-Telefonie notwendig ist. VoIP und gemeinsames Whiteboarding bieten offenkundig Vorteile, da sie potentiell niedrigere Telefonkosten und erweiterte PBX-Funktionen bieten und Mitarbeitern an unterschiedlichen Standorten die Möglichkeit geben, an derselben Aufgabe gemeinsam zu arbeiten. Ob aber die Nutzer von VoIP und gemeinsamen Whiteboarding wirklich den oder die Menschen am anderen Ende der IP-Verbindung sehen müssen, bleibt umstritten.

Was heißt, dass die vorherrschende Einstellung von Unternehmen zu Videokonferenzen sich wahrscheinlich kurzfristig nicht ändern wird: Etwas, was man gerne hätte, aber nichts, was man sich dringend anschaffen müsste.